Auf dem Jakobsweg durch die Auvergne- Tag 4

von le Puy en Velay über die Via Podiensis: La Clauze – Saint-Alban-sur-Limagnol, 25km

Dienstag, 3.Oktober 2023

Heute bleibt der Camino den größten Teil des Tages auf der Hochfläche der Margeride: es ist bedeckt und ein kalter Wind kommt aus dem Massiv im Süden. Eindeutig spürt man heute den Herbst – und die 1200 m Meereshöhe. Wir kommen in Villeret d‘ Apchier an einer Infotafel vorbei, auf der die Geschichte der “Bête du Gévaudan“ berichtet wird.

Mitte des 18. Jahrhunderts schickte Ludwig der XV ein Bataillon Dragoner, um eine gefährliche Bestie zu jagen, die Kinder und Frauen getötet hatte und das Land in Angst und Schrecken versetzte. Die Abbildungen zeigen ein übernatürlich großes Monster … Im Prinzip war es der Kampf der Bauern gegen den Wolf (oder eine Wolfsmeute?), die vielleicht Menschenkadaver nach einem Pestzug kennengelernt haben . Aber die Geschichte ist offensichtlich im kollektiven Gedächtnis geblieben ….

nein – keine Bestie ….

Wir überqueren die Grenze von der Haute Loire zum Lozère, das mit 2 Einwohnern pro qkm die niedrigste Bevölkerungsdichte Frankreichs hat. Wir sind jetzt in der Occitaine: südlich von hier wurde die „langue d’oc“ gesprochen, während es nördlich dieser Grenze die „langue d’oil“ war. In der Auvergne mischen sich beide Dialekte.

An der Rochuskapelle- man trifft sich

Wir rasten an einer Rochuskapelle und treffen die Kanadier des Vortrags wieder, die den Camino mit etwas mehr externer Organisation und Gepäcktransport laufen. Die Gespräche sind wieder kurzweilig – es gesellt sich noch eine Frau aus Lille dazu. Ab hier wandern wir langsam bergab und kommen in eine weniger unwirtliche Landschaft nach Saint-Alban-sur-Limagnole – auch hier treffen wir wieder Mitwanderer der letzten Tage: ein Paar aus Wien und der Slowakei die vor einigen Jahren den Jakobsweg an der slowakischen Grenze begonnen haben.

in St Alban

Übernachtung in einem Gasthof im Ort (DZ mit Bad – der totale Luxus !) und zum Abend die Überraschungstüte „Halbpension mit Plat du jour“: heute mit einer sehr leckeren Fleischterrine, Salat, Backfisch mit Spinat und Aprikosenfladen zum Nachtisch. Morgen soll es wieder mit der Unterkunft schwierig werden. Soll ich das glauben? Bisher hatten wir persönlich überhaupt keine Probleme …

Auf dem Jakobsweg durch die Auvergne- Tag 3

Von le Puy en Velay über die Via Podiensis: St. Privat-d’Allier – La Clauze, 27 km

Montag, 2.Oktober 2023

Rochegude

Ob es ein Fehler war, nicht vorzubuchen ? Gestern haben die Mitpilger am Tisch von den bereits voll belegten Herbergen erzählt und uns dazu gebracht, die Etappe um gut 7 km zu verlängern, um einem Engpass morgen auf der Hochebene der Margeride zu entgehen. Aber zunächst wandern wir mit einem guten Frühstück im Bauch (und dem Rest der Macarons vom Abendessen in der Tasche) los, machen aber schon nach wenigen Kilometern die erste Rast, um die Ruinen der Burg von Rochegude mit kleiner romanischer Jakobskapelle und beeindruckenden Glasfenstern zu bewundern.



