Tag 4 – Belgien mit dem Rad entdecken: Biercée – Mariembourg (75km)

Dienstag, 30. Mai 2023

Meine Gastgeber haben mir Kaffee gemacht  und ich konnte mir ein Ei von ihren ungewöhnlichen Hühnner braten. Den jungen, stolzen Hahn hatte ich schon gestern Abend kennengelernt und in den Morgenstunden ausführlich gehört.

Geplant hatte ich einen Bahntrassenradweg zur französischen Grenze bei Beaumont, dann ein naturbelassenes Tal auf französischer Seite zurück ins Sambretal, um zum Schluss wieder die Sambre flussabwärts bis Thuin zu radeln. Das wäre sicher schön gewesen  – wenn nicht  .. O.k. ich habe den Abzweig nach Beaumont verpasst und da waren es nur noch 20 km bis Chimay: schon interessant,  wo dieses leckere Abteibier herkommt ..

Chimay ist ein nettes kleines Städtchen – nur die Abtei war nirgendwo zu finden.  Nach Suchen auf Google Maps und mehrfachem Dranvorbeifahren  habe ich endlich den unscheinbaren Eingang der kleinen Trappistinnnenabtei gefunden. Eine einfache, spartanisch eingerichtete Backsteinkirche aus dem 19  Jahrhundert  – ganz anders,  als ich es mir vorgestellt hatte (das Problem, wenn man ins Ungewisse ungeplant losfährt). Wikipedia hätte mich schon richtig informiert –  wenn ich vorher gefragt hätte: das Kloster wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts mit Mönchen aus Westvleteren – in der Brauereikunst sehr  erfahren – gegründet. Leider konnte ich auch heute wieder das Bier nicht probieren. Dabei gibt es hier – wie auch in Orval – ein ganz spezielles Chimay, das nur vor Ort verkauft wird und eigentlich, da weniger alkoholisiert, zur Verköstigung der Abtei gedacht ist. Aber nach meinen Erfahrungen am ersten Tag ….

Ich habe dann lieber ohne Bier die Bahntrasse der „ Vicinal“, der für Belgien so typischen Kleinbahn, nach Mariembourg  genutzt.

Von dort dann mit dem Zug in 3,5 Stunden nach Hause. Insgesamt sehr schöne Tour –  ich bin echt glücklich  dass ich das „Belgien- Projekt“ wieder aufgenommen habe und hoffe, dass die Fortsetzung nicht wieder fast drei Jahre braucht ….

Tag 3 – Belgien mit dem Rad entdecken: Malonne- Biercée (80km)

29.Mai 2023, Pfingstmontag

Diesmal bin ich ziemlich unvorbereitet zu der Radtour gestartet, und hatte mir nur „Go west“ vorgenommen.  Keine gute Idee. So habe ich seit gestern Abend Mühe,  eine Entscheidung  über die morgige Strecke zu treffen, bei der interessante Orte, schöne Wegführung und Übernachtungsmöglichkeiten gleichermaßen berücksichtigt sind. Im Endeffekt  entscheide ich mich,  ganz banal den Eurovelo 3 im Tal der Sambre weiter zu radeln.

ehemalige Prämonstratenser- Abtei von Floreffe

Schon nach wenigen Kilometern sehe ich imposant oberhalb des Tales  die Abtei von Floreffe – heute mit großem  Trödelmarkt  in der ganzen  Altstadt.  Tickets  zur Besichtigung der Abtei soll es in der Brauereikneipe geben, die aber erst um 11.00 öffnet. Na ja, der Eingang ist  offen …

In der Abtei ist heute eine  katholische Schule untergebracht und es soll nach Wikipedia sogar ein Priesterseminar geben – fragt sich nur, ob es auch Kandidaten dazu gibt …. Die Schule macht mir von außen einen eher düsteren Eindruck  – viel Platz,  aber auch viel lieblose Einrichtung: Volleyballfelder gemalt auf dem gepflasterten Hof, Basketball auf dem Parkplatz. Insgesamt viel Immobilie für zu wenig Geld.

