5.Tag: Refuge de Pombie- Refuge d‘ Ayous (2302m): 10 km, 700m+/800m-

Pic du Midi
Pic du Midi

Freitag, 16. August 2019

Nach einer Nacht mit Oropax (das mit dem Verhindern des Schnarchens hat doch nicht so geklappt wie geplant), bin ich nach freundlichem Abschied von meinen Bett- und Tischnachbarn langsam zum Paß hochgelaufen – immer in der Geschwindigkeit, die ich zur Not den ganzen Tag durchhalten könnte. Danach ging es die Hälfte des Abstiegs (über insgesamt 600 Höhenmeter) durch ein Geröllfeld mit dicken Felsen („Blockwerk“) bergab, so dass kräftig Klettern angesagt war. 

Heute – zumindest auf dem zweiten Teil der Wanderung – war  ich sicher nicht allein unterwegs: halb Frankreich – und mindestens ein Viertel der spanischen Bevölkerung haben sich aufgemacht, den Pic du Midi zu umrunden bzw. den nächstmöglichen Badesee anzusteuern. Die Jungens (na ja, ich schätze sie so um die 30 Jahre) habe ich übrigens noch dreimal wieder eingeholt und bin wieder überholt worden. Die sind zwar schneller, machen aber auch viel längere Pausen. Hier sind auf allen Hütten vor allem französische und spanische Gäste: es ist die absolute Ausnahme, wenn man mal deutsche oder englische Töne hört. Aber heute Abend esse ich zusammen mit drei Engländern. Einer von denen geht als Geschenk zu seinem 70. Geburtstag die Pyrenäen vom Mittelmeer zum Atlantik- mal auf französischer, mal auf spanischer Seite oder auch über die Haute Route. Tolle Sache – nur: er zeltet oft und der Rucksack wiegt bis zu 20 kg…. Im Augenblick hat er zwei Freunde aus London eingeladen, ihn für einige Tage zu begleiten. Und mit den dreien gibt es interessante Gespräche ebenso wie mit zwei Wanderern aus Toulouse, von denen ich viele Infos zu Wandermöglichkeiten zwischen Spanien und Frankreich bekommen habe- insbesondere zur legendären „Breche du Roland“ am Cirque de Gavarnie. Aber ich glaube, den Weg überlasse ich doch lieber geübteren Bergwanderern: der Adrenalinstoß von gestern reicht mir… 

Das Refuge heute ist wieder grandios gelegen: Jetzt mit Blick auf die andere Seite des Pic du Midi, wieder mit See und wieder ohne Duschen – aber mit Bad (und Wäsche ) im See. Ich habe da eine Lösung mit Badeanzug gefunden … Dazu hatte ich heute wieder alle Zeit der Welt, da meine Etappen nur so 5 bis 6 Stunden dauern und ich deswegen heute wieder schön um 13.30 angekommen bin. Ich hätte gerne etwas längere Etappen gewählt, aber die Entfernung zwischen den Hütten ist eben so kurz. Das kommt vor allem Familien mit Kindern entgegen. Wie auch in den letzten Tagen besteht ein erheblicher Anteil der Hüttengäste aus jungen Familien – das hab ich auf meinem Alpenwanderungen ganz anders erlebt.

Kohabitation….

Auch ist es hier durchaus üblich, in der Nähe der Hütte zu zelten (um den See herum stehen heute sicher fast 100 Zelte) und abends zum Essen in die Hütte zu kommen – deshalb gibt es Abendessen in 2 Schichten: Zeit zum Essen: 60 Minuten. Ob das typisch französisch ist ??? Ach ja, natürlich immer noch kein Netz.. Ich befürchte, dass ich alle Bilder erst nach meiner Rückkehr nach Kelmis posten kann (ist das dann noch ein Blog oder eher schon ein Reisebericht ?). Aber zumindest die Texte werden zeitnah am gleichen Abend geschrieben…

