🚶Juli 2026: Im Vanoise Nationalpark – Tag 4

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von Villaron zum Réfuge les Estevelles

Dienstag, 21.Juli 2026; 14 km, 1100hm bergauf, 210 hm bergab

Frühstück um 8 Uhr auf meinem kleinen Campingplatz mitten im Nirgendwo. Gestern noch hatte mir die Wirtin eine Wegvariante beschrieben, auf der ich nicht 1,5 km zurücklaufen muss. Und diese Variante, die nicht weit hinter dem Campingplatz auf der Seite des Arc entlangläuft, erwies sich als ausgesprochen schön: endlich mal ein schmaler Pfad, der sich im sanften Auf und Ab fast bis Bonneval–sur-Arc schlängelt. Im Ort sehe ich die Fromagerie – eine Kooperative lokaler Produzenten. Ich hätte den Laden leer kaufen können, so lecker sah alles aus. Leider kann ich nicht mehr als 200g tragen… .

Bonneval

Dann noch ein Besuch in der Barock- kirche des Dorfes und schon beginnt der Aufstieg. Ich nehme mir sehr, sehr viel Zeit, steige gefühlt im Schneckentempo bergan: zunächst durchs Skigebiet, dann über einen schmalen sehr schönen Hangweg in leichtem Anstieg. Überhaupt nicht schwierig. Plötzlich halte ich an: warum bin ich in diesem Moment gestresst? Ich mache Pause, esse etwas und versuche einfach, die Gegend zu genießen. Langsam lässt die Anspannung nach. Es ist erst halb zwei, kein Gewitter in Sicht, ich habe alle Zeit der Welt… . Ich steige langsam weiter an, der Weg wird zunächst steiler, dann führt er in leichtem Anstieg die letzten 15 Minuten zum Réfuge auf 2500m.

Réfuge des Estevelles

Von dort zeigt sich mir ein Blick auf einen Cirque von Gletschern (Gletscherresten) mit Seen, der einfach grandios ist. Ich habe keine Lust mehr, mir die Seen selbst von Nahem anzusehen, bleibe einfach auf der Terrasse des Réfuge sitzen und staune.

Blick von der Terrasse der Hütte der kleine orangene Punkt ist übrigens mein Zelt

Später baue ich das Zelt möglichst wind- geschützt auf (ich denke, das ist heute wichtig), und habe dann noch etwas Lesezeit bis zum Abendessen (Suppe, Hähnchen mit Püree, Aprikosenkuchen zum Nachtisch. Dazu nette Gespräche der Tischnachbarn, die morgen alle das gleiche Ziel wie ich haben. Mit dem Posten des Blogs wird das heute übrigens nichts: es gibt wirklich überhaupt kein Netz.

PS: inzwischen weiß ich , dass ich erst 2 Tage später wieder genug Zivilisation zum Weiterführen des Blogs haben werde…


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🚶Juli 2026 Im Vanoise Nationalpark – Tag 3

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von Termignon nach Villaron

Montag, 20.Juli 2026 24 km, 1230 m bergauf , 860m bergab

Ich bin es nicht gewohnt, mehrere Nächte hintereinander zu zelten und muss mich erstmal organisieren. Heute morgen war ich es nicht: außer einer Banane, Nüsse und einem Schokoriegel hatte ich nichts zum Frühstück – Wasser als Getränk …. Puuh. Um 11.00 hatte ich wieder Hunger. Schlechte Planung. Zumindest habe ich mir – aber erst nach dem Frühstück- im Supermarkt im Ort Brot und Trauben gekauft.

Der Arc – gezähmt im engen Korsett


Der Weg war heute etwas langweilig und heiß – wahrscheinlich besser mit dem Rad zu fahren als zu Fuß. Auf dem Weg wieder einige kleine nette Barockkapellen (oft aus touristischen Gründen geöffnet) aber auch viele Skigebiete und Feriensiedlungen. In einem der Dörfer (Lanslevillard) gibt es es eine komplett ausgemalte Kirche. Ich war um 12.30 dort – geöffnet zwischen 16.30 und 19.00 … .
Ein paar Kilometer weiter verlasse ich den „chemin du petit bonheur“ und laufe am Ufer bzw. an den Altarmen des Arc weiter.

Hier war Baden offiziell erlaubt !

