🏙🚶Marseille und Calanques – Tag 2

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Stadtbesichtigung Teil I

Donnerstag, 12.Februar 2026

Windstärke zwischen 4 und 9 Beaufort – was soll dann das heißen? Nachdem wir den Schutz der engen Gassen des Quartier du Panier verlassen hatten und auf den unbebauten, dem Meer zugewandten Vorplatz der Kathedrale kamen, auf dem wir uns kaum auf den Beinen halten konnten, wurde uns klar, dass Windstärke 9 schon ziemlich unangenehm und kalt sein kann….

Wir haben dann versucht die Wellen, die sich an der Kaimauer brachen zu fotografieren- Ergebnis war nur ein Objektiv mit ganz vielen Tropfen  auf der Linse…

das MuCEM – am Nachmittag bei ruhigerem und sonnigerem Wetter

Heute wollen wir uns erstmal ein wenig in Marseille umsehen und die Museumsbesuche auf die nächsten Tage verschieben: so bewundern wir die avantgardistische Architektur des MuCEM (Musée des Civilisations d’Europe et de la Mediterranée) heute nur von außen.

Danach bummeln wir um den Vieux Port herum und sind uns einig, dass wir bei dem Seegang (wenn die Boote überhaupt fahren) überhaupt keine Lust haben, das Chateu d’If und die Inseln von Frioul zu besuchen: das würde heute mit Sicherheit bedeuten, die Fische zu füttern…

Abbaye St Victor

Der weitere Weg soll zur Wallfahrstskirche Notre Dame de la Garde führen, die – im 19. Jh erbaut – hoch über der Stadt thront. Auf dem Weg kommen wir an der ehemaligen (teilweise wieder aufgebauten) Abtei St Victor aus dem 11. Jh vorbei, in deren Krypta sich noch Ruinen und Sarkophage aus römischer und ganz frühchristlicher Zeit (aus dem 3. und 4. Jh befinden)  – sehr beeindruckend.

Notre Dame de la Garde

Ganz oben auf dem Berg erreichen wir dann die Kirche Notre Dame de la Garde aus dem 19. Jh: immens viele exVotos mit Bildern von Schiffen im Sturm (mit dem Dank der Errettung aus Seenot) und Bilder von Zugunglücken, einstürzenden Brücken und vom Krankenbett mit gleicher Bedeutung. Von der Decke hängen Schiffsmodelle aus den letzten Jahrhunderten, ergänzt durch Schnellboote, Flugzeuge und Hubschrauber als Artefakte der neueren Zeit ….
Die Architektur ist typisch repräsentativer Stil des 19. Jahrhundert …. Es gibt ja Menschen , die das schön finden ….

Nach sehr leckerem Couscous sind wir auf dem Rückweg am Mémorial des Déportations vorbeigekommen und sind zur Besichtigung reingegangen: Das kosmopolitische Marseille war 1940 einer der letzten offenen Häfen Europas mit einem alten populären Viertel im Norden des Vieux-Ports. Dieses war den Nazis (und auch einer Reihe von Franzosen) ein Dorn im Auge: im Jahre 1943 wurden die dort lebenden Juden von den Nazis mit tatkräftiger Hilfe des Vichy-Régimes verhaftet, alle Bewohner des Viertels  innerhalb eines Tages aus ihren Wohnungen vertrieben und das gesamte Areal gesprengt. Wozu Faschismus fähig ist ….

Im Anschluss noch ein Rundgang durch die zweite große Kirche der Stadt, die im 19. Jh erbaut wurde: die Kathedrale – auch hier trifft der neobyzantinisch -neoromanische Stil nicht wirklich meinen Geschmack ….

Den Abend verbringen wir zu Hause und hoffen auf gutes Wetter für morgen: geplant ist ein Spaziergang durch die  Multikulti- Viertel zwischen Bahnhof und Hafen.

