vom Réfuge du Plan Sec nach Modane mit Umweg per Autostop/ Bus nach Lanslevillard
Donnerstag, 30.Juli 2026;17 km, 500m bergauf, 1620m bergab
Heute gehe ich eine andere Strecke als der übrige Tross, die alle nach Pragnolan oder über den GR5 nach Modane wandern.
Ich versuche direkter abzu- steigen, damit ich mit dem Bus noch einmal das Arc -Tal hochfahren kann. Das hat zwei Gründe: zum einen habe ich auf dem Hinweg die kleine komplett ausgemalte Kirche in Lanslevillard nicht besichtigen könne, da sie erst spät nachmittags öffnet. Ich möchte aber auch noch Käse kaufen und die Coopérative in Bonneval war exzellent sortiert. Glücklicherweise haben die ein weiteres Geschäft in Lanslevillard. Wo ich sowieso hin möchte.
Aber zunächst der Abstieg: das sind insgesamt 1690 Höhenmeter !! Es fängt schon gut an, dass der von der App vorgeschlagene Weg über die Staumauer gesperrt ist. Der Umweg führt an Aussois vorbei und nimmt dann einen markierten lokalen Wanderweg ins Tal . Uff !!! Das ist steil, schmal und heute auf der trockenen Südseite sehr heiß: fast 40 Grad! ….
Ich muss mächtig aufpassen, während sich der Pfad am Hang entlang Richtung Tal windet. Sehr selten- jetzt!- wünsche ich mir Wanderstöcke. Dann nehme ich noch einen falschen Abzweig und muss ca. 100 Höhenmeter in der Hitze zurück. Glücklicherweise sehe ich jetzt, dass ich vorhin einen wunderbar sprudelnden Brunnen übersehen habe, der alle Lebensgeister kurzfristig wieder weckt. In Villerodin im Tal interpretiere ich den Busfahrplan so, dass die Haltestelle jenseits des Tals an der Hauptstraße ist.

Da es nur 3 Busse pro Tag gibt, beeile ich mich enorm . Aber ohne eine nette Dame, die mich den letzten Kilometer zur Straße mitgenommen hat, hätte ich es nie zur Abfahrtszeit geschafft. An der Haltestelle stelle ich dann allerdings fest, dass ausgerechnet dieser Bus nur oben durchs Dorf fährt …. mies und aussichtslos…..

Ich halte den Daumen raus und schon 2 Minuten später nimmt mich ein Ehepaar auf seinem Weg in den Urlaub mit, die mich sogar direkt nach Lanslevillard bringen. Perfekt. So habe ich nur noch knapp 1 km bis zum Zentrum. Aber das reicht bei der Affenhitze, dass ich mich komplett am Ende ins Innere eines Restaurants verziehen muss und erstmal Eis, Wasser und Perrier- Menthe bestelle, um mich wieder als Mensch zu fühlen. Ich überbrücke so die Wartezeit, bis die Kirche um 16.30 öffnet und habe vorher noch Zeit, dem Rucksackgewicht 2 kg Käse hinzuzufügen.






Die kleine hervorragend erhaltene Kirche St Sébastien hat den Umweg gelohnt: Im 14.-15. Jahrhundert zogen flämische Künstler über die Alpen nach Italien, und viele nahmen den Pass am Mont Cenis, nicht weit von hier. Auch im Zuge der Gegenreformation (Grenoble war protestantisch geworden) wurden sie engagiert, dem trockenen „Sola scriptura“der Reformation eine bilderreiche Antwort entgegenzusetzen. So sind diese Kirchen entstanden, die in Art einer BD (bande dessinée, Comic) die biblische Geschichte und die der Heiligen erzählen. Dabei probieren die Künstler Techniken aus, die sie gerade erst in Italien gelernt haben (z.B. Perspektive mit Fluchtpunkt).
Um 17.30 mit dem Bus zurück nach Modane, wieder auf den kleinen Camping- platz. Heute ist die Pizza leider schon ausverkauft, so dass ich mit Alexandre, den ich auf den Hütten in den letzten Tagen kennengelernt habe, noch zum Bahnhof zurückgehe und Pizza mit sehr leckerem regionalen Bier (Punta blonde, aus Modane) genieße. Perfekt.
Morgen soll es übrigens schon am Vormittag Gewitter geben. Tangiert mich nicht mehr !!




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