Dann kommt der anstregendste Teil des Tages: 500 Höhenmeter Abstieg ins Tal des Allier nach Monistrol (wieder mit romanischer Kapelle) und dann das gleiche bergan auf die Hochebene. Viele Wanderer bzw. Pilger auf dem Jakobsweg haben weniger Wandererfahrung und der zeitweise steile Abstieg und steile Anstieg hat bei einigen zu heftigen Schweißausbrüchen geführt – ob als Angstschweiß oder wegen der Anstrengung sei dahin gestellt ….
Auch bei diesem Jakobsweg – wie auch schon bei dem portugiesischen Weg 2018 fällt mir auf, wie einfach es ist, mit den Mitwanderern (Mitpilgerern) ins Gespräch zu kommen: das wird mir auch von dem Patron der Herberge in La Clauze bestätigt, der in typischer Manier zu seiner Herberge gekommen ist und sie führt: vor Jahrzehnten den Jakobsweg gegangen, lange Zeit mit der Idee gespielt eine Herberge zu eröffnen, hat er irgendwann alles verkauft und sich an diesem Platz niedergelassen. Er empfängt in diesem Dorf am Ende der Welt seit mehr als 15 Jahren die Pilger am gemeinsamen Tisch seines Bauernhauses als Table d’hôte und gewährt allen Katzen des Dorfes Asyla

Le Clauze – Gate

Das Gespräch am Abend ist interessant: der Patron erzählt vom Dorf und seinen Bewohnern, die heute noch so leben wie vor 50 Jahren: Leben und Tod kommen und gehen – man geht nie zum Arzt, kennt keinen Urlaub, wehrt sich gegen alles Neue und lebt ohne Stress und Zeitdruck innerhalb der kleinen Dorfgemeinschaft. Spanend auch die anderen Wanderer am Tisch: ein Milchbauer aus der Bretagne (der einen ganz anderen Lebensstil als die Dorfbewohner pflegt), eine Sophrologin aus St. Etienne und eine Sozialarbeiterin, die als Kreativitätscoach in Lüttich arbeitet.

Auf dem Jakobsweg durch die Auvergne- Tag 2

Von le Puy en Vélay über die Via Podiensis: le Puy en Vélay – St Privat d’Allier, 23 km

Sonntag, 1. OKTOBER 2023


Der Wecker klingelt um 6.00 ! Wir möchten um 7.00 zur Pilgermesse in die Kathedrale und ich will vorher noch duschen und meine Sachen packen. Das mit dem Packen ist etwas tricky, da es noch dunkel ist und die anderen im Schlafsaal auch noch nicht wach sind. Aber es klappt! Wir können sogar unser Gepäck im Gîte lassen, da wir direkt am Jakobsweg geschlafen haben und schaffen es pünktlich, oben auf dem Berg in der Kirche zu sein. Die Messe ist typisch französisch (oder vielleicht auch nur typisch für einen französischen Marien-Wallfahrtsort?): total konservativ mit wenig Interesse, Menschen einzubeziehen, die nicht katholisch sind. Ziemlich an der Realität des Camino vorbei ….aber ich will mich ja nicht ärgern….
Nach dem Pilgersegen öffnen sich große schmiedeeiserne Gitter, die eine lange Treppe freigegeben, auf der wir Pilger hinunter zum Hauptportal geführt werden. Durch dieses gelangen wir über eine anschließende imposante Freitreppe in die Stadt hinunter. Absolut genial und absolut genial inszeniert!!


Nach einem exzellenten Frühstück im Hotel, zu dem unsere Herberge gehört, machen wir uns etwas spät kurz vor 9.30 auf den Weg unserer ersten Etappe. Bei strahlendem Sonnenschein und sehr sommerlichen Temperaturen wandern wir zunächst durch die sanfte Hügellandschaft des Vélay, in der vor allem die berühmten Linsen (Lentilles du Puy) angebaut werden- immer die Höhenzüge der Puys (der Vulkankegel der Auvergne) am Horizont im Blick.