🏙🚶Marseille und Calanques – Tag 1

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Anreise mit dem Zug von Aachen über Paris nach Marseille

Mittwoch, 11.Februar 2026

Wohin über Karneval? Gewünscht war eine Städtereise mit Wandermöglichkeit, nicht zu kalt – vielleicht schon mit leichter Andeutung von Frühling ?? In Rom, Paris und Barcelona waren Dagmar und ich schon in den letzten Jahren und so habe ich diesmal an Marseille gedacht. Immerhin ist das die zweitgrößte Stadt Frankreichs und der Nationalpark der Calanques mit seinen unzähligen Wandermöglichkeiten liegt zum größten Teil auf dem Stadtgebiet dieser Stadt. Da ich fast sechs Monate im Voraus gebucht habe, war die Anfahrt mit dem Zug mit 130€ Hin und Rückfahrt echt günstig und im Endeffekt genauso schnell wie mit dem Flugzeug: Aachen Hbf bis Marseille Zentrum in 9 Stunden mit sehr komfortablen 2,5 Stunden  Umsteigezeit in Paris – es wäre auch deutlich schneller gegangen.

im Zug auf Höhen von Valence: im Hintergund ganz in weiß: die Gipfel der Alpen (des Vercors)

Vielleicht, weil ich die Zeiten so weit kalkuliert hatte, blieb die Hinfahrt (echt ungewöhnlich für mich!) ohne irgendwelche Vorkommnisse. Pünktlich los, pünktlich um 16.00 in Marseille und pünktlich um 16.30 in unserem Airbnb im Panier in der Nähe des alten Hafens. Nette Unterkunft in einem großen offenen Raum ohne einen einzigen rechten Winkel… Wir haben wirklich genug Platz mit Koch- Sitz- und Essecke und zwei mit offenen Wänden ohne Türen abgetrennten Schlafkammern.

Blick vom Bahnhof Richtung Notre Dame de la Garde

Aber – ein Reisetag ohne Vorkommnisse ? No go !! Auf einmal flackert eine Nachttischlampe und dann kommt es zu einem Kurzschluss, der alles Sicherungen im Appartement raushaut. Die nette Vermieterin, die uns eine Stunde vorher den Schlüssel übergeben hatte, konnte mir zwar die Lage des Sicherungskastens nennen, mir dann aber auch nicht weiterhelfen, da auch nachdem die Sicherungen wieder eingeschaltet waren, immer noch nichts ging. Wir haben dann unseren ersten kleinen Stadtbummel gemacht und ihr Mann hat das Problem irgendwie so gelöst, dass wir nach dem Abendessen wieder ganz normal Strom hatten. Da die Nachttischlampe immer noch flackert, nutzt Dagmar diese einfach nicht mehr ….

Das Viertel “ Le Panier“ ist in den letzten Jahren zu einer ziemlich hippen Adresse geworden – das zeigen schon die vielen originellen Graffitis – ich wusste gar nicht, welche ich denn ablichten sollte !

Abendessen in einem guten kleinen italienischen Restaurant „Chez Angèle“ mit Pizza und Antipasti-sehr lecker! Dazu ein nettes Gespräch mit aus Valence stammenden Tischnachbarn über Marseille, Reisen im Allgemeinen und Besonderen – kurzweiliger Abend.

Morgen soll es nur etwas windig werden aber überhaupt nicht regnen – was mich schon mächtig freuen würde!

🏙🚶 Februar 2026 – Marseille und Calanques

Marseille

Städtereise im Februar?
Marseille und die Calanques
bieten zwar um diese Zeit nicht unbedingt gutes Wetter
aber wenig Touristen, ruhige Wanderungen
– und einen idealen Mix aus Natur und Stadt für 5 Tage Auszeit.

Den Blog
schreibe ich meist während der Tour : abends, wenn ich aufs Essen warte, vor dem Einschlafen oder nachmittags auf der Hütte. Blogs gibt’s also meist dann, wenn ich solo unterwegs bin. Manchmal ist das Netz so schlecht, dass ich den Blogtext nur in Word schreiben kann und auf einen der nächsten Abende mit besserem Internet warte – manchmal schaffe ich es aber sogar, die Bilder auch schon zeitnah hochzuladen. Auf jeden Fall liefert der Blog die aktuellsten Impressionen- es ist eben das Reisetagebuch

Die Powerpoint erstelle ich zu Hause nach der Tour: da suche ich die Hintergrundinfos zu den besuchten Orten heraus, erkläre Zusammenhänge und Details und stelle meine Fotos zusammen. Die Quelle zu den Texten bilden dabei Bücher, Wikipedia, Infos der Touristenbüros aber auch andere Internetseiten. Vor allem aber versuche ich mit etwas Animation die Bilderfolge interessanter zu gestalten

Die Diashow ist im Pinzip die abgespeckte Variante der Powerpoint. Vor allem gedacht für einen kurzen Überblick. Auch wenn ihr den Download der Powerpoint scheut oder keinen Viewer habt, kommt dieser Weg infrage

wir hatten ein zentrales, ruhiges Appartement über Airbnb gemietet

 

2023: Auf dem Jakobsweg durch die Auvergne – Praxistipps

Ausführliche Tipps sind bei diesem allbekannten Weg unnötig. Überall gibt es Bücher und Internetseiten für diesen Klassiker, die Via Podiensis.

