Tag 12 – zu Fuß durch die Ardennen: von Ortheuville nach St. Hubert (25 km)

Zunächst noch entlang der Ourthe und dann in die Wälder nach St. Hubert – unglaubliche Diskrepanz der riesigen Basilika zu der verschlafenen Kleinstadt !

Dienstag, 29.März 2021


So, jetzt geht die Tour als Fernwanderweg weiter. Zumindest versuche ich das – mal sehen, wie sich so eine Streckenwanderung ohne geöffnete Restaurants organisieren lässt. Für heute Abend sehe ich das Problem in St . Hubert nicht – der Ort ist ja das Zentrum der Region, aber in den nächsten Tagen bin ich wirklich ziemlich weit weg von allem….
Heute bin ich mit Zug und Bus zunächst in die Nähe des gestrigen Endpunkts gefahren – das ging ungewöhnlicherweise fast unproblematisch – trotz Eisenbahnerstreik. Ich habe es allerdings immer noch nicht geschafft, den Bus zu bezahlen: ich saß alleine im Schnellbus Richtung Bastogne und hab den Fahrer gefragt, wie das mit dem Entwerten geht – da hat der mir dann geantwortet, ich solle einfach so fahren…. Und zu Beginn wurde der wegen Corona vom belgischen Staat verschenkte gratis Zugpass nicht anerkannt (im Kleingedruckten steht nämlich, dass er erst ab 9.00 gültig ist ) – und so war erst mal der Kauf einer Fahrkarte zu erhöhtem Entgelt fällig……grrrr !

Die Vicinal – auf der Trasse einer der vielen Kleinbahnen

Aber dann der Weg die Ourthe entlang : während mehrerer Kilometer führte der Weg über die ehemalige Trasse einer „vicinal“: das sind ehemalige Kleinbahnen, von denen es hier in Belgien viel mehr gab , als irgendwo sonst in Europa. Und inzwischen werden die Trassen der seit mindestens 50 Jahren stillgelegten Bahnen immer mehr zu Wander – und Radwegen ausgebaut. Sehr praktisch – und zu normalen Zeiten wahrscheinlich auch gut frequentiert. Jetzt mit Corona bin ich hier aber so gut wie allein – die Holländer, für die die Ardennen sonst das Reiseland Nummer eins sind, dürfen den Zoo nämlich nicht betreten! Ach ja – mir sind heute übrigens 3 ( in Worten: drei !) Wanderer begegnet .

Den Nachmittag über führte der Weg dann durch die riesigen Wälder von St Hubert – übrigens das Jagdrevier der belgischen Könige ! Da fragt man sich schon, warum über die gleiche Wegführung 4 Weitwanderwege unterschiedlicher Assoziationen parallel laufen: können die sich nicht einigen, statt den ganzen Wald mit Wegzeichen but anzumalen ?
Ein Grund ist sicher, dass alle anderen Wege mit Ausnahme dieses Wanderweges gesperrt sind: und so quetschen sich also alle inclusive schwerer Traktoren über diesen Forstweg. So gegen 16.00 war ich dann in St Hubert – total erschlagen von dieser riesigen Basilija, sie so gar nicht zu dem übrigen verschlafenen Städtchen passt. Und jetzt sind noch nicht einmal Touristen da, um zumindest für etwas Animation zu sorgen…
Der Legende nach soll der spätere Heilige Hubertus, später Bischof von Tongeren und Maastricht und Gründer der Stadt Lüttich, bei einer Jagd am Karfreitag Christus in einem weißen Hirsch begegnet sein. Daraufhin habe er sein wildes Jägerleben beendet und sich zum Christentum bekehrt. Den Hirsch sieht man überall in der Kirche – die Legende ist hier allgegenwärtig.

Um 17.00 konnte ich dan meine Unterkunft beziehen: zu meinem großen Erstaunen habe ich das ganze Haus inclusive Garten für mich alleine – durch Corona darf immer nur 1 Raum zusammen mit Bad vermietet werden…. Ob sich dann die Vermietung lohnt ? Abendbrot (Salat mit Lasagne ) hab ich mir genauso wie das Frühstück für morgen beim Lidl gegenüber gekauft. Für heute hat also trotz Corona alles gut geklappt !

Seit La Roche folge ich entgegen der Planung weiter dem GR 57 im Verlauf der Ourthe occidental – der Fluss ist einfach zu schön !

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