4. Tag: Refuge Arremoulit – Refuge de Pombie (2032 m): 12 km – 800m+/1000m-

Pic du Midi d’Ossau

Donnerstag, 15. August 2019

Heute habe ich ein neues französisches Wort gelernt- und ich hätte gerne drauf verzichtet: „Passage“ kann man mit Klettersteig übersetzen…. Ich hatte mich gestern beim Hüttenwirt noch nach den Gehzeiten zum nächsten Refuge erkundigt und er hat mir – ohne eine zusätzliche Bemerkung zu machen – 5- 6 Stunden über die „Passage d’Orteig“ angegeben. Zunächst mal : die Zeiten waren korrekt… Nur dass ich mich auf einmal an einer ca. 200 m langen ausgesetzten Wand wiederfand mit Seilsicherung – aber nur ca. 10 cm Platz für die Füße. Ich hab mir dann gedacht, dass es ziemlich egal ist, ob es jetzt 50 oder wie hier eher 200 m vertikal nach unten geht. Ich hab dann Fuß neben Fuß gesetzt- immer vier Punkte sicher gehalten bevor ich einen gelöst habe, und den Schwerpunkt immer über die Füße gesetzt. Und so bin ich dann mit maximalem Adrenalin und nassgeschwitzt 200m weiter am Ende der Passage angekommen. Das brauch ich nicht nochmal. Und ich hab mich massig geärgert, dass ich das nicht habe kommen sehen.

Passage d'Orteig
Passage d’Orteig

Der Rest des Weges war schön und easy: zunächst 1000 m runter bis ins Tal zu der Straße Richtung Col du Pourtalet ,über die auch ein Jakobsweg nach Spanien führt. Und danach durch ein schönes Tal zunächst durch Buchenwälder, dann über Almwiesen zum Refuge de Pombie mit direktem Blick auf den Pic du Midi. Der See am Refuge war belagert von spanischen Tagesgästen, deren Lautstärke im Gespräch deutlich über der liegt, die ich einen ganzen Nachmittag lang für erträglich halte: ich war nämlich schon um 13.00 angekommen und hatte also massig Zeit, See und Ausblick zu genießen. Leider war es (heute ist der 15.8.- Maria Himmelfahrt) zu voll, um ein ruhiges Bad als Duschersatz zu nehmen: denn natürlich gibt es auch hier nur fließend kaltes Wasser ohne Sichtschutz…. . ( Ich habe mich dann trotzdem unter den roten Ohren der jungen Männer gewaschen…).

Sonnenuntergang am Refuge
Sonnenuntergang am Refuge de Pombie

Heute Nacht schlafe ich in den Sardinenbetten mit 7 jungen Kerls – Schulfreunden aus La Rochelle. Ich habe denen gesagt, sie sollten nicht so viel Wein trinken, damit das Schnarchen nicht so laut ausfällt…..

3. Tag- Refuge Migouelou – Refuge Arremoulit (2272 m): 10km: 600m+ / 600m-

Lac d‘Artouste

Mittwoch, 14.August 2019

Bei strahlendem Sonnenschein bin ich heute Morgen zu meiner coolen Halbtagesetappe aufgebrochen. Die Wege bestehen aus einem Schild, das die Richtung und ungefähre Wanderzeit angibt – und dann folgt man Fußspuren und ab und zu einem Steinmännchen. Die Wanderwege sind schon als solche ordentlich angelegt – nur sind sie manchmal,  so ganz ohne Wanderzeichen, nicht so ganz eindeutig zu finden: Bei gutem Wetter, Karte und GPS hatte ich bislang allerdings noch kein echtes Problem. Zunächst ging es 300m zum Col d‘ Artouste hoch, wo es mir gelungen ist, für einige Minuten Netz zu haben und mit meiner Mutter zu telefonieren und zwei SMS zu schreiben mit dem Inhalt, dass die moderne Kommunikation hier noch nicht angekommen ist… 