Ein Badesee! Den ich natürlich nutze. Ich habe schon überlegt, ab jetzt jeden Tag schwimmen zu gehen – um beim Abendessen zu lernen, dass das aus ökologischen Gründen hier in den Bergseen streng verboten ist … In Bessans lacht mich ein Eis an! Das nehme ich gerne, wenn ich schon meine kleine Barockkirche nicht besichtigen kann … Da die Busse ganz, ganz schlecht abgestimmt fahren, habe ich nämlich keine Chance, mir die ausgemalte Kirche in Lanslevillard anzugucken. Ich bin ziemlich knatschig – aber das Eis hilft!

… mhhh …

Dann sind es nur noch 4 km am Ufer des Arc bis zu meinem kleinen Campingplatz mitten im Nirgendwo (La Grange du Travérole) . Aber mit echt leckerem Essen : Bauernsalat, Wein und Blaubeerkuchen als Nachtisch…
Ab morgen geht es in die Berge…. Hoffentlich kriege ich das hin !




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🚶Juli 2026 Im Vanoise Nationalpark – Tag 2

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Von Modane über den GR5E nach Termignon

Sonntag, 19.Juli 2026, 23,5 km 850 m bergauf, 650 m bergab

Ich beginne heute mit einer Variante des GR 5, die langsam an den Händen des Arc in die Berge ansteigt. Bezeichnenenderweise heißt der Weg „ le petit bonheur“ – eine einfache Variante auf dem GR5, der ja vom Genfer See zum Mittelmeer führt. Ich möchte mich erstmal an den relativ schweren Rucksack gewöhnen (9kg ohne Wasser und Verpflegung), bevor in den nächsten Tagen die  Höhenmeter dazukommen.

Aber zunächst geht es schon mal 300 m bergan zur Skistation Norma mit schönem Ausblick ins Tal.

Nach einigen Kilometern erreiche ich eine riesige Festungs- anlage: das Val Cenis war ein wichtiger Pass in Richtung Italien. Und so baute das Königreich Sardinien, zu dem Savoyen gehörte,  Anfang des 19. Jhs diesen Festungsriegel, um sich gegen französische Angriffe zu schützen.  Es kam anders. Savoyen fiel 1860 an Frankreich und das Fort wurde nutzlos. Die Franzosen hatten die Auflage,  das Fort zu zerstören,  was sie nie durchgeführt haben… . Ich habe kein Lust auf ein Museum über Festungsarchitektur und gehe weiter.

In Bramans, einem nett restaurierten Weiler, zeigen Fotos an den Gebäuden,  dass diese verschlafenen Häuser früher ein lebendiges Dorf mit kompletter dörflicher Infrastruktur war – jetzt ist kein Mensch auf der Straße, die meisten Häuser werden zum Schlafen oder als Ferienwohnungen genutzt; nur ein kleines Restaurant wird von Touristen besucht.

Um die Mittagszeit  finde ich einen kleinen See, der mich magisch anzieht.  Es ist heiß und das Wasser eiskalt: die Erfrischung grandios.

Ich gehe bis Termignon weiter. Zwei schottisch Frauen, die auf dem GR5 unterwegs sind und denen ich im Wald begegne, erzählen mir nämlich von einem netten Restaurant in diesem Ort. Das kann ich im Endeffekt bestätigen: ich esse eine sehr leckere Tartiflette (Kartoffeln,  Speck mit Reblochon überbacken) in einem kleinen Restaurant- la petite ferme.

Übernachtung auf dem lokalen Campingplatz am Doron, einem Nebenfluss des Arc- das Rauschen des Flusses inbegriffen,  das alle weiteren Nebengeräusche übertönt. Glücklicherweise ist das so monoton, dass es den Schlaf nicht stört.

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🚶Juli 2026: Im Vanoise Nationalpark – Tag 1

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mit dem Zug von Aachen über Paris nach Modane

Samstag, 18.Juli 2026

Mit Margot habe ich über Ostern gelernt, wie höchst entspannt eine Anreise sein kann, wenn man nicht versucht, auf den letzten Drücker am Bahnhof zu sein. Andrea war zwar etwas genervt ob der Zumutung, schon um 8.00 loszufahren, aber so konnte ich noch in aller Ruhe meine „Beauty“ – Kollektion für den Rucksack vervollständigen
(ich habe Feuchtigkeitscrème gekauft), bevor ich den Eurostar nach Paris bestieg.