Weiter geht’s  durch das  Sambretal- sehr pittoresk: tief eingeschnitten mit viel Grün an den Ufern. Je näher ich Charleroi komme, desto  mehr nimmt die Industrie  – und vor allem die verfallenen Industrieanalgen zu . Liebhaber  von „lost Places“ finden hier ihr Eldorado  …

Aber auf der Web- Seite der Stadt Charleroi  habe ich gelesen, dass dieses schwarze Image der Stadt  Vergangenheit sei und ich „eine außergewöhnliche Stadt in Aufbruchsstimmung“ vor mir habe. Was ich sehe : drei Großbaustellen am Theater, am Beffroi und am Bahnhof – alle Geschäfte an diesen zentralen Plätzen geschlossen.  Die Zufahrtstraßen mit Leerständen ohne Ende,  und auch die Viertel der Vorstädte machen nicht den Eindruck von zu viel Geld in den Taschen der Einwohner.  Die alte Zechenanlage „Bois de Cazier“ die ich zum Vergleich mit Blegny und Zollverein besichtigen wollte- geschlossen. Geöffnet an Sonn- und Feiertagen, Ruhetag: Montag. Heute ist beides – aber der Ruhetag ist wichtiger.  Glücklicherweise ist wenigstens ein großer Supermarkt geöffnet,  so dass ich für heute Abend  einkaufen kann – noch hatte ich nämlich keinen Geistesblitz,  wo ich übernachten kann … .

Ich fahre das Sambretal  weiter und sehe in 300m Entfernung vom Radweg die Ruinen der Abtei d’Aulne, einer Zisterzienserabtei, die in der französischen Revolution weitgehend zerstört wurde: alte Gemäuer sind meist unheimlich photogen, so dass ich mir die Zeit für eine Besichtigung nehme – das Abteibier schenke ich mir, eingedenk der schlechten Erfahrung von gestern.

Bei den fast komplett eingerissenen Mauern der riesigen Abtei staune ich immer wieder über den unermesslichen Hass, der solche destruktiven Aktionen bewirkt hat – und was Kirche und Klöster  getan haben müssen, um so tiefsitzenden Hass und Kränkung zu erzeugen ….

Immer noch keine Idee für heute Nacht  … da stolpere ich beim Surfen über eine nahegelegene Adresse  bei „Camping chez l’habitant“. Ich schreibe, bekomme eine positive Antwort und fahre die letzten 15 km aus dem Tal hoch zu meinen Gastgebern: genial- toller Garten zum Zelten, Dusche, nette Gespräche am Abend, das Abendessen hatte ich ja schon selbst  gekauft … Sehr nett !

Tag 2 – Belgien mit dem Rad entdecken: von Lüttich nach Malonne (90km)

28.5.2023, Pfingstsonntag

Vor 3 Jahren bin ich über Pfingsten  die letzten Etappen der Ardennendurchquerung gewandert und hatte zu der Zeit  vor, den mittleren und nördlichen Teil  Belgiens mit dem Rad zu entdecken. Die erste Etappe bis Lüttich bin ich auch gefahren  – und dann ist das Projekt irgendwie eingeschlafen: in Europa  gibt  es eben sooooo viele schöne Ecken  … 

Lüttich

Jetzt soll’s aber endlich weitergehen.  Andrea bringt  mich bis Lüttich und dann radele ich auf dem Eurovelo 3 (der Verbindung der Pilgerwege von Trondheim nach Santiago) die Maas entlang. Auf den ersten Kilometer in Seraing sind die alten, seit Jahrzehnten verlassenen  Anlagen von Bergbau und Schwerindustrie noch allgegenwärtig. Ich kann verstehen,  dass meine Kinder ein Studium in Seraing  nicht ganz so attraktiv  fanden  ….  

Seraing

Ca. 15 km hinter Lüttich wird das Maastal dann aber grün. Jedoch verlasse ich den schönen ebenen  Treidelweg schon kurz nach Flemalle, um das Schloß  in Jehay zu besuchen. Leichte  Enttäuschung bei der Ankunft:  total eingerüstet und im Innenhof eine Gartenmesse …

Also von der Hochebene wieder runter ins Tal und direkt am Atommeiler von Tihange vorbei. Fotografieren verboten: haben die Angst, dass man bei entsprechender Vergrößerung die Risse sieht? Huy ist ein nettes Städtchen – bei diesem Wetter perfekt für die Mittagsrast auf dem  Marktplatz. 

Chouffe vom Fass

Im Anschluss noch eine Kurzvisite in Namur – ein ausführlicher  Bummel durch die lebendige Innenstadt wäre sicher auch eine gute Idee gewesen, aber man kann ja nicht alles haben.  Ich setze mich in ein Straßencafé, um die Übernachtung zu planen: Jugendherberge oder Camping? Bei dem tollen Wetter und einem Chouffe vom Fass entscheide ich mich fürs Zelten, muss dafür aber noch 8 km weiter und wieder aus dem Tal raus- jetzt ist es das der  Sambre. Ich schwöre (zum wiederholen Mal): nie wieder irgendein alkoholisches Getränk vor dem Abend – ich bin total groggy und zu nichts mehr zu gebrauchen… .Bei einem irre steilen Anstieg zum Etappenziel ist Schieben angesagt- und das ist nicht nur dem Alkohol geschuldet. Oben baue ich mein Zelt auf dem netten Camping „Les Tris“ mit Blick auf das Sambretal auf. Die Pizza zum Abendessen war auch richtig lecker – allerdings lag die Pizzeria wieder unten im Ort ….

Tag 1 – Belgien mit dem Rad entdecken: Von Kelmis nach Lüttich (ca. 60 km)

Über Bahntrassen, durch das Tal von Bel und Berwinne und zuletzt an der Maas entlang nach Lüttich – wenn der Weg nicht als Radtour geplant gewesen wäre hätte es auch viele Möglichkeiten zu tollen Besichtigungen gegeben

Zum Beginn der Entdeckungsreise durch den Norden Belgiens soll die erste Etappe von zu Hause in Kelmis nach Lüttich gehen.

Sofort kommen mir die möglichen Routen in den Sinn. Soll ich den RAVEL über Aubel , Herve und Beyne- Heusey fahren ? Möglich, aber den Abschnitt hinter Herve finde ich nicht so schön – und außerdem kenne ich den Weg schon. Val Dieu im Tal der Berwinne sollte wirklich auf der Strecke liegen, und … die Zeche in Blegny ist doch Weltkulturerbe, da muss ich also möglichst auch vorbei! Und wie ist es mit dem Kreuzweg in Moresnet – nur weil der direkt um die Ecke liegt, sollte ich ihn doch nicht rausfallen lassen ? – Wer die Qual hat, hat die Wahl…

Moresnet Chapelle
Moresnet Chapelle

So entschließe ich mich – auch um meine eigene Neugier etwas zu befriedigen, nicht nur über bekannte Straßen zu fahren.

Früh am Sonntagmorgen geht’s also los und ich fahre über kleine Wege nach Moresnet- Chapelle. In diesen Marienwallfahrtsort haben sich die deutschen Franziskaner im Kulturkampf des 19. Jahrhunderts vor der preußischen Staatsgewalt zurückgezogen und bis zum Jahre 2005 den Wallfahrtsort betreut. Ende des 19. Jahrhunderts entstand auch der beeindruckende, in einer Parkanlage liegende Kreuzweg.

Hinter Moresnet bin ich dann auf dem Bahntrassenradweg der alten Linie 39 nach Aubel gefahren An sich wollte ich über den immer wieder interessanten und lebendigen Markt im Zentrum des Ortes schlendern – aber bei Sperrgitter und Maskenpflicht ist mir die Lust vergangen und ich habe mich mit einem kurzen Foto über den Zaun begnügt.

Jetzt kommt die Sonne kräftig durch und ich fahre genüsslich und leicht bergab durchs Tal der Bel zur (ehemaligen) Zisterzienserabtei in Val Dieu. Aktuell wird das Kloster von einer zisterziensichen Laiengemeinschaft genutzt, die den Klostergarten für Besucher geöffnet hat und im Garten einen Rundweg mit spirituellen Impulsen angelegt hat. Ich war zwar schon oft in Val Dieu (auch wegen der Klostergaststätte mit exzellentem Käse und Bier) – aber diesen Garten habe ich heute erstmals entdeckt und ziemlich viel Zeit hier verbracht.

Aber ich will nach Lüttich.  Weiter geht’s durchs Berwinne Tal bis Dalhem – dort entdecke ich einen alten Bahntunnel, der gerade als Fahrradweg neu eröffnet ist, nachdem die Bahn und der Tunnel nach einem schweren Zugunglück fast 30 Jahre in Schockstarre lagen und weder Zug-noch Radverkehr weiter entwickelt wurden. Jetzt also der neue Radweg, den ich neugierig fahre, ohne sicher zu wissen, wo ich auskommen werde. Glück gehabt – ich komme ziemlich genau an dem Ort aus, der sowieso auf meiner Peillinie lag – der Zeche in Blegny.

Die alte Zeche in Blegny

Klar, Blegny ist nicht so riesig und imposant wie Zollverein in Essen – aber dennoch eine spannende und vor allem auch ältere Zechenarchitektur – Heute habe ich keine Zeit, in den Schacht einzufahren – aber das Gelände bietet auch so interessante Einblicke in den Bergbau im 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

Von da aus habe ich versucht, über nicht allzu stark befahrene Straßen bergab ins Maastal zu gelangen. Das gestaltet sich aufgrund der unglaublich schlechten Ausschilderung ziemlich schwierig: Trotz guter Karten-App brauche ich mächtig lange und muss einige Male die Richtung korrigieren, bis ich auf dem Maasradweg ankomme und in die Stadt nach Lüttich hineinfahren kann. In der Stadt selbst dann Bummel durch die Straßen der Altstadt und Besichtigung der Treppe an der „Montagne de Beuren“. Leider ist die Bartholomäuskirche mit dem romanischen Taufbecken des Reiner von Huy geschlossen (obwohl sie laut Schildern und Internet geöffnet sein sollte … grrrr…..), so dass ich etwas früher als geplant in einer kleinen Kneipe in der Nähe des ehemaligen Minoritenklosters zu einem unglaublich leckeren Weißbier komme.  

Später fahre ich zu dem wirklich stylischen Lütticher Bahnhof (vom Architekten Santiago Calatrava, dessen Werke ich auch schon in Valencia bewundert habe),  dann mit dem Zug nach Welkenraedt und zuletzt mit dem Rad zurück nach Hause : wenn die nächsten Etappen ähnlich erlebnisreif werden, bin ich von „Belgique en vélo“  hellauf begeistert !

🚴 2020 bis? Belgien mit dem Rad – Go west!

Bevor es losgeht….