Wir sind ganz am Ende der Saison gewandert und hatten dabei großes Glück mit dem Wetter: zwar war es morgens zeitweise nur knapp über dem Gefrierpunkt, aber im Laufe des Tages sind die Temperaturen bei Sonnenschein auf ca. 20-30 Grad angestigen – trotz der Lage auf 700-1200m !
Herrliches Wanderwetter und durch die schräg stehende Sonne auch super Fotowetter!
Der Nachteil dieser Saison ist die Wetterunsicherheit (die Woche vorher hatte es mies geregnet) – und die Tatsache, dass ab dem 30.9. schon viele Herbergen geschlossen haben. Damit wird die Unterkunftssuche trotz der geringeren Besucherzahlen trotzdem manchmal ein klein wenig schwieriger.

Der Weg ist bei wenig Höhenmetern, meist guter Wegoberfläche und exzellenter Markierung einfach zu gehen: wer kein Problem mit Fernwanderwegen wie zB dem Eifelsteig, dem Weserberglandweg, dem Portugiesischen Weg oder dem West Highland Way hat, wird auch hier keinen relevanten Schwierigkeiten begegnen.

Für Frankreich ungewöhnlich – die meisten Kirchen und Kapellen waren geöffnet! Da lohnt es sich dann zu sehen , was andere als bemerkenswert empfunden haben: hier eine Fotosammlung von Kirchen der Auvergne

Wir haben nicht vorgebucht, und es war auch nicht nötig vorab zu reservieren. Es reichte aus, morgens für den jeweiligen Abend zuntelefonieren.

Es gibt die Möglichkeit des Gepäcktransports- z B bei La Malle Postale -wir haben sie nicht genutzt.

Das Touristenbüro in Le Puy verteilt einen aktuellen Führer zu Übernachtungsmöglichkeiten am Weg – sehr zu empfehlen.

Wir haben den französischen Topo Guide der FFRP (darin sind Karten 1:50000) genutzt, der aber in Bezug auf die Herbergen nicht ganz so up-to date war, aber exzellente Zusatzinfos zur Region bietet. Viele andere Wanderer hatten den Führer „Miam, miam – Dodo„. Im deutschsprachigen Segment gibt es Führer über den Weg aus den beiden Wanderverlagen: von Rother ebenso wie aus dem Stein- Verlag.
Ein Klassiker für Übernachtungen auf allen Jakobswegen ist auch die Inernet- Seite Gronze.com

Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel findet man auf jeder Etappe, in dieser Jahreszeit reichten uns 1,5l Wasser aus, so dass unser Rucksack all inclusive deutlich unter 10 kg geblieben ist.

Es gibt die Möglchkeit, mit dem Bus im Verlauf der Via Podiensis zurückzufahren – hier haben wir zwar auch erst am Vortag gebucht – einer der beiden Anbieter (La Malle Postale und Compostel- Bus) war da aber schon belegt.

Hin- und Rückfahrt haben wir mit Bus und Zug organisiert: im Lozère und der Haute Loire sind die regionalen Busse subventioniert: 2€/ Fahrt, um der Landflucht entgegenzuwirken. Die Infos zu den Bussen habe ich über Rome2Rio gefunden. Falls die Busverbindungen doch Lücken aufweisen sollte: in der Gegend funkioniert auch die Mitfahrzentrale BlaBlaCar sehr gut,

Wenn man nicht gerade 3 Monate im Voraus bucht, sind TGVs und andere Züge in Frankreich ziemlich teuer: für uns war da der Flixbus die bessere, wenn auch etwas zeitaufwändigere Alternative.

… Praxistipps können veralten: Stand der Recherche ist Herbst 2023 !!!

Auf dem Jakobsweg durch die Auvergne- Tag 10

von le Puy en Velay über die Via Podiensis: Rückfahrt von St. Etienne nach Hause

Montag, 9.Oktober 2023

6 Uhr aufstehen – mitten in der Nacht! Aber so haben wir noch gut Zeit und Ruhe für ein ausführliches Frühstück vor Abfahrt des Flixbusses vom Bussteig direkt neben dem Bahnhof. Das Ibis liegt knapp 100m entfernt – 5 Minuten Weg, alles easy. Flixbus hat eine Benachrichtigung zum genauen Abfahrtsort geschrieben, wir sind 10 Minuten zu früh und wir warten unter dem grünen Flixbusschild – alles narrensicher. …. Auf einmal spricht uns jemand an, er habe uns schon im Hotel bemerkt und der Bus fahre auf der anderen Seite des Platzes ab- da sei auch das Haltestellen- Schild…(???). Der nette Mensch ist der Fahrer, er scannt unsere Tickets und wir steigen in einen – nicht grünen !! – nullachtfünfzehn Bus … Irgendwie Schwein gehabt, oder ???