Gare du Nord


In Paris angekommen war die Frage, wie ich die 3 Stunden Aufenthalt sinnvoll nutzen könnte: ich habe mich für das Bansky Museum entschieden, das nur 20 Minuten Fußweg von der Gare du Nord entfernt ist.

Ich kannte bisher nur die populärsten Graffitis von ihm- und war höchst erstaunt und betroffen von der Mischung aus Wut, Trauer, Witz und Melancholie. Sehr, sehr gut !!

Nach kurzer Mittagspause an der „Fontaine des Innocents“ nicht weit von „Les Halles“ ging es mit der RER zur Gare de Lyon und dann mit Trenitalia über Lyon nach Modane, dem Grenzbahnhof nach Italien in der Maurienne.
Trenitalia ist wirklich eine Alternative: moderner Zug, Snack und Getränk mit Bedienung im Fahrpreis inbegriffen! Und das nicht nur in der ersten Klasse!

Grenzbahnhof Modane

Auf der Fahrt und später auf dem Campingplatz in Modane führe ich spannende Gespräche: mit einer Australierin, die mit dem Rennrad auf den Spuren der Tour de France durch die Alpen fahren will, einer in Mailand lebenden Slowenin, mit der ich unter anderem über die Sprachen auf dem Balkan gesprochen habe, auf dem Campingplatz mit einem Belgier, der mit seiner Freundin im Januar in Brüssel mit dem Rad aufgebrochen ist, um quer durch Europa zur Seidenstraße zu radeln und sich jetzt auf dem Rückweg befindet. Und zu guter letzt einen Mann aus Freiburg- offensichtlich mit osteuropäischen Wurzeln – der in den letzten vier Tagen mit eibem jahrzehntealten Trekkingrad die Alpen überquert hat, auch durch die Steppe Kasachstans radelt und in jedem Winter nach Weihnachten mit Zelt und Rad (mit Spikes) den Schwarzwald überquert. Bei diesen Geschichten erscheinen mir meine Touren wie wohlbehütete Wochenendausflüge ….

🚶 2026 Im Vanoise-Nationalpark

Ich war schon lange nicht mehr in den Alpen,
und eine Tour mit Zelt habe ich dort noch nie gemacht.
Da aber die Hütteninfrastruktur
in diesem ältesten französischen Nationalpark ausgezeichnet ist
und Zelten mit Hüttenverpflegung zum Standard gehört,
wage ich mich an diese Tour:
wegen meiner mäßigen Kondition habe ich erst langsam
entlang des Arc begonnen…
Übrigens: ohne Vorbuchung hätte die Tour nicht geklappt
– selbst mit Zelt kann man nicht mehr spontan anreisen!

Den Blog
schreibe ich meist während der Tour : abends, wenn ich aufs Essen warte, vor dem Einschlafen oder nachmittags auf der Hütte. Blogs gibt’s also meist dann, wenn ich solo unterwegs bin. Manchmal ist das Netz so schlecht, dass ich den Blogtext nur in Word schreiben kann und auf einen der nächsten Abende mit besserem Internet warte – manchmal schaffe ich es aber sogar, die Bilder auch schon zeitnah hochzuladen. Auf jeden Fall liefert der Blog die aktuellsten Impressionen- es ist eben das Reisetagebuch

Die Powerpoint
…. erstelle ich später zu Hause: da suche ich die Hintergrundinfos zu den besuchten Orten heraus, erkläre Zusammenhänge und Details und stelle meine Fotos zusammen. Die Quelle zu den Texten bilden dabei Bücher, Wikipedia, Infos der Touristenbüros aber auch andere Internetseiten. Vor allem aber versuche ich mit etwas Animation die Bilderfolge interessanter zu gestalten

Die Diashow
… ist im Pinzip die abgespeckte Variante der Powerpoint. Vor allem gedacht für einen kurzen Überblick. Auch wenn ihr den Download der Powerpoint scheut oder keinen Viewer habt, kommt dieser Weg infrage.

... mehr Infos zu Wegbeschaffenheit und Höhenprofil?

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🏙🚶Marseille und Calanques – Tag 7

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Rückfahrt mit dem Zug – Marseille- Paris-Aachen

Dienstag, 16.Februar 2026

Heute ist Rückfahrt – und jetzt ist der Himmel strahlend blau!

Der Himmel !!!

