Tag 21 – zu Fuß durch die Ardennen: Lamorteau – Virton über Torgny (20 km)

Auf zum Südzipfel Belgiens ! Trotz des Wetters spürt man in Torgny etwas vom Flair des südlichsten Dorfes der Wallonie …

Mittwoch, 26.Mai

Ich habe gestern Abend wirklich meine Pizza ganz aufgegessen. und es regnet trotzdem. Unfair!

Nach ordentlichem Frühstück mache ich mich dann im Sprühregen (der sich von Zeit zu Zeit auch in einen veritablen Regenguss wandeln kann) auf zum südlichsten Ort Belgiens, nach Torgny.

Häuser und Türen in Torgny

Dieser wirbt mit Weinbau und einem méridional – provençalischen Flair. Das klingt im Dauerregen schon ziemlich nach Hohn. Und bei dem Wetter (und Corona) ist natürlich auch alles geschlossen und noch nicht mal ein Hund auf der Straße: trotzdem kann ich dem Ort was abgewinnen : die ockerfarbenen Häuser wirken einladend und  -ja! – es gibt sie wirklich, die halbrunden Dachziegel als untrügliches Zeichen des Südens (allerdings auf höchstens der Hälfte der Häuser – die anderen sind  – belgisch, klassisch – mit Schiefer oder Flachziegeln gedeckt).

Dann verlasse ich kurz den GR 129, den man von Brügge nach Arlon wandern könnte, und laufe ca. 3km über immer schmaler werdende Feldwege und zum Schluss über eine Wiese zum Ziel der Ardennenwanderung: dem südlichsten Punkt Belgiens. Jemand hat ein inoffizielles Schild aufgestellt – sonst wäre das GPS die einzige Quelle, um diesen Ort hervorzuheben. Richtung Frankreich : eine Weißdornhecke und das kleine Grenzflüsschen, der Chier. Die anderen Richtungen: Wiesen und Weiden. Völlig unspektakulär – aber irgendwie freue ich mich doch angekommen zu sein.

Der Südzipfel Belgiens

Ein bisschen beflügelt mache ich mich auf den Rückweg und sehe kurz hinter Torgny die erste geöffnete Kapelle seit vier Tagen (Orval zählt nicht mit – oder: vielleicht doch, da die Kirche selbst für „normale“ Touristen ja nicht geöffnet ist). Auf dem weiteren Rückweg gab es natürlich wieder die altbekannten häufigen Regenschauer und leider einen  ziemlich langweiligen breiten Forstweg fast bis nach Virton.

Virton selbst mag ohne Corona ganz nett sein – jetzt war alles geschlossen, nur eine sündhaft teure Brasserie hatte eine Außenterrasse geöffnet.

Da hat es mir dann überhaupt nicht leid getan, schon gegen 15.00 den Zug zurück nach Bouillon zu nehmen – steht das Auto noch da ??? ( Antwort: ja, kein Problem)

Fazit :  die Wallonie, und speziell die Ardennen, sind wirklich schön: die Flüsse wilder und naturbelassener als ich das aus Deutschland kenne, die Wanderwege exzellent markiert, die Dörfer pittoresk. Allerdings kämpft auch dieses Mittelgebirge mit den gleichen Problemen wie ähnliche Regionen Europas : die kleinen Geschäfte, Cafés , einfache  Hotels und Kirchen schließen. Die Häuser werden zu Wochenend-Häusern oder Ferienwohnungen umgebaut – auch Luxusresraurants mit Zimmern halten sich . Fast immer sind hier Flamen oder Niederländer die Käufer.

Ich hatte – als Beispiel – in den letzten vier Wandertagen zwischen Bouillon und Virton ohne Umweg keine Möglichkeit einzukaufen und die Übernachtungen gestalten sich – von den Zeltplätzen entlang der Semois und Ourthe abgesehen – vor allem als Einzelwanderer als Herausforderung.

Aber all das ist Klagen auf hohem Niveau – es war eine tolle Tour und ich frage mich, ob ich nicht auch den Rückweg zu Fuß gehen sollte : dabei wären dann das Grenzgebiet zu Luxemburg und die Ostkantone lohnende Ziele….

4 Gedanken zu „Tag 21 – zu Fuß durch die Ardennen: Lamorteau – Virton über Torgny (20 km)“

  1. Ich bin wirklich begeistert von deiner Leistung und deiner tollen Idee. Du bist die Tochter, ich denke insbesondere deiner Mutter. Natur verliebt , mit einem Blick für das Schöne, Auch alltäglichen Dinge des Lebens. Schöne Begleitfotos und nette Kommentare🙋‍♀️👏

    1. Hallo Sylvia, freut mich, wenn es dir gefällt. Vielleicht führt mich eine Tour ja auch mal in eure Gegend, Und natürlcih bin ich bei meiner Liebe zu Reisen und Natur familiär vorbelastet….

  2. Toller Blog und sehr inspirierend man vergisst doch leider fast immer wieder an was für einen schönen Ort wir auch schon leben und welche tollen Orte unmittelbar um uns herum sind 🔥🔥danke Suzanne für diesen tollen Einblick

    1. Hallo Dylan, ja – deswegen habe ich unter anderem die Tour durch Belgien unternommen, um auch mal was anderes von Belgien kennenzulernen als nur die Autobahn von Aachen über Lüttich, Namur und Charleroi nach Frankreich ….

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