Die Fahrt geht auf dem allerdirektesten Weg nach Paris: das bedeutet: keine Autobahn, meist Nationalstraßen, oft vierspurig. Wir fahren im Allgemeinen an den Kleinstädten vorbei, selten hindurch. Das bedeutet: 7 Stunden übers Land: Felder, Hügel, Felder, Felder … bis Paris Bercy. Dort gibt es einen gut einstündigen Aufenthalt zum kurzen Einkauf von Sandwichs und dann geht es mit einem grünen Bus-Modell weiter : Valenciennes, Mons, Charleroi, Namur, Lüttich: noch mal 7,5 Stunden – diesmal Autobahn.


Von Lüttich zu guter letzt mit dem Zug nach Verviers, von dort zurück nach Welkenraedt. Da steht schon das Auto – Andrea sei Dank -, so dass wir um Mitternacht k.o. vom Nichtstun ins Bett fallen.
Aber ob Autofahren entspannter gewesen wäre ?

Auf dem Jakobsweg durch die Auvergne- Tag 9

von le Puy en Velay über die Via Podiensis: von Bellevue-en-montagne nach Usson- le- Forez, 27 km

Sonntag, 8.Oktober 2023

Wieder eine nette Unterkunft und gutes Frühstück – gestern morgen über Booking gebucht. So am Ende der Saison war der Preis richtig gut …..

Ich hatte mir bei dem Namen des Gîtes „chambres d‘ hotes chez Dany Maowmaow et Garfield“ Engländer als Gastgeber vorgestellt – und war ziemlich irritiert, eine Südfranzösin mit ihren zwei Katzen vorzufinden ….

Heute morgen sind wir dann zur letzten Etappe aufgebrochen. Ich habe einen Linienbus gefunden, der am Nachmittag parallel zu unserer Wanderstrecke fährt, so dass wir uns auf keinen Zielort festlegen müssen, sondern einfach den Jakobsweg nach Norden gehen können. Einfach ? Ja, mit Track auf dem Smartphone – ansonsten …. Die Beschilderung ist nur in der „richtigen“ Richtung – wir gehen aber falschrum und so kann man an einer Kreuzung nur erkennen, dass man den richtigen Weg genommen hatte … auch wieder beruhigend …

Auf dem heute wirklich sehr schönen Weg (immer über kleine, wenig begangene und sehr wenig befahrene Feldwege ) kommen uns Pilzsammler entgegen – die Körbe sind leer: es ist viel zu trocken ! Das ist in diesem Jahr fast überall so – und sicher kein Problem, dass sich auf lokaler Ebene lokal lösen lässt.
In Pontempeyrat finden wir noch einen kleinen Lebensmittelladen mit exzellentem St Nectaire (der schmeckt so, wie ich den Geschmack von St Nectaire vor 35 Jahren auf einer Wanderung durch den Morvan kennengelernt habe) … und dann sind wir schon bald in Usson. Noch ¾ Stunden bis zu Abfahrt des Busses, die ich im Ecomusee der Gegend (des Foraz) verbringe- ein Tag eines Schülers auf dem Dorf vor 100 Jahren und die religiöse Praxis auf dem Land zur gleichen Zeit. Echt interessant – ganz viel Marienfrömmigkeit und Riten des täglichen Lebens zwischen Aberglauben und Religiosität…

Für 2€ dann die 2- stündige Busfahrt nach St Etienne: in diesen wenig besiedelten ländlichen Regionen ist der ÖPNV massiv bezuschusst! In St Etienne zum Abendessen Burger am Bahnhof (na ja) und ab ins Ibis! Morgen zm 7.00 geht der Flixbus nach Lüttich!