Viel zu berichten gibt es heute nicht: wir sind nach kurzer Reinigungsaktion des Appartements noch  einmal zum Abschied am Hafen entlang geschlendert und dann langsam zu Fuß zum Bahnhof St Charles hochgestiefelt – ziemlich langsam mit meinem ca.15 kg schweren Rucksack… .

Der bekam dann noch mal 500 g zusätzliches Gewicht, als wir ein kleines Geschäft mit Madeleines und Navettes fanden (Marseiller Gebäckspezialität).

Um 11.45 pünktliche Abfahrt und mit dem TGV mit 300 km/h nach Paris (Ankunft um 15.05), wo wir ebenfalls bei strahlendem Sonnenschein – nur ca. 10 Grad kälter – den Frühling im Jardin des Plantes erleben konnten. Später mit der Metro zu Gare du Nord.

Die Seine

Von dort aus ging es mit einem genauso schnellen Zug (zumindest in Frankreich) zurück nach Aachen (17.45-20.30). Da wir das Schienennetz der DB nicht genutzt haben war der Zug übrigens pünktlich.

Andrea hatte mir freundlicherweise das Auto an den Bahnhof gestellt. Deswegen haben wir Margots Angebot, uns abzuholen und nach Hause zu fahren abgelehnt – sind aber stattdessen zu einem kleinen Plausch mit Tee und/oder Wein eingeladen. Toller Ausklang eines gelungenen Kurzurlulaubs und soooo nett !

🏙🚶Marseille und Calanques – Tag 6

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Montag, 15.Februar 2026 (Rosenmontag)

Heute ist schon der letzte Tag – und von Rosenmontag sehen wir hier rein gar nichts…

Cassis – Hafen

Gut ist, dass die Temperaturen etwas angestiegen sind und es weniger windig ist – gute Voraussetzungen für eine erneute Wanderung in die Calanques. Diesmal soll es von Cassis aus losgehen und so nehmen wir Metro und Bus zu dem kleinen Ort 25 km nordöstlich  von Marseille. Auch hier gilt noch das Tagesticket des ÖPNV für 5,20€. Leider lässt uns der Busfahrer nicht auf dem Weg auf den Höhen des Nationalparks aussteigen – er meint, es sei zu gefährlich auf der kurvigen Küstenstraße. Verständlich – aber auf der Karte sind Haltestellen eingezeichnet ….

Calanque d’en Vau

So beginnen wir die Wanderung im Ortszentrum von Cassis, gehen  zum Hafen und brauchen schon mal 2,5 km, um überhaupt auf den Wanderwegen anzukommen. Von da aus geht es die ersten 6 km auf tollen Panaramowegen oberhalb der Buchten entlang- wieder eine Herausforderung, nicht dauernd auf den Auslöser zu drücken …. Der zweite Teil der Wanderung ist deutlich weniger spektakulär: der Weg durch junge Kiefernwälder und zum Schluss an einer großen Baustelle eines Trinnkwasser- reservoirs vorbei wieder zurück nach Cassis. Die durch die Baustelle bedingte Sperrung des Weges habe ich tunlichst überlesen…

Zurück im Ort lachen uns Muscheln und Fisch in einem kleinen Restaurant am Hafen an. Wir wollten sowieso noch einen Pastis hier in der Gegend trinken und so verbinden wir (trotz der ungewöhnlichen Uhrzeit um 16.00) das eine mit dem anderen und genießen ein leckeres Fischmenu. Um 20.00 sieht uns unser Appartement wieder und ich haue den letzten Blogartikel – unterstützt von einem guten Glas provencalischen Weßweins – in die Tasten des Laptops.  So lass ich mir das Leben gefallen!

🏙🚶Marseille und Calanques – Tag 5

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Stadtbesichtigung III: Mucem und Vieille Charité

Sonntag, 14.Februar 2026

Heute scheint die Sonne. Könnte perfekt für einen Tag im Freien sein: aber bei gefühlten Minusgraden durch einen eiskalten kräftigen Nordwind halten wir heute den Museumsbesuch im MuCEM für den perfekten Zeitpunkt. Vorher gehen wir noch in die Messe in die romanische Kirche St Laurent, nicht weit vom Vieux Port entfernt: gut besucht mit interessanter Predigt und (in Frankreich nicht unbedingt üblicher) Musik mit Orgel, Horn und Vorsänger.