Es wird richtig heiß – aber bevor ich anfange, den Weg nicht mehr so lustig zu finden, erreichen wir in Montbonnet ein Café, in dem ein Sirop à la menthe und das Mittagspicknick meine Lebensgeister wieder wecken. Die letzten 8 km verlaufen angenehm schattig durch Kiefernwälder und so kommen wir gegen 15.30 in St Privat an. Wir haben nicht vorgebucht und müssen feststellen, dass einige Herbergen jetzt im Herbst schon geschlossen haben und einige auch ausgebucht sind. Wir finden Platz im Gîte eines marokkanischstämmigen Franzosen, der Table d’hôte anbietet. Gutes Bad, 3-Bettzimmer und marokkanisches Essen mit Macarons zum Nachtisch. Sehr lecker!!
Die anderen Wanderer am Tisch erzählen von Problemen bei der Unterkunftssuche: ausgebuchte und geschlossene Herbergen in den nächsten Tagen… eigentlich wollte ich nicht vorbuchen- aber ich fange an, unruhig zu werden ….
Ach ja – packen im Dunkeln ist wohl doch keine so gute Idee: ich habe alle meine Slips und die Schlafanzughose liegen lassen …. Auch da sollte ich mir was einfallen lassen….

Auf dem Jakobsweg durch die Auvergne – Tag 1

von le Puy en Velay über die Via Podiensis: Hinfahrt mit Bus und Zug von Aachen nach Le Puy

Samstag, 30.September 2023

Immer diese Fahrtage …. Diesmal beginnt die Geschichte schon 2 Tage vor Abreise. Geplant ist (wieder) eine Hinfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Da ich diesmal nur 8 Wochen im Voraus mit der Planung begonnen habe, war der TGV nach Paris oder Lyon schon so unerschwinglich,  dass Dagmar und ich die Reise mit dem Auto nach Welkenraedt, mit dem Zug nach Lüttich, mit dem Flix Bus nach Paris, mit dem TGV nach St-Etienne und dann mit einem Nahverkehrszug nach LePuy gebucht haben. Viel Zeit zum Umsteigen, 3 Stunden Aufenthalt in Paris – alles innerhalb eines Tages gut zu schaffen. Zu schön um wahr zu sein.  

Denn: 2 Tage vor Abreise ereilt mich eine Push- Nachricht der SNCF (wie gut, dass ich die aktiviert habe), dass der Nahverkehrszug nach Le Puy ausfällt . Kein Wort von Schienenersatzverkehr ….  Die nächste Verbindung 24Stunden später -vielleicht ….. zu spät, um das über Booking gebuchte Hotel in LePuy zu stornieren -und wie schaffen wir überhaupt die letzten 100km ?

Die Lösung klappt per Telefon und App:  Storno des Hotels unproblematisch, Fahrt mit BlaBlaCar: wir werden sogar am Bahnhof abgeholt und bis ins Zentrum von Le Puy gefahren.

Schwimmbäder an der Seine … wenn Sommer wäre ….

Und – die Planung funktioniert (welch Wunder)! : der Flix Bus hat zwar wie geplant 6,5 Stunden nach Paris – Bercy gebraucht und dabei gefühlt an jeder Milchkanne gehalten,  aber wir hatten ja Zeit – auch noch für einen Spaziergang im Parc de Bercy und einen Kaffee an der Gare der Lyon.

Die Kathedrale von Le Puy

Der TGV war pünktlich und unser BlaBlaCar mit einer netten Krankenschwester als Fahrerin stand schon am  Bahnhof bereit. Es hätte sogar einen Schienenersatzverkehr gegeben, wie kurz vor Ankunft des Zuges mitgeteilt wurde. Aber pssst – bloß nicht weitersagen, Überraschung und großes Geheimnis – keinesfalls im Internet oder auf der Website publizieren. !!  

Im BlaBlaCar dann kurzweiliges Gespräch bis Le Puy mit unserer Fahrerin und einem weiteren Fahrgast, einem Wanderführer auf dem Camino. Ankunft in unserem Gite d’Etape am Rande der Stadt leider erst kurz vor 22.00: die Beschreibung sagt „zentral in der Nähe der Kathedrale“- und ich hatte mich darauf verlassen.

Auf diese Weise haben wir schon mal die ganze, sehr belebte Altstadt durchstreift, bevor ich die Wegbeschreibung infrage gestellt habe – ein Blick auf die Karte hätte allerdings früher und schneller geholfen …

🚶 Herbst 2023- auf dem Jakobsweg durch die Auvergne

von le Puy en Velay über die Via Podiensis

Ich mag die Auvergne
mit ihren alten Vulkanen, den romanischen Kirchen
und zum Ende der Wanderung
der Weite und Kahlheit des Aubrac.
Also habe ich mit Freude zugestimmt,
die ersten Etappen der
Via Podiensis zu wandern –
dann ist es wahrscheinlich auch nicht ganz so schlimm,
Santiago auf dieser Tour nicht zu erreichen ….