Auf dem Jakobsweg durch die Auvergne- Tag 8

von le Puy en Vélay über die Via Podiensis: Le Puy – Bellevue la Montagne,27 km

Samstag, 7.Oktober 2023

auf dem Weg in die Stadt nach der Pilgermesse

Die Nacht im Schlafsaal der Assoziation der Jakobspilger war für mich zunächst ziemlich anstrengend: wir schlafen in mit einem Vorhang versehenen Kabinen von vielleicht 6qm Größe mit ca. 2 m hohen Trennwänden. Im Saal sind auf diese Weise ca. 40 Betten aufgestellt. Geschnarche hat mich zwar nicht gestört, aber direkt vor meiner Kabine war ein total helles Nachtlicht angebracht, so dass ich mir um Mitternacht ein anderes Bett in einer dunkleren Ecke des Schlafsaals gesucht habe – dann habe ich aber gut geschlafen…. Der Schlafsaal nutzt noch das Mobiliar des ehemaligen Internats: wenn unsere Kabinen die Privatsphäre der ehemaligen Schüler darstellten – prost Mahlzeit. Da hätte ich nicht Schüler gewesen sein wollen….

Nach dem Frühstück Besuch der Kathedrale (nach der Pilgermesse, die diesmal ohne uns stattgefunden hat), und dann wollte ich eigentlich Le Puy besichtigen. Eigentlich. Aber ich habe Shorts an, die Hosenbeine sind unten im Rucksack verstaut, für Museen o.ä. ist es noch zu früh- und es ist null Grad ….
Auch Dagmar findet es eher frisch – obwohl sie mit Mütze, Handschuhen, Pullover und dickem Anorak eigentlich ordentlich angezogen sein sollte.

Also halten wir uns nicht lange auf, machen noch die obligatorischen Fotos und wandern dann den Jakobsweg in „verkehrter“ Richtung nach Norden, damit Dagmar noch einen weiteren Teil der verpassten Etappen nachlaufen kann.
Der Weg durchs Velay ist heute etwas weniger spannend: viel Straße und staubige Feldwege durch eine wenig spektakuläre Hügellandschaft.

Nach 27 km kommen wir in Bellevue an , übernachten in einem netten Chambre Hôte und essen Pizza im einzigen Restaurant des Ortes. Die meisten Pilger wandern von Le Puy aus nach Süden – der Weg nach Norden ist viel ruhiger und auch weniger gut ausgeschildert – aber mit Track und Smartphone ist das alles kein Problem. Morgen ist unser letzter Tag, so dass wir nachmittags einen Bus nach St Etienne rausgesucht haben.

Auf dem Jakobsweg durch die Auvergne- Tag 7

von le Puy en Vélay über die Via Podiensis: Aubrac – St Chély d’Aubrac, 8 km

Freitag, 6.Oktober 2023

Heute ist unser letzter (halber) Wandertag auf der Via Podiensis. Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von Sabina und Vlado, die wir in den letzten Tagen kennen und schätzen gelernt haben und machen uns auf den Weg: St Chély ist 7,5 km entfernt und liegt 500m tiefer.

So verlassen wir die Hochebene des Aubrac und wandern durch ein Flusstal erst sanft und dann über steinige Wege etwas steiler bergab ins Tal. Unten besichtigen wir noch die kleine Kirche und die alte Pilgerbrücke, und dann kommt auch schon der „Kompostel – Bus“, der uns in 3 Stunden zurück nach Le Puy bringt.

Picknick bei Ankunft in Le Puy

Dort steigen wir Richtung Kathedrale den steilen Berg hoch und finden eine Pilgerherberge in einem ehemaligen Internat, in der wir ausgesprochen freundlich aufgenommen werde.

Pilgerherberge in le Puy

Wir verkneifen uns sogar das Abendessen im Restaurant, kaufen uns Quiche und Bier im Supermarkt und essen das alles in netter Runde in der Herberge. Es gibt ihn eben doch, den ganz besonderen „Spirit“ des Jakobswegs !

Auf dem Jakobsweg durch die Auvergne- Tag 6

von le Puy en Velay über die Via Podiensis: Prinsuéjols – Aubrac, 27 km

Donnerstag, 5.Oktober 2023

Frühstück um 7.15 nach einer Nacht im Schlafsaal zu zweit – auf diese Weise gab es auf jeden Fall keine Schnarchprobleme ..
Morgens gab es ein „normales“ französisches Frühstück mit Brot und Marmelade, das wir zusammen mit Sabina aus Österreich und ihrem Mann Vlado aus der Slowakei eingenommen haben (das sind die, die an der slowakischen Grenze bei Wien gestartet sind …). Die Wirtin hat uns im Anschluss noch den Kirchenschlüssel ausgeliehen, um den Pilgertag mit einem Besuch der Kirche im Ort beginnen zu können. Meine Stimme ist zum Singen allerdings momentan denkbar ungeeignet….