Eine Radtour durch Belgien – unter Aussparung des Südens, da ich doch in den letzten Jahren etwas faul geworden bin und keinen gesteigerten Wert auf Herausforderungen à la „Flèche wallone“ und “ Liège- Bastogne- Liège“ lege.
Das heißt, dass ich mir für die erste Etappe den interessantesten Weg nach Lüttich aussuche: ich kenne die Gegend dank vieler Radtouren so gut,
dass ich die Filetstückchen rauspicken möchte.
Danach aber kommt Neuland: ich freue mich auf den RAVEL die Maas entlang, möche die Bergbaukultur des Ruhrgebiets mit der des belgischen Reviers vergleichen und die vielen kleinen und größeren Städte entlang der Maas entdecken.
Und danach? Mal sehen…
Vielleicht den Canal du centre entlang, um noch mehr Industriegeschichte zu tanken oder aber den sicherlich landschaftlich schöneren Teil entlang der Sambre?
Auf jeden Fall ist das erste größere Ziel die französische Grenze.
Und dann sollte es langsam wieder zurückgehen – am besten im großen Bogen einschließlich Besichtigung der großen flämischen Städte und Bad der Füße in der Nordsee. Aber das ist alles Zukunftmusik.
Zunächst mal : Go west!

Powerpoint und Diashow ebenso wie den Track kann es natürlich erst in einigem Abstand zu der Tour geben: aber die Wartezeit darauf ist ja fast so schön wie vor Weihnachten …. Einfach später noch mal gucken oder sich benachrichtigen lassen …..

Den Blog schreibe ich meist während der Tour : abends, wenn ich aufs Essen warte, vor dem Einschlafen oder nachmittags auf der Hütte. Blogs gibt’s also meist dann, wenn ich solo unterwegs bin. Manchmal ist das Netz so schlecht, dass ich den Blogtext nur in Word schreiben kann und auf einen der nächsten Abende mit besserem Internet warte – manchmal schaffe ich es aber sogar, die Bilder auch schon zeitnah hochzuladen. Auf jeden Fall liefert der Blog die aktuellsten Impressionen- es ist eben das Reisetagebuch

Die Powerpoint erstelle ich später zu Hause: da suche ich die Hintergrundinfos zu den besuchten Orten heraus, erkläre Zusammenhänge und Details und stelle meine Fotos zusammen. Die Quelle zu den Texten bilden dabei Bücher, Wikipedia, Infos der Touristenbüros aber auch andere Internetseiten. Vor allem aber versuche ich mit etwas Animation die Bilderfolge interessanter zu gestalten

Belgien mit dem Rad -als Powerpoints in kleinen Häppchen nach Etappen

Die Diashow ist im Pinzip die abgespeckte Variante der Powerpoint. Vor allem gedacht für einen kurzen Überblick. Auch wenn ihr den Download der Powerpoint scheut oder keinen Viewer habt, kommt dieser Weg infrage

... mehr Infos zu Wegbeschaffenheit und Höhenprofil?

Tag 9- Herbst 2022: Entdeckungstour mit dem Rad durch die Niederlande – Von Dordrecht nach s’Hertogenbosch und mit dem Zug zurück nach Aachen

Freitag, 7.10., 75 km

Unser Zimmer war gut und ruhig – das Frühstück aber dann wie gestern befürchtet:  jede einzelne Scheibe ist abgezählt, so wie wir es gestern angekreuzt haben .. aber auch nichts extra …irgendwie hätte ich gerne noch einen Kaffee gehabt und Dagmar eine kleine Scheibe Käse …

Danach geht der letzte Tag der Radtour los: Zunächst mit der Fähre ins Natur– und Vogelschutzgebiet de Biesbosch: das ist ein Sumpf- und Seengebiet im Mündungsdelta der Maas und des Waal. Zur Vogelbeobachtung ist eine Fahrradtour nicht wirklich geeignet – die Vögel (Silber- und Fischreiher, Wildgänse, Schwäne und Blessrallen) waren immer zu weit weg für meinen Fotoapparat. Den Eisvogel, der hier vorkommen soll, habe ich leider nicht gesehen. 

Mittagspicknick in der Sonne mit Blick auf ein kleines pittoreskes Städtchen – Heusden. Die Cafés auf dem großen Platz waren gut besetzt – wieso haben jetzt so viele Leute Urlaub? Oder sind die alle in Rente?

Weiter geht’s über den Maasdeich nach s‘ Hertogenbosch.  Jetzt um die Mittagszeit ist tolles T- Shirt -Wetter und meist Rückenwind, so dass wir vor der Rückfahrt nach Aachen noch etwas Zeit für die Stadt haben.

Sint Janskerk in s'Hertogenbosch
Sint Janskerk

Die katholische Janskerk ist eine wohltuende Abwechslung zu den calvinistisch puritanischen kahlen Kirchen im Norden der Niederlande.  Die Augen entdecken Kleinigkeiten: eine Ikone, ein Glasfenster, eine Heiligenstatue. Eigentlich mag ich die klaren schnörkellos rationalen Formen der protestantischen Kirchen – aber gehören zum Leben nicht auch die Sinne und die Lebensfreude?

Diese gab’s dann auch noch in einem Café kurz vor der Abfahrt: leckeres Trappisten Weißbier mit einer lokalen Spezialität: den Bossche Bolletje: eine Schokokugel mit Crèmefüllung.

Aus dem Zug wurden wir dann vom Schaffner in Eindhoven rausgekegelt: in der Rush-hour sind Fahrräder verboten. Okeeee – aber der Zug war fast leer. Hätte ich den Schaffner darauf hinweisen sollen, dass er gerade eine sehr preußische Reaktion gezeigt hat?

So kommen wir eine Stunde später als geplant in Aachen an, und sind gegen 20.00 zurück in Kelmis

Wir haben in der letzten Woche (fast) die ganzen Niederlande erradelt – und das ohne E-bike und ohne zwischendurch den Zug zu nehmen (auf Wunsch von Dagmar: ich hätte ja geschwächelt …).

Fazit: höchst abwechslungsreiche Tour zu den bekannt– unbekannten Nachbarn:  das macht Lust, den Rest (den Süden und Südosten des Landes auch noch zu besuchen

Tag 8 – Herbst 2022: Entdeckungstour mit dem Rad durch die Niederlande – Von Den Haag nach Dordrecht

Rotterdam- Bahnhof

Donnerstag, 6. Oktober, 75 km

Heute Morgen haben wir Zeit.  Unsere Gastgeberin war schon weg als wir zum Frühstück gingen – sie gibt Kunstunterricht an einer Schule.  Sie hat uns ein Buch über die Geschichte dieses Ateliers liegen gelassen: von einer Schule über ein von Hausbesetzern okkupiertes Gebäude zu einem Atelier,  das verschiedenen alternativen Künstlern Raum gibt.

Den Haag Radwanderung Niederlande
Den Haag – Der Binnenhof/ Parlamentsgebäude

Ab 10.00 habe wir dann Tickets für die Kunstsammlung des Mauritshuis gekauft. Niederländische Gemälde vom Feinsten: Rembrandt, van Hals, Vermeer, Breughel …. und ganz viele andere. Ich fotografiere normalerweise gerne die Bilder, die mir gefallen – aber wo soll ich hier aufhören???



Dann geht es nach Rotterdam weiter: aber Delft liegt auf dem Weg. Und so verbringen wir sicher 2 Stunden in Delft, do dass danach leider Rotterdam mächtig zu kurz kommt. Rotterdam ist anders als alle anderen Städte auf der Reise: eine Vielzahl gewagter, ganz moderner Gebäude, eine geniale Markthalle mit Street- Food, breite Boulevards, viele große eindrucksvollen Brücken. Inzwischen wurden die alten Häuser und Grachten der übrigen Städte nämlich schon (fast) langweilig, und da kam diese hippe Stadt gerade zur rechten Zeit.  Nur leider hatten wir gerade mal Zeit, sie schnell mit dem Rad zu durchqueren.

Kinderdijk

Wir haben nämlich eine Übernachtung in Dordrecht gebucht, und auf dem Weg liegt noch Kinderdijk mit seinen mindestens 20 Windmühlen.  Und bei der heutigen steifen Brise ist das ziemlich anstrengend … .Die Nacht verbringen wir dann bei einem eher steifen älteren Ehepaar, die versuchen, alles inclusive des Frühstücks minutiös vorauszuplanen. Aber wer weiß am Abend schon, was er exakt am nächsten Morgen frühstücken will?

Tag 7- Herbst 2022: Entdeckungstour mit dem Rad durch die Niederlande – Von Oudewater nach Den Haag

Den Haag

Mittwoch, 5. Oktober, 75 km

Leider habe ich heute Morgen vergessen, Fotos von unserem Übernachtungsort Oudewater zu machen. Wir haben uns so angeregt mit unseren Gastgebern unterhalten und ich habe zunächst vergeblich versucht, eine Bleibe für diesen Abend zu finden, dass ich an Fotos nicht mehr gedacht habe. Dabei ist Oudewater wirklich ein äußerst netter kleiner Ort mit vielen typischen Gebäuden.

bei Oudewater
überall Wasser

Holland ist wirklich vor allem Wasser! Bis Leiden und eigentlich bis zum Meer sind wir heute fast nur über Dämme und Deiche gefahren.  Das Land liegt meist tiefer und das Wasser reicht oft bis an die Krone des Damms heran.

Auch ungewöhnlich: fast nur Luxusvillen sehe ich entlang der Straße – normale Menschen scheinen vor allem in den Vorstädten zu wohnen – die übrigens häufig auch mit zwar gleichförmiger aber durchaus moderner und interessanter Architektur am und im Wasser gebaut sind.

in Leiden

Für Leiden wäre sicher etwas mehr Zeit sinnvoll gewesen. So haben wir uns nur ein kurzes und kaltes Picknick auf einer Bank gegönnt, einen Kaffee in einem Café und eine kurze Stadtbesichtigung „on bike“. Die Grachten sind wirklich äußerst pittoresk, aber eigentlich hätten auch die vielen kleinen Sträßchen mit den unendlich vielen Kneipen und kleinen Läden einen längeren Besuch verdient. Und auch die moderne Architektur der Universität hätte ich mir gerne intensiver angesehen.

Aber wir wollten ans Meer!

Das haben wir dann in Katwijk erreicht und sind von da aus dann mit mächtigem Gegenwind durch die Dünen Richtung Den Haag geradelt. Die letzten Kilometer führten wieder durch Wald mit großen Villen und einigen Botschaftsgebäuden.

Welch Kontrast zu unserer Unterkunft: wir schlafen in einer alten Schule, die heute ein Künstleratelier ist. Vor 40 Jahren war dieses Haus besetzt worden und konnte dann Jahre später von den Hausbesetzern gekauft werden. Eine der Frauen der ersten Stunde ist unsere Gastgeberin. Sehr nett, flippig, alles etwas chaotisch und das Haus voller Kunstobjekte. Richtig nice!

Leider muss ich die Planung für die nächsten Tage ändern: es ist zu weit bis nach Knokke in Belgien und von Seeland aus ist es kompliziert, mit dem Zug nach Aachen zurück zu kommen.  Also werden wir uns doch wieder nach Osten wenden müssen ….

Tag 6- Herbst 2022: Entdeckungstour mit dem Rad durch die Niederlande – Von Amersfoort nach Oudewater

Dienstag, 4.Oktober,60 km

Heute wollten wir eigentlich nach Gouda – aber da hatten wir trotz multipler Telefonate kein Glück mit der Unterkunft: so machen wir heute einen halben Ruhetag und fahren nur über Utrecht nach Oudewater.

wie in der Veluwe

Richtung Utrecht müssen wir – im Endeffekt glücklicherweise – eine Umleitung nehmen, und so kommen wir statt des Radwegs neben der Nationalstraße in den Genuss eines tollen Fietspads durch die Geestlandschaft: Dünen und Kieferwälder mit kleinen Hügeln wie in der Veluwe – und dazwischen ein mit Kurven angelegter Radweg. Spitze! Nach einigen Kilometern dann zurück auf der Hauptstraße, aber auch das ist eher kurzweilig.