Danach ins MuCEM- so wirklich wusste ich vorher nicht, was uns erwartet: das Museum wurde vor 20 Jahren als kulturhistorisches Museum aus alten ethnografischen und volkskundlichen Sammlungen aus Paris als Museum des Mittelmeeres und seiner Anrainer neu geschaffen. Ich finde die Konzeption hervorragend: Sehr klar werden die Methoden und ideologischen Hintergründe des Kolonialismus anhand kunsthistorischer Beispiele aufgezeigt, ebenso wie die  Erzählung einer sich seit der Antike in den heutigen Nationen fortschreibenden Kultur als Mythos entlarvt wird.


Dann ging es in Einzelausstellungen um Don Quijote und seine Rezeption sowie eine eigenartige Präsentation einer kurzzeitig im 19.Jh bei Sizilien aufgetauchten Vulkaninsel – inclusive filmischer Weiterführung des Gedankens, wenn zu Zeiten von Mittelmeerflüchtlingen auf einmal so eine neue Insel da wäre…

In den Kontext passt dann auch unser Essen am späten Nachmittag: wir gehen zu den ehemaligen Docks in eine Streetfoodmeile und essen ganz hervorragenden afrikanischen Eintopf: Dagmar mit Rind und Kochbananen und ich mit Hühnchen und süßen Zwiebeln. Hmmmmh! Gleichzeitig flimmert Rugby mit dem Spiel Frankreich-Wales im 6 Nationen- Cup über die diversen Bildschirme der Halle. Zwischendurch habe ich auch etwas bei dem einseitigen Match zugeguckt (54:12 für Frankreich).

Auf dem Rückweg noch ein kurzer Besuch in dem Barockpalais „Vieille Charité“, das leider schon 15 Minuten nach unserer Ankunft die Türen schloss. Schade – Montag geschlossen. Das heißt, dass wir morgen -wenn das Wetter es zulässt – noch einmal wandern gehen: zur Auswahl steht ein zweiter Besuch in den Calanques oder die Îles de Frioul, die uns einen neuen Blick auf Marseille erlauben würden…

🏙🚶Marseille und Calanques – Tag 4

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Wanderung in den Calanques: von Callelongue über den Col de Sormiou nach Baumettes: 10 km 500hm +/-

Samstag, 14.Februar 2026:


Nachdem wir gestern ganz ausführlich den Wetterbericht studiert haben (zur Vorsicht in mehreren Varianten – vielleicht wird’s ja besser…), haben wir uns entschieden, trotz des vorhergesagten Regens in den Morgenstunden heute die Wanderung in die Calanques zu unternehmen.

Noch mal : Graffiti im Panier


Los ging’s im Nieselregen. Am Vieux Port wollen wir die Metro nehmen: unterirdisch sieht man den Regen nicht…. Mist, ich bin im Zug, die Türen gehen zu – Dagmar steht draußen. Und ich habe nur den Terminus angesagt, nicht den Weg …. Ich versuche es mit WhatsApp, Telefon…. Vergeblich. Gibt es überhaupt Netz ?? Ich sehe sie nicht im nächsten Zug, fahre zum Ausgangspunkt zurück. Endlich ein Anruf – sie steht an der Endhaltestelle der U- Bahn…..
Im zweiten Anlauf kommen wir dann mit Metro und 2 Bussen nach Callelongue zum Eingang des Nationalparks.

Inzwischen hat auch der Regen aufgehört und die Sonne kommt raus: Auf zu 10 km Wanderung auf dem GR 98 (Marseille – Cassis) durch die Calanques. Der Weg ist steinig, stellenweise sind auch Hände sehr hilfreich… aber tolle Ausblicke auf dem gesamten Weg – und natürlich um so fotogener bei Sonnenschein! Und erst als wir vom Col de Sormiou absteigen, packt uns der Mistral mit aller Macht – heute Abend soll es wieder sehr stürmisch werden – kalt ist es jetzt schon….

…. Mit Bus und Metro zurück und exzellentes provenzalisches Abendessen mit Bouillabaisse und Pissaladière (Brotteig, süße Zwiebeln, Aioli, Oliven- ohne Anchovis). Gute Nacht!


🏙🚶Marseille und Calanques – Tag 3

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Stadtbummel II: Belsunce, Noailles, Thiers

FreitaG, 13.Februar 2026

Heute Morgen soll es nicht regnen! Deswegen schlendern wir am Vormittag durch die Viertel der Innenstadt Belsunce und Noailles mit hohem Anteil an Anwohnern aus dem Maghreb und aus Afrika zu einem orientalisch- afrikanischen Markt – „Le Capucin“. Auf dem Markt gibt es neben dem lautstark beworbenen Obst und Gemüse auch alle anderen Zutaten der nordafrikanischen Küche – sehr farbenfroh und quirlig!

Danach wandeln wir auf national-französischen Spuren und kommen zum Triumphbogen an der Porte d’Aix, der Mitte des 19. Jhs fertiggestellt wurde. Er beschreibt die vielen heroischen Siege französischer Heere -zuletzt in Austerlitz.

Von da ging es weiter Richtung Thiers zum Palais Longchamps – deutlich weniger heroisch. In Imitation eines Barockpalais wurde hier unter Napoleon III 1869 ein Wasserspeicher in Form eines Palastes mit naturhistorischem Museum gebaut, der durch das Wasser der Durance, das über den Canal de Marseille in die Stadt geleitet wird, gespeist wird.

Am Nachmittag wollten wir bei strömendem Regen noch quer durch die Stadt zur Nachbildung der „Grotte préhistorique Cosquer“. Ich gebrauche ja sonst nie Schirme – dachte aber, dass es deutlich urbaner und weniger nach „Outdoor“ aussähe, mit einem solchen Utensil zum Schutz meiner modischen Daunenjacke (und mir selbst) durch den Regen zu laufen anstatt mich in einen Regenponcho zu hüllen …
Fazit: 1. Der Arm, der den Schirm hält, wird immer nass. Ich halte den Schirm nicht immer mit der gleichen Hand, also werden beide Ärmel nass. 2. Der Rucksack und der untere Rücken werden auch nass. Manchmal weht es von vorne, so dass auch die Brust nass wird. 3. Daune ist nicht wasserabweisend und sie wärmt bei Nässe nicht. 4. Außerdem war die Hose unterhalb der Knie nass und Schuhe, Strümpfe und Füße komplett durchweicht (letzteres allerdings unabhängig vom Schirm  – eher abhängig vom Regen….). Also: die Variante „Waldschrat“ mit Poncho sieht zwar in der Stadt verboten aus  – aber …. Eitelkeit hat ihren Preis…..

Im Museum der Grotte Cosquer wurden wir in prähistorische Zeiten entführt…. Die 2022 eingeweihte Kopie der 1985 mit beim Tauchen entdeckten Grotte, beinhaltet die originalgetreu nachgebaute Höhle mit Tropfsteinen, steinzeitlichen Höhlengemälden und Ritzzeichnungen: farbig hervorgehobene menschliche Hände, verschiedenste Tiere wie Pferde, Bisons, Hirsche, Steinböcke – und Pinguine … es war eben viel kälter und eine heute ausgestorbene Pinguinart bevölkerte die Küsten des Mittelmeeres. Vor 30.000 Jahren war das Ende der Eiszeit: die Pole waren viel stärker vereist und der Meeresspeigel des Mittelmeeres lag 100m tiefer als heute. Der Zugang zur Höhle lag also nicht im Wasser. Die Höhle diente dem Kult- vielleicht im Rahmen von Initiationsriten.

Denn in die Höhle zu gelangen war damals – auch ebenerdig – nicht einfach:  es war dunkel, eng, feucht und kalt: bei flackernder Fackel sicher auch furchtbar unheimlich.  Heute fuhren wir mit kleinen sich wie bei einer Geisterbahn drehenden Bötchen durch die wohltemperierte, angenehm breite Höhle. Es war dämmrig – aber nicht wirklich finster. Und modrigen Geruch gab es auch nicht. So technisch perfekt der Besuch auch ist- ein Höhlenerlebnis vermittelt die Kopie nicht.

Ähnliches habe ich in anderem Zusammenhang schon mehrfach beschrieben : bei sakraler Kunst im Museum fehlt mir ebenfalls diese zusätzliche Dimension, die eben auch physisch durch das Dämmerlicht, die Gerüche und darüber hinaus den schwer zu beschreibenden „Spirit“ von Kirchen vermittelt wird.
Aber manchmal sind Museen und Höhlenkopien eben die einzige Möglichkeit, vielen Menschen diese Kunst verfügbar zu machen  –  dann muss man solche Unzulänglichkeiten notgedrungen akzeptieren ….