Le petit train d‘Artouste

Dann ging es durch eine phantastische Berglandschaft zum Endpunkt einer Schmalspurbahn auf 1900m, die zum Bau der Talsperre angelegt wurde und jetzt als Touristenbahn fungiert. Insofern liegt das kleine Refuge des französischen Alpenvereins nicht völlig aus der Welt. Tagsüber kommen viele Tagestouristen die 90- minütige Wanderung hoch, aber abends sind hier an dem kleinen Stausee nur noch die 30 bis 40 Übernachtungsgäste übrig. Aber – nach Angaben der Hüttenwirtin – ist es das einzige nicht renovierte Refuge des CAF. Kaltes Wasser und als Luxus etwas  lauwarmes aus sonngewärmtem Schlauch hinter dem Haus (ohne Sichtschutz), 50 m daneben Plumpsklo ( ihr erinnert euch an die französischen Autobahn – Toiletten ?) und ein Sardinenschlafsaal mit  Bettenbreite 60cm. Ich habe wieder den Bergsee vorgezogen…. Ach so, natürlich auch nicht genug Strom für unsere Smartphones- so wird sogar das Blogschreiben schwierig – vom Veröffentlichen gar nicht zu reden. Aber: der Blick hier am Refuge ist phantastisch ! 

Morgen ist der Weg etwas weiter : ich werde mich dem Pic du Midi von Süden her nähern uns dabei zunächst mal 1000m absteigen, um  bis auf 1300m ins Tal zu gelangen – das Refuge liegt wieder auf 2100 m!

2.Tag Arrens Marsous – Refuge Migouelou (2287m) : ca. 10 km, 1300 m +/300m-

über den Wolken – Réfuge de Migouelou

Dienstag, 13.August 2019

Heute morgen habe ich um 8.15 den regionalen Kleinbus nach Arrens -Marsous genommen: den muss man vorbestellen, um dann für 2€ mitfahren zu können. Um 8 km Straße bis zum Stausee zu sparen, bin ich getrampt und hatte das Glück, dass mich ein Ehepaar aus Paris bis zum Ausgangspunkt der Wanderung am Lac du Tech mitgenommen hat.

Ausgangspunkt der Wanderung am Lac du Tech

Nur – das Wetter lässt etwas zu wünschen übrig: Aufstieg von 1200 m im Nebel ! Die einzigen Bilder sind Blumen mit Regentropfen und schemenhaft erkennbare Bäume. Erst kurz vor dem Lac Pouey Laun auf 2300 m Höhe reißt der Himmel auf und die Fotomotive erscheinen. Klar. Das ist der Platz für die Mittagsrast ! Aber schon kurz vorher und vor allem auch danach habe ich das Problem , dass ich total k.o bin bin schon beim geringsten Anstieg. Ich kann mir das nur mit fehlender Akklimatistion aufgrund der Höhe vorstellen : 2500 m Höhe ohne Training sind schon ziemlich viel . Hoffentlich geht’s morgen besser. Ich bin dann nach dem See noch 200 Meter aufgestiegen und dann wieder 300 m runter zur Talsperre, an der das Refuge liegt. Und jetzt ein total fauler Restnachmittag in der Sonne an der Hütte.. Ich bin nur wegen meiner elektrischen Geräte etwas beunruhigt: Nur eine Steckdose in der Küche des Hüttenwirts – und sowohl der Fotoapparat wie auch das Smartphone könnten eine Energiespritze vertragen … wenn auch die Konsequenzen dieser Aktion gering sind, da es heute und wahrscheinlich in den Tagen überhaupt kein Netz geben wird. Wie Anno dazumal !!!!

auch Regen kann fotogen sein…

So hab ich mich dann auch am Ende des faulen Nachmittags gefühlt, den ich lesend in der Sonne auf der Terrasse des Refuge verbracht habe : da habe ich nach den Waschräumen gefragt (es sind immerhin 35 Leute auf der Hütte) . Und die Hüttenwirtin zeigte mir das (!) Waschbecken mit kaltem Wasser und die (!) Toilette – das alles mit der Bemerkung, ich sollte doch besser den See versuchen…. (hab ich gemacht – einschließlich Haare waschen – es hat doch schließlich nur zwei Tage geregnet ???? ).
So, morgen ist ein cooler Wandertag angesagt- der Nachmittag wird wahrscheinlich wieder zur freien Verfügung sein…

1.Tag: Reisetag nach Lourdes

Lourdes
Lourdes

Montag, 12.August 2019

Ich bin doch lernfähig ! Ich habe es geschafft, heute ohne Stress am richtigen (!) Flughafen in Charleroi zu sein. (Für die Nicht- Eingeweihten: vor 2 Jahren habe ich meinen Sommerurlaub in Schottland selbst gecancelt, indem ich statt nach Charleroi („Brüssel- Süd“) nach Brüssel Zaventem gefahren bin …). Aber heute ist alles richtig: den Parkplatz schnell gefunden, Flug zwar mit einstündiger Verspätung ( Ryanair ..) aber dafür dann reibungslose Weiterfahrt mit Bus und Zug nach Lourdes, so dass ich kurz vor 18.00 in meinem Airbnb bei Julien und Simon direkt am Bahnhof angekommen bin. Netter Empfang, schönes Zimmer – dann auf in den Ort.

Marienwallfahrtsorte sind nicht so mein Ding. Und ich wäre sicher nicht nach Lourdes gefahren, wenn das nicht direkt auf dem Weg zum Nationalpark der Pyrenäen läge – aber wenn ich schon in der Nähe bin… . Es ist natürlich nicht ganz fair, einen Ort nach dem Eindruck eines Abends zu beurteilen-  aber morgen geht’s halt weiter in die Berge. Wohin in Lourdes ? Die Auswahlmöglichkeiten sind da etwas begrenzt: also auf zum Sanctuaire ! Auf dem Weg dahin hatte man das Gefühl, dass die eine Hälfte der Häuser aus Andenkenläden besteht, die allesamt Anwärter auf den ersten Preis beim Wettbewerb „Kitsch as Kitsch can“ sein könnten. In der anderen Hälfte der Häuser befinden sich Hotels mit den so überaus originellen Namen wie „Vatican“ „Christ- Roi“ oder „La Croix“.   Ich war vor einigen Wochen in Taizé, so dass mir der Unterschied des Publikums besonders auffiel: Auch hier kamen die Besucher aus aller Herren Länder, vielleicht sogar noch mehr aus Afrika, Indien und Lateinamerika. Aber (für die Europäer kann ich das, denke ich, beurteilen): viele der  Pilger hier scheinen viel konservativer und traditioneller zu sein als in Taizé– was sich nicht nur an der gut besuchten traditionellen lateinischen Messe zeigt.  Und diese Architektur : als ob das Ancien Régime und der vorkonziliare französische Katholizismus noch mal seine ganze Macht zeigen wollten !  Auf einmal hab ich gemerkt, dass ich total angespannt bin und mich das Ambiente heftig stresst – der einzige für mich erträgliche Ort war die kleine, moderne Anbetungskapelle, in die ich mich dann für einige ruhige Minuten gesetzt habe.

Lichterprozession
Lichterprozession

Abendessen gab’s dann in einem kleinen afrikanischen Restaurant : wenn sich auch herausstellte, dass von der großen Speisekarte eigentlich nur ein Gericht erhältlich war-  Kochbananen, Hirse und Hühnchen: das war aber sehr lecker !  Zum Schluss wurde ich doch wieder etwas mit Lourdes versöhnt: wenn auch die Lichterprozession natürlich nur das Gefühl anspricht, hat mir dieses abendliche Mariengebet doch gut gefallen. Es ist mir sogar gelungen, an den jungen Männern mit Stoppelhaarschnitt und dem Schild ,Legio Mariae‘ halbwegs vorbeizugucken. Morgen früh geht’s in den Nationalpark – hoffentlich hängen die Wolken nicht zu tief…. 

🚶 2019 Pyrenäen – im Béarn rund um den Pic du Midi d’Ossau

Lac d’Ayous

Einfache Bergwanderung
im Nationalpark der Pyrenäen
rund um den Pic du Midi d’Ossau:
Seen, Berge und tolles Wetter- ein Genuss!

Den Blog schreibe ich meist während der Tour : abends, wenn ich aufs Essen warte, vor dem Einschlafen oder nachmittags auf der Hütte. Blogs gibt’s also meist dann, wenn ich solo unterwegs bin. Manchmal ist das Netz so schlecht, dass ich den Blogtext nur in Word schreiben kann und auf einen der nächsten Abende mit besserem Internet warte – manchmal schaffe ich es aber sogar, die Bilder auch schon zeitnah hochzuladen. Auf jeden Fall liefert der Blog die aktuellsten Impressionen- es ist eben das Reisetagebuch

Die Powerpoint erstelle ich später zu Hause: da suche ich die Hintergrundinfos zu den besuchten Orten heraus, erkläre Zusammenhänge und Details und stelle meine Fotos zusammen. Die Quelle zu den Texten bilden dabei Bücher, Wikipedia, Infos der Touristenbüros aber auch andere Internetseiten. Vor allem aber versuche ich mit etwas Animation die Bilderfolge interessanter zu gestalten

Die Diashow ist im Pinzip die abgespeckte Variante der Powerpoint. Vor allem gedacht für einen kurzen Überblick. Auch wenn ihr den Download der Powerpoint scheut oder keinen Viewer habt, kommt dieser Weg infrage

…mehr Infos zu Wegbeschaffenheit und Höhenprofil ?

🚶Juli 2018: durch den Mercantour- Nationalpark, GR 5 und GR 53

im Mercantour Nationalpark

Mit dem Bremer Alpenverein durch den Mercantour Nationalpark :
das ist der südlichste Teil der Alpenüberquerung auf dem GR5/ GR57 – eine phantastische Bergwanderung mit mediterranem Flair!

Die Powerpoint erstelle ich zu Hause nach der Tour: da suche ich die Hintergrundinfos zu den besuchten Orten heraus, erkläre Zusammenhänge und Details und stelle meine Fotos zusammen. Die Quelle zu den Texten bilden dabei Bücher, Wikipedia, Infos der Touristenbüros aber auch andere Internetseiten. Vor allem aber versuche ich mit etwas Animation die Bilderfolge interessanter zu gestalten

Die Diashow ist im Pinzip die abgespeckte Variante der Powerpoint. Vor allem gedacht für einen kurzen Überblick. Auch wenn ihr den Download der Powerpoint scheut oder keinen Viewer habt, kommt dieser Weg infrage

Karte und Track der Radtour

Das ist nicht der Originaltrack: ich habe den Wegverlauf im Nachhinein rekonstruiert.

…mehr Infos zu Wegbeschaffenheit und Höhenprofil ?

Tag 9: Rückkehr mit dem Zug nach Bordeaux

Bordeaux mit dem russischen Segelschulschiff „Mir“

2. November 2017

Porte de Cailhau

Heute Morgen nach gutem Frühstück und einer kurzen Runde durch Sète mit kleinem Einkauf in der Markthalle dann zum Zug nach Bordeaux. Die SNCF verfolgt offensichtlich die gleiche Politik wie die Bundesbahn: lasst uns die Buchung der Fahrradplätze so kompliziert wie möglich, das Ein- und Aussteigen so unpraktisch wie möglich und die Sitzplätze so unbequem wie möglich machen- vielleicht nimmt dann keiner sein Fahrrad mehr mit ???!!
Im Zug dann ein nettes Paar aus Flandern die auch gerade die Tour (von Toulouse nach Sète ) gefahren sind.
Heute hatte ich – nachdem die JH schon mal wieder besetzt war- ein Zimmer mit Airbnb gebucht. Etwas außerhalb, aber ganz schnuckeilig (,cosy‘ steht in der Beschreibung). Zum Abend dann japanisch – auch lecker. Aber das Beste war der Nachmittag !

Im Café mit Blick auf den Glockenturm von St. Pierre

Im T- Shirt, bei gut 20° habe ich mich mit dem Rad durch die Altstadt treiben lassen : ich habe die fast vollständig erhaltenene Bausubstanz aus dem 18. Jhd bewundert, bin noch einmal an der Skaterbahn vorbei gefahren, um dann zu bemerken, dass auf der anderen Seite der Garonne ein riesiges alternatives Zentrum in einer verlassenen Kaserne entstanden ist, zu der eine weitere große Skatehalle gehört… El Dorado !

Bei dem schönen Wetter habe ich mir den Museumsbesuch, den ich eigentlich noch geplant hatte, geschenkt –ich wollte zur Abrundung der Tour noch ins Museé Aquitaine – viele Kunstwerke aus den Kirchen an meinem Weg sind aus Angst vor Diebstahl dort im Museum gelandet. Verständlich, aber schade: für mich ist es nicht gleich, einen Altar o.ä. im Museum oder in der Kirche zu sehen: im Museum betrachte ich ihn nur als Kunstwerk- in der Kirche schwingt noch Anderes mit und ich empfinde eine spirituelle Ebene, die ja eigentlich wesensmäßig zu dieser Kunst dazugehört und die (für mich) beim Transport ins Museum verloren geht.

Morgen früh gebe ich noch das Fahrrad ab und dann geht’s zum Flughafen – zurück in die Kälte (aber wenigstens nach Wetterbericht auch sonnig in Belgien).

Tag 8: Von Colombiers nach Sète (ca. 60 km)

Der Beginn des Canal du Midi am Mittelmeer bei Sète

1. November 2017

Blick auf Béziers

Heute ist die letzte Etappe: so gegen 8.30 bin ich geduscht ( geheizt!) und habe mein Zelt abgebaut. Draußen ist es nicht zu kalt, aber es gibt unheimlich viel Tau, so dass ich das Zelt völlig nass einpacken muss. Dann Frühstück in einer kleinen Bäckerei im Dorf, wo ich die beiden von gestern wieder treffe. Und ein tolles frisches Brot – nicht industriell ! bekomme. Mit Nachschlag so viel wie gewünscht: super. Insgesamt bin ich von meinem kleinen Dorf vor den Toren von Béziers total begeistert.
Vor Beziers dann 7 Schleusen auf ca 1 km – und nebenan- verfallen- eine Riesenraupe an eienr schiefen Ebene, die Schiffe in viel kürzerer Zeit hoch ziehen konnte. Wieso interessiert das niemanden – keine Hinweisschilder, Rost und zerbrochene Scheiben… Die sollten mich mal zur Verbesserung der touristischen Infrastruktur einstellen !

Die Wasserbrücke zur Querung des Lubron
Noch so ein technisches Ungetüm: der Fluss und der Kanal sind fast auf gleicher Höhe,so dass kein Aquädukt gebaut werden kann:also kann der Kanal bei Hochwasser gesperrt werden und das Flusswasser fließt ab. Wie’s genau funktionert steht hier.


Auch danach weiter vor allem technische Sehenswürdigkeiten: eine Konstruktion, die die geregelte Überflutung des Kanals bei Hochwasser erlaubte, dann eine eine runde Schleuse mit mehreren Einfahrten.

…auch so kann der Radweg aussehen : für wenige Kilometer hinter Béziers

Der Weg ist weiterhin sehr wechselhaft: für wenige Kilometer auch mal wieder glatter Asphalt – bis die kleinen unsäglichen Treidelpfade weitergehen,  bei denen ich dauernd Lust verspüre, kleine Parallelstraßen zu nutzen.
Dann Adge: eine Stadt wirkt sofort düster, wenn sie aus schwarzem Basalt erbaut ist – darüber hinaus war alles geschlossen (irgendwie normal…Mittagszeit und 1.November..). Trotzdem bin ich direkt nach dem Picknick weiter.  Die letzten Kilometer dann noch auf dem Deich ( Gegenwind) – ca. 15- 20 km nach Sète. Das Mittelmeer!

eigneigentlich hatte ich einen Badanzug zum Schwimmen mitgenommen…..

Zu einem Fußbad an dem sicher 10 km langen Sandstrand hat’s gereicht – ansonsten habe ich den Badeanzug umsonst mitgenommen – Wind und Temperaturen haben nicht zum Bade geladen….
Ansonsten müsste man mir noch was bezahlen, um mich dazu zu bringen, hier Urlaub zu machen: hinter dem ganzen Strand auf fast 10 km Länge ein einziger Parkplatz- der im Sommer sicher auch intensiv genutzt wird. Die kleinen Sträßchen in Sète selbst zu dieser Jahreszeit völlig verstopft – sogar mit Fahrrad geht’s nicht schneller.  Man hat das Gefühl, dass  die ganze Stadt vom Wasser dominiert wird – verschiedene Häfen und Kanäle und die Straßen winden sich drum herum…( vielleicht sollte ich kein Fahrrad sondern ein Boot mieten ?).
Übernachtung dann in einem kleinen , günstigen , trotzdem gut geführten kleinen Hotel nahe des Bahnhofs.
Ab morgen wird das Wetter schlechter- Zeit, nach Hause zu fahren…

