Tag 7: Von Narbonne nach Colombiers- 35 km

Narbonne
Narbonne, erzbischöflicher Palast

31. Oktober 2017

Gargouilles- .. immer wieder mit höchst phantasievollen Gestalten (als ob den Bildhauern diese Monster mindestens ebenso viel Freude gemacht haben wie die religiösen Figuren…)
 

Heute habe ich einen totalen Bummeltag eingelegt.
Zunächst mal nach ausgiebigem Frühstück Besichtigung von Narbonne: wer hatte gesagt die Stadt sei langweilig? Der erzbischöfliche Palast, in dem die Mairie untergebracht ist,  sowie die direkt anschließende Kathedrale waren schon gestern von weitem imposant: hier beherrscht das Ensemble den ganzen Hauptplatz. Von der Kathedrale selbst ist nur der Chor vorhanden: der Rest wurde – wenn ich das richtig verstanden habe – nie fertiggestellt.

okzitansiches Kreuz

Der Kreuzgang ist zwar an sich überhaupt nicht ansehnlich – aber wie hier in der Gegend ganz häufig, mit phantasievollen,  furchterregenden Wasserspeiern geschmückt (den französischen Ausdruck „Gargouille“ finde ich viel im ausdruckskräftiger). Was ist damals bloß in die Leute gefahren, solche Monster an den Kathedralen zu verewigen. Was für ein Bild von der Welt steht dahinter?!
Darüber hinaus noch eine schöne Markthalle ( innen wie außen) und eine mit Häusern bebaute römische Brücke aus dem 4. Jh.
Kein Wunder, dass ich erst kurz vor 12.00 losgefahren bin.

Zunächst über kleine Straßen – meist Platanenalleen nach Capestaing ( hier immer auch – zusammen mit dem Okzitanischen Kreuz – in Okzitan geschrieben: Capestanh).

Brunnen in Capestaings.
Mir kommt da immer so ein Gedicht von C.F. Meyer in den Sinn :

Aufsteigt der Strahl,und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich
Und strömt und ruht.

Von Capestaings aus ging es dann weiter am Canal du Midi entlang. Nur leider ist der Weg hier entweder nur ein enger Tredelpfad, eine Schlaglochpiste oder ein vom Bäumefällen aufgeweichter Boden. Die Krönung war dann ein römisch anmutendes Kopfsteinpflaster….. . Schluss. – Dann besser Straße !

ab hier Straße !!


Da ich darüber hinaus wieder keine preisgünstige Unterkunft gefunden habe,  bin ich einfach in dem kleinen sympathischen Örtchen Colombiers – wenige Kilometer vor Beziers – auf den Campingplatz gefahren und hab mir die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Sehr angenehm. So müssen sich Faultiere fühlen….

Morgen sind’s dann noch mal 60- 70 km bis Sète ( wo die JH seit Mitte Oktober geschlossen ist…). Wenn der Weg weiter so ist, fahre ich Straße und der Kanal kann mich mal….. Nachtrag: Gestern nach der Abendmesse (Allerheiligen) dann noch Abendessenin einem kleinen Pizza -Snack. Die Chefin war große Klasse, wie sie die kleinen Kinder in ihren Halloween Kostümen empfing und ihnen Bonbons anbot. Nach kurzer Zeit setzte sich ein  Pärchen, das auch mit dem Rad unterwegs war, zu mir an den einzigen Tisch im Lokal. Nette Unterhaltung, alles war gut – bis zum Bezahlen: mein Portemonnaie war nicht da! Verloren ? Aber wo ? Wie komm ich nach Hause ohne Geld, Papiere und ohne Scheckkarte ? Zunächst mal haben die beiden für mich bezahlt und  mich dann zum Camping begleitet , wo ich dann im Zelt meine Papiere gefunden habe. Puuuuuuh !