Den Blog schreibe ich meist während der Tour : abends, wenn ich aufs Essen warte, vor dem Einschlafen oder nachmittags auf der Hütte. Blogs gibt’s also meist dann, wenn ich solo unterwegs bin. Manchmal ist das Netz so schlecht, dass ich den Blogtext nur in Word schreiben kann und auf einen der nächsten Abende mit besserem Internet warte – manchmal schaffe ich es aber sogar, die Bilder auch schon zeitnah hochzuladen. Auf jeden Fall liefert der Blog die aktuellsten Impressionen- es ist eben das Reisetagebuch

Die Powerpoint erstelle ich später zu Hause: da suche ich die Hintergrundinfos zu den besuchten Orten heraus, erkläre Zusammenhänge und Details und stelle meine Fotos zusammen. Die Quelle zu den Texten bilden dabei Bücher, Wikipedia, Infos der Touristenbüros aber auch andere Internetseiten. Vor allem aber versuche ich mit etwas Animation die Bilderfolge interessanter zu gestalten

Die Diashow ist im Pinzip die abgespeckte Variante der Powerpoint. Vor allem gedacht für einen kurzen Überblick. Auch wenn ihr den Download der Powerpoint scheut oder keinen Viewer habt, kommt dieser Weg infrage.

Infos zu Anreise und Unterkünften auf dem Weg sowie weiterführende Seiten und Literatur …

Tag 13: Korsika – Mare e Monti: Porto-Ajaccio und Rückreise über Marseille und Charleroi

Donnerstag, 21. April 2022

Das war ein langer Tag ! Um 6.30 habe ich mich aus dem warmen Schlafsack geschält – es regnet nicht mehr ! – und wie in den letzten Tagen den Rucksack gepackt und das Zelt abgebaut. Dann sollte mein Kocher noch mal zu Ehren kommen und ich habe mir einen Tee aufgebrüht und dazu korsische Canistrelli mit Mandeln gegessen.

Und dann begann die Himmelfahrt ! Mit dem Bus  nach Ajaccio: Dauer 2,5 Stunden. So richtig angenehm war das heute bei Regen und Wind  in Ajaccio nicht, so dass ich mich in die Markthalle geflüchtet habe. Wenn es keine  Gewichtsbeschränkung im Flugzeug gäbe, wäre ich in einen Kaufrausch verfallen: Kastanienhonig, Würste und Speck, korsischer Käse,  Gewürze und Oliven – ich hatte Mühe, mich zurückzuhalten ! Dann lieber sofort den Bus zum Flughafen nehmen. Der kostet fast so viel wie der Flug nach Charleroi …

bei Marseille

Air Corsica ist pünktlich, so dass ich wie geplant gegen 16.30 in Marseille bin.  Zu Fuß dann quer über den Flughafen zu Ryanair. Und dann geht das Drama los: 50 Minuten Verspätung – das heißt, dass der letzte Zug, der noch Welkenraedt erreicht hätte, weg ist. Gleichzeitig ist Andreas Auto kaputtgegangen und es gibt niemanden, der mich ohne Riesenaufwand abholen könnte – es sind immerhin 300 km hin und zurück. Was tun ?  Verantwortliche Mitarbeiter von Ryanair sind in Marseille nicht vor Ort, so dass Beschwerde oder Hilfestellung sinnlos und inexistent sind. So warte ich, dass das Boarding beginnt, und  spreche dann alle Passagiere in der Schlange an, ob sie nicht nach Lüttich unterwegs seien. Einer bietet mir an, das Taxi zu teilen, eine Frau könnte mich bis Huy mitnehmen und eine dritte hat ein BlaBla Car organisiert, an dem ich mich beteiligen kann. Ich nehme die dritte Variