Tag 5 – zu Fuß durch die Ardennen : von Nessonvaux nach Angleur/Lüttich (20 km)

der nächste Anlauf zur Fortsetzung der Belgientour: weiter im Tal der Weser auf Lüttich zu – vorbei an verfallenen Fabriken, hochmodernen industriellen Abfüllanlagen und Zeugen vergangener Bedeutung der katholischen Kirche…

Samstag, 10.10.2020

Eine Woche Herbstferien ! Zeit zum Reisen …!!! ????

Aber Belgien ist Risikogebiet, ebenso Spanien, auch die Niederlande, auch die großen Städte in Deutschland, Teile Österreichs und der Schweiz – Ein Aufenthalt dort bedeutet immer auch die Buchung von 10-14 Tage zusätzlichen Urlaub (d.h. Quarantäne) bei Nichtbeachtung der Einreiseregeln….. Das relativiert die Lust auf Urlaub und schränkt vor allem als Selbständiger die Reispläne nachhaltig ein….

Also setze ich die Belgienwanderung fort !

die Weser bei Nessonvaux

Heute wandere ich von Nessonvaux nach Lüttich. Um 11.00 parke ich den Bus am Bahnhof in Nessonvaux und dann geht’s eigentlich die ganze Zeit über kleine Pfade an den Hängen der Weser entlang flussabwärts. Ein schöner Weg, sonniges Oktoberwetter, sehr wenig Menschen unterwegs – ideal. Ich glaube übrigens doch nicht, dass die geringe Frequentation des Weges an Corona liegt – wahrscheinlich ist dieser GR einfach nicht so populär : Wenn man an „die Weser“ denkt – wem fällt da schon Belgien ein? (Vielleicht können einige ja mit der französichen Bezeichnung „La Vesdre“ mehr anfangen ?)

Symbiose oder Parasit ?

In Trooz wechsele ich die Hangseite und komme an den Resten eines alten Walzwerks vorbei: wie im Bergischen Land gab es auch hier Mengen an eisenverarbeitender Industrie – nur dass hier kein Werk überlebt hat….

Der nächste Ort ist Chaudfontaine: Abfüllanlagen säumen hier das Ufer der Weser  – und viel sichtbarer: fast der ganze Ort ist belagert von riesigen Depots  mit roten und blauen Kisten. In Belgien ist es völlig klar: bestelle ich ein blaues Wasser, bekomme ich stilles Wasser, frage ich nach einem roten Wasser, wird Sprudel serviert!

Hinter Chaudfontaine geht es noch einmal auf die Höhe aus dem Tal heraus zur Wallfahrtskirche (Basilika minor) von Chevremont. Ich hatte gelesen, dass es hier einen seit dem frühen Mittelalter bestehenden und zumindest bis Mitte des 20. Jahrhunderts bedeutenden Wallfahrtsort gäbe, in dem ein Karmelitet- Kloster zu Hause sei. Schon von weitem war die imposante Anlage oberhalb der Weser zu entdecken. Manche Dinge sollte man sich allerdings nur von weitem ansehen…. Von Nahem: alle Türen verschlossen, das Café (au bon accueil) leergeräumt. Der Hof: menschenleer – und zwar schon länger. Warum man die Votivtafeln von den Seitenwänden entfernen musste, erschließt sich mir nicht – ich empfinde das zumindest als respektlos. Ich habe den Aufenthalt an diesem Ort, der auf mich alles andere als inspiriernd wirkte, dann nicht in die Länge gezogen. Etwas einladender war die kleine Kapelle der englischen Jesuiten auf dem Weg ins Tal. Der verfallene und überwucherte Friedhof oberhalb des Ortes erschien mir –passend zur Klosterkirche –  weniger pittoresk als einfach nur verwahrlost.

Dann bin ich schon so gut wie an der Mündung der Weser in die Ourthe angekommen : noch ein kleines Stück auf dem Ravel den Canal de la Ourthe entlang und ich bin in Lüttich: es wären jetzt noch 5 km in die Innenstadt, die ich heute allerdings nicht mehr gehe: zum einen war ich  erst vor 3 Wochen mit dem Rad in Lüttich , aber vor allem auch, da es  zum Besichtigen jetzt schon zu spät ist. Übernachtungen – vor allem in der Großstadt – sehe ich  zur Zeit als wenig kommunikativ an–  die Menschen sind eher dabei, sich in die eigene kleine Komfortzone zurückzuziehen, als offen zu sein für spontane Gespräche. Deswegen nehme ich gleich schon den Zug  von Angleur zurück nach Nessonvaux und hoffe auf ein gemeinsames, kommunikatives Abendessen zu Hause !

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