Stadtbummel II: Belsunce, Noailles, Thiers
FreitaG, 13.Februar 2026
Heute Morgen soll es nicht regnen! Deswegen schlendern wir am Vormittag durch die Viertel der Innenstadt Belsunce und Noailles mit hohem Anteil an Anwohnern aus dem Maghreb und aus Afrika zu einem orientalisch- afrikanischen Markt – „Le Capucin“. Auf dem Markt gibt es neben dem lautstark beworbenen Obst und Gemüse auch alle anderen Zutaten der nordafrikanischen Küche – sehr farbenfroh und quirlig!
Danach wandeln wir auf national-französischen Spuren und kommen zum Triumphbogen an der Porte d’Aix, der Mitte des 19. Jhs fertiggestellt wurde. Er beschreibt die vielen heroischen Siege französischer Heere -zuletzt in Austerlitz.
Von da ging es weiter Richtung Thiers zum Palais Longchamps – deutlich weniger heroisch. In Imitation eines Barockpalais wurde hier unter Napoleon III 1869 ein Wasserspeicher in Form eines Palastes mit naturhistorischem Museum gebaut, der durch das Wasser der Durance, das über den Canal de Marseille in die Stadt geleitet wird, gespeist wird.





Alphonse Lamartine
aus: la Marsellaise de la paix, 1841
Und warum uns hassen und diese Grenzen und trennenden Wasser, die das Auge Gottes verabscheut, zwischen die Rassen setzen ?
Sehen wir irgendwelche Spuren einer Grenzlinie im Himmel?
Hat sein Gewölbe eine Mauer, einen Grenzstein, einen Grenzpfad?
Nationen! Was für ein aufgeblähtes Wort, um „Barbarei“ zu sagen!
Hört die Liebe dort auf, wo eure Schritte aufhören?
Zerreißt diese Fahnen: eine andere Stimme ruft euch zu: „Nur Egoismus und Hass haben ein Vaterland!
Die Brüderlichkeit hat keines!“
Am Nachmittag wollten wir bei strömendem Regen noch quer durch die Stadt zur Nachbildung der „Grotte préhistorique Cosquer“. Ich gebrauche ja sonst nie Schirme – dachte aber, dass es deutlich urbaner und weniger nach „Outdoor“ aussähe, mit einem solchen Utensil zum Schutz meiner modischen Daunenjacke (und mir selbst) durch den Regen zu laufen anstatt mich in einen Regenponcho zu hüllen …
Fazit: 1. Der Arm, der den Schirm hält, wird immer nass. Ich halte den Schirm nicht immer mit der gleichen Hand, also werden beide Ärmel nass. 2. Der Rucksack und der untere Rücken werden auch nass. Manchmal weht es von vorne, so dass auch die Brust nass wird. 3. Daune ist nicht wasserabweisend und sie wärmt bei Nässe nicht. 4. Außerdem war die Hose unterhalb der Knie nass und Schuhe, Strümpfe und Füße komplett durchweicht (letzteres allerdings unabhängig vom Schirm – eher abhängig vom Regen….). Also: die Variante „Waldschrat“ mit Poncho sieht zwar in der Stadt verboten aus – aber …. Eitelkeit hat ihren Preis…..
Im Museum der Grotte Cosquer wurden wir in prähistorische Zeiten entführt…. Die 2022 eingeweihte Kopie der 1985 mit beim Tauchen entdeckten Grotte, beinhaltet die originalgetreu nachgebaute Höhle mit Tropfsteinen, steinzeitlichen Höhlengemälden und Ritzzeichnungen: farbig hervorgehobene menschliche Hände, verschiedenste Tiere wie Pferde, Bisons, Hirsche, Steinböcke – und Pinguine … es war eben viel kälter und eine heute ausgestorbene Pinguinart bevölkerte die Küsten des Mittelmeeres. Vor 30.000 Jahren war das Ende der Eiszeit: die Pole waren viel stärker vereist und der Meeresspeigel des Mittelmeeres lag 100m tiefer als heute. Der Zugang zur Höhle lag also nicht im Wasser. Die Höhle diente dem Kult- vielleicht im Rahmen von Initiationsriten.



Denn in die Höhle zu gelangen war damals – auch ebenerdig – nicht einfach: es war dunkel, eng, feucht und kalt: bei flackernder Fackel sicher auch furchtbar unheimlich. Heute fuhren wir mit kleinen sich wie bei einer Geisterbahn drehenden Bötchen durch die wohltemperierte, angenehm breite Höhle. Es war dämmrig – aber nicht wirklich finster. Und modrigen Geruch gab es auch nicht. So technisch perfekt der Besuch auch ist- ein Höhlenerlebnis vermittelt die Kopie nicht.
Ähnliches habe ich in anderem Zusammenhang schon mehrfach beschrieben : bei sakraler Kunst im Museum fehlt mir ebenfalls diese zusätzliche Dimension, die eben auch physisch durch das Dämmerlicht, die Gerüche und darüber hinaus den schwer zu beschreibenden „Spirit“ von Kirchen vermittelt wird.
Aber manchmal sind Museen und Höhlenkopien eben die einzige Möglichkeit, vielen Menschen diese Kunst verfügbar zu machen – dann muss man solche Unzulänglichkeiten eben akzeptieren ….