Luxusvillen vor Utrecht

Beidseits der Straße befinden sich auf dem Weg nach Utrecht nämlich nicht die typischen Super- und Baumärkte, sondern ein Herrenhaus mit Park liegt neben dem nächsten. Und ohne dick im Autoverkehr zu landen, sind wir auf einmal mitten in Utrecht mit seinen alten Grachten und mittelalterlichen Häusern. 

Radfahren ist für mich meist meditatativ. Ich höre das Rauschen des Windes, Das Surren der Räder auf der Straße und mein Blick wandert über die Weite der Landschaft …. . Das geht überall – aber nicht hier. Hier fährt jeder für jeden Weg mit dem Fahrrad und die Fahrradwege sind entsprechend voll. Da Radfahrer aber deutlich undisziplinierter fahren als Autofahrer, muss man in jedem Moment aufpassen und das Entspannende des Radfahrens ist dahin …


In Utrecht besuchen wir das Museum für mittelalterliche Kunst im Katharinenkloster, verzehren unser Picknick in der Sonne auf einer Bank in der ehemaligen Klosteranlage, bummeln etwas durch die Stadt und fahren dann (mit Gegenwind!) langsam zu unserem Etappenziel. Und wieder haben wir Glück mit unseren Gastgebern von „Vrienden op de fiets“- ein sehr nettes Ehepaar mit denen wir uns in einem kreativen Mix aus Englisch, Deutsch und Niederländisch unterhalten. Morgen werden wir das Meer sehen – aber da ist noch mehr Wind??!

Tag 5- Herbst 2022: Entdeckungstour mit dem Rad durch die Niederlande – Von Hattem nach Amersfoort

Amersfoort

Montag, 3. Oktober,  85 km

 von Hattem nach Amersfoort auf unserer Radtour durch die Niederlande
Storch – ohne Wanderlust

Heute ist es wolkig, häufig scheint die Sonne und der Wind weht nur noch leicht von vorne. Ideales Wetter zum Radfahren! Leider hat das Van Gogh Museum in der Veluwe heute am Montag geschlossen, so dass ich die Ausweichroute entlang der ehemaligen Hansestädte am Veluwer Meer wähle.  Die Städte Elburg und Harderwijk haben vor der Landgewinnung mit Bau des Abschlussdeichs am Ijsselmeer direkt an der Zuidersee- also mit Zugang zum Meer – gelegen und insofern viel Fernhandel getrieben. Der ehemalige Reichtum der Städte lässt sich auch heute noch an der Bausubstanz ablesen ….

Wir fahren entlang des jetzt im Binnenland gelegenen Veluwemeeres:  Also sehen wir auch heute wieder viel Wasser beim Radeln über den Deich.

Die von uns gewählte Tour verläuft diesmal übrigens über keine von vornherein ausgeschilderte Route, sondern ich habe den Weg nach den Zielorten ausgesucht. Die Route entlang der Knotenpunkte, die der Routenplaner meiner App ( Locus map) auswählt, verlaufen hier in den Niederlande sowieso meist über schöne Wege auf Radwegen und meist ohne Autoverkehr.

Amersfoort – Marktplatz

Ziel ist heute Amersfoort: auch hier wieder eine nette Übernachtung über die inzwischen bekannte Assoziation, leckeres Essen (Burger mit Falafel und Fish and Chips) mit exzellenten Bier: Hertog Jan als Bock und Pils – natürlich beides vom Fass.  Danach noch ein interessantes Gespräch mit unserer Gastgeberin. So gefällt mir der Urlaub!