Tag 19 – zu Fuß durch die Ardennen: Ste. Cécile – Orval (21 km)

Wanderung entlang der französischen Grenze auf meist kleinen Pfaden nach Orval – die Ruinen aber auch die neue Zisterzienser-Abtei sind ein Erlebnis!

Pfingstmontag, 24.5.

Genau so pünktlich, wie es am Samstag aufgehört hat zu regnen, als ich loswandern wollte, hat es heute morgen angefangen. Und es hört nicht auf. Glücklicherweise finde ich im nächsten Ort, in Chassepierre, ein nettes Restaurant, in dem ich gut frühstücken kann (natürlich auf der Außenterrasse – die Hotelgäste sitzen drinnen… ). Ich hoffe, den Regen aussitzen zu können, aber das klappt heute nicht. Also Regenhose, Anorak und Poncho an und los.

Die Landschaft bleibt immer noch schön – noch einige Kilometer folge ich der Semois, bis der Weg über einen RAVEL (die belgische Version der Bahntrassenradwege), der auf der Trasse einer dieser kleinen örtlichen Eisenbahnen verläuft, die hier „ vicinal“ genannt werden, langsam auf die Hochebene ansteigt. Schon im Tal der Semois haben sich Landschaft und Charakter der Dörfer geändert. Das Land ist flach gewellt, viel lieblicher als die steilen Felsen im Tal der Semois, die Häuser meist niedrig und hell getüncht.: ich bin in der Gaume. Aufgrund des Dauerregens nehme ich den direkten Weg durch die Wälder immer direkt an der französischen Grenze entlang – Mal auf dieser, mal auf jener Seite der Grenze. Ob das wohl coronakonform ist??

Dann komm ich an Willers vorbei, einem Ort mit den Resten einer römischen Raststätte auf der Straße von Reims nach Trier. Der GR führt hier über französisches Gebiet und das Dorf liegt auf einem Hügel grade mal 300m entfernt. Ich wandere also in den Ort hoch – sehe die französische Mairie – und bin glücklich, dass mehr als die Hälfte der Autos belgische Kennzeichen haben. Also kümmert sich keiner um diesen Stuss mit den Einreisebeschränkungen.

Meisennest in einer Wand der Ruinen der Abtei

Endlich wird das Wetter besser und ich erreiche Orval. Die heutigen Gebäude wurden ca 1920 im Stil des Art Deco gebaut, nachdem die alte Zisterzienserabtei in der französischen Revolution zerstört worden war.  Heute leben in diesem riesigen Gebäude noch 7(!) Mönche. Finanziell geht das nur durch die Einkünfte der Brauerei (habe ich von der netten Dame an der Anmeldung erfahren).

Leider kann ich nicht im Kloster selbst schlafen – wegen Corona gibt es nicht viele Gästezimmer. Aber ich kann den Zeltplatz der Abtei und die Dusche nutzen. Wobei „Zeltplatz“ einen Euphemismus darstellt: ich hätte den Platz ‚Lichtung im Wald‘ genannt. Aber da es nicht mehr regnet, ist alles gut, und ich bin sogar noch zu meiner Pfingstmesse gekommen – mit Stundengebet der Mönche der Abtei. So, jetzt hoffe ich nur noch, auf nicht allzu viel Regen heute Nacht!

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