Camino Portugues 2018 -Tag 11: Caldas des Reis – Hebrón (23 km)

2. Oktober 2018

Warum stehen die jetzt alle vor sechs Uhr auf, wenn doch erst um halb neun die Sonne aufgeht ? Aber ich war sowieso wach, da ich nur meinen dünnen Hüttenschlafsack mithabe und es inzwischen nachts doch ganz empfindlich kalt ist. Ach ja, ich vergaß: in spanischen Albergues gibt es keine Wolldecken… Ich also auch in die Senkrechte und dann zum Frühstück in die nächste Bar, in  der ich die Dämmerung bei Milchkaffee und Croissants abgewartet habe. Heute ist die Wegführung besser: schöne Waldwege, wenig Asphalt und vor allem am Morgen längst nicht mehr so heiß. Die Spanier und Koreaner sind heute Morgen sogar mit langer Hose, eng zugeschnürtem Kapuzenpulli und Handschuhen unterwegs. Aber wenn ab 11 Uhr die Sonne Kraft bekommt, wird es doch wieder heiß. Wir hatten den ganzen Weg über keinen Regen – sehr ungewöhnlich – die Leute erzählen auch, dass die Weintrauben deswegen eintrocknen..

 Padrón
Padrón

Ich war gut zu Fuß und bin schon vor 12 Uhr  – zusammen mit Sonja und ihren Eltern, die ich erneut auf dem Weg getroffen habe, in Padrón angekommen. Ich wollte mir noch etwas genauer diesen Ort angucken, von dem es in der Legende heißt, dass hier der Leichnam von Jakobus an Land gebracht und nach Santiago gefahren wurde. Gerade will ich meine Besichtigungstour starten – wer kommt mir entgegen ? Bruno !  Vor 3 Tagen meinte Hermes, der Schweizer zu mir, dass er bei solchen Begegnungen nicht an Zufälle glaube und ich habe gelacht. Aber heute ? Bruno war nach seinem erzwungenen Ruhetag immer ein Albergue vor mir gewesen und ist dann die 6 km Umweg über das Kloster in Herbón (in dem ich heute Abend übernachten will) gegangen, um es sich anzugucken. Und jetzt wollte er gerade weiter…. Na ja, wir haben erstmal  Tapas zu Mittag gegessen  (kleine gegrillte Paprika aus Padrón mit Salz, die Spezialität der Gegend ). Er ist dann weiter Richtung Santiago und ich habe mir die Kirchen und den Wallfahrtsort zum kleinen Santiago auf dem Berg angesehen und bin dann langsam zum Kloster nach Herbón weiter.

wir müssen warten :die Pforte des Klosters öffnet ert um 16.00

Hier ist eine Atmosphäre die – ähnlich einer Berghütte –  absolute Ruhe und Gemeinschaft ausstrahlt. Zum Schlafen kleine Zellen, in denen wahrscheinlich früher die Seminaristen  gelebt haben. Inzwischen leben nur noch vier Franziskaner hier und das Albergue wird – wie fast überall – von einer säkularen Jakobsgesellschaft geführt.
Vor dem Abend noch ein Bad im Fluss und zum Abschluss eine beeindruckende Pilgermesse im Kloster mit einem Segen in allen anwesenden Sprachen : Slowenisch, Polnisch, Englisch , Schwedisch , Spanisch, Italienisch und deutsch… .

Der Segen aus der Pilgermesse