Tag 7: Von Narbonne nach Colombiers- 35 km

Narbonne
Narbonne, erzbischöflicher Palast

31. Oktober 2017

Gargouilles- .. immer wieder mit höchst phantasievollen Gestalten (als ob den Bildhauern diese Monster mindestens ebenso viel Freude gemacht haben wie die religiösen Figuren…)
 

Heute habe ich einen totalen Bummeltag eingelegt.
Zunächst mal nach ausgiebigem Frühstück Besichtigung von Narbonne: wer hatte gesagt die Stadt sei langweilig? Der erzbischöfliche Palast, in dem die Mairie untergebracht ist,  sowie die direkt anschließende Kathedrale waren schon gestern von weitem imposant: hier beherrscht das Ensemble den ganzen Hauptplatz. Von der Kathedrale selbst ist nur der Chor vorhanden: der Rest wurde – wenn ich das richtig verstanden habe – nie fertiggestellt.

okzitansiches Kreuz

Der Kreuzgang ist zwar an sich überhaupt nicht ansehnlich – aber wie hier in der Gegend ganz häufig, mit phantasievollen,  furchterregenden Wasserspeiern geschmückt (den französischen Ausdruck „Gargouille“ finde ich viel ausdruckskräftiger). Was ist damals bloß in die Leute gefahren, solche Monster an den Kathedralen zu verewigen. Was für ein Bild von der Welt steckt dahinter?!
Darüber hinaus noch eine schöne Markthalle (innen wie außen) und eine mit Häusern bebaute römische Brücke aus dem 4. Jh.
Kein Wunder, dass ich erst kurz vor 12.00 losgefahren bin.

Zunächst über kleine Straßen – meist Platanenalleen nach Capestaing ( hier immer auch – zusammen mit dem Okzitanischen Kreuz – in Okzitan geschrieben: Capestanh).

Brunnen in Capestaings.
Mir kommt da immer so ein Gedicht von C.F. Meyer in den Sinn :

Aufsteigt der Strahl,und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich
Und strömt und ruht.

Von Capestaings aus ging es dann weiter am Canal du Midi entlang. Nur leider ist der Weg hier entweder nur ein enger Treidelpfad, eine Schlaglochpiste oder ein vom Bäumefällen aufgeweichter Boden. Die Krönung war dann ein römisch anmutendes Kopfsteinpflaster….. . Schluss. – Dann besser Straße !

ab hier Straße !!

Da ich darüber hinaus wieder keine preisgünstige Unterkunft gefunden habe,  bin ich einfach in dem kleinen sympathischen Örtchen Colombiers – wenige Kilometer vor Beziers – auf den Campingplatz gefahren und hab mir die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Sehr angenehm. So müssen sich Faultiere fühlen….

Morgen sind’s dann noch mal 60- 70 km bis Sète ( wo die JH seit Mitte Oktober geschlossen ist…). Wenn der Weg weiter so ist, fahre ich Straße und der Kanal kann mich mal…..

Nachtrag: Gestern nach der Abendmesse (Allerheiligen) dann noch zum Abendessen in einem kleinen Pizza -Snack. Die Chefin war große Klasse, wie sie die kleinen Kinder in ihren Halloween Kostümen empfing und ihnen Bonbons anbot. Nach kurzer Zeit setzte sich ein Pärchen, das auch mit dem Rad unterwegs war, zu mir an den einzigen Tisch im Lokal. Nette Unterhaltung, alles war gut – bis zum Bezahlen: mein Portemonnaie war nicht da! Verloren ? Aber wo ? Wie komm ich nach Hause ohne Geld, Papiere und ohne Scheckkarte ? Zunächst mal haben die beiden für mich bezahlt und  mich dann zum Camping begleitet , wo ich dann im Zelt meine Papiere gefunden habe. Puuuuuuh !