Es ist kalt: ich habe zwar in Erwartung eines sonnigen Tages (was sich bestätigen wird) kurze Hosen angezogen, so früh am Morgen liegt jedoch noch Raureif auf den Pflanzen. Übrigens sehr fotogen …

Die Wanderung verläuft über die Hochebene des Aubrac: weite Blicke über eine karge Landschaft mit vielen Steinmäuerchen, alten Bauernhäusern, immer wieder Wegkreuzen aus Granit, die die Jahrhunderte überdauert haben.

Die Farbpunkte bilden dabei die Früchte der Ebereschen und Hagebutten.


Wir schieben die Suche nach der Unterkunft bis zum letzten Moment im Zielort in Aubrac auf (ja, ok – der Ort heisst genau wie die ganze Gegend). Aber die Preise bleiben immer gleich: 120€ für ein popliges Zimmer in einer (etwas restaurierten ) Colonie des Vacances ist ziemlich happig. Frühstück inclusive‚ aber Abendessen gibt es hier nirgendwo. Der Besitzer gibt uns die Möglichkeit, mit einigen Lebensmitteln in der Küche selbst zu kochen. Ich kaufe noch Salami und Bier dazu: wir sind zu sechst und ich schlage Tartiflette mit gedünsteten Zucchini vor. Selbst die 7 Personen, die wir im Endeffekt sind, werden satt. Die Gespräche mit Sabina, Vlado und den Franzosen sind wieder höchst anregend, so dass mein Ärger über den Wucherpreis für das Zimmer etwas besänftigt ist.

beim Kochen: Franzosen (am Fotoapparat) Österreicher und Slowaken vereint!

Für morgen Nachmittag haben wir schon den Bus zurück nach Puy gebucht – wir sind dann leider schon in Chély angekommen, dem Zielort der Etappen, die Dagmar auf ihrem Jakobsweg noch fehlten.

Auf dem Jakobsweg durch die Auvergne- Tag 5

von le Puy en Velay über die Via Podiensis: Saint-Alban-sur-Limagnole – Prinsuéjols, 30 km

Mittwoch, 4.Oktober 2023


Nach typisch französischem Frühstück in der Bar unseres Gasthofs ( Café au lait, Croissant, Baguette, Butter, Marmelade und als Sahnehäubchen ein Joghurt und Orangensaft) sind wir im Morgengrauen losgestiefelt. Bei sicher deutlich weniger als 10 Grad war meine kurze Hose in der Frühe schon etwas gewagt, aber es bestand ja die Aussicht auf Besserung im Laufe des Tages…

Zunächst lief beim Sonnenaufgang mein Fotoapparat heiß. Das Licht war einfach zu genial und ich befürchte nur, dass man die Bilder einfach nur mit „unnatürlich kitschig„ abtun wird. Aber ehrlich – kein Photoshop!
Die Landschaft ändert sich: die klassischen Höfe sind aus Granitblöcken gefertigt und häufig mit Schiefer gedeckt. Wir wandern durch Kiefernwälder, Heide und mit niedrigen Mauern gesäumte Felder. Die Temperaturen sind angenehm – ein sonniger Herbsttag!


In Aumont – Aubrac fragen wir im Gemeindezentrum neben der Kirche nach dem obligatorischen Pilgerstempel und sind schon bald in ein Gespräch über Taizé und die dortigen Begegnungswochen verwickelt. Es sind also nicht nur Deutsche, die die Spiritualität dort schätzen!
Nach der Mittagspause auf der Kirchentreppe mache ich mich nun doch an die Unterkunftssuche: es gibt eine Liste mit Telefonnummern von Gîtes, die ich abtelefoniere. Ich brauche fast eine Dreiviertelstunde, bevor ich endlich ein paar Kilometer vom Camino entfernt einen Schlafplatz finde – genau da, wo auch die Österreicher gebucht haben. Leider ist es schon nach 14.00 , als wir dahin aufbrechen und es sind noch 16 km ….
Wir verlassen nach einigen Kilometern den Jakobsweg, um die Strecke zur Unterkunft abzukürzen, wandern an kleinen Dörfern mit traditionellen Höfen, Backhäusern und den typischen Kirchen vorbei bis zu unserem Gîte in Prinsuéjols. Kurz nach uns kommen die Österreicher an, mit denen es zu angeregten Gesprächen beim Abendessen kommt. Wenn meine Füße nach den 30 km heute nicht so müde wären, wäre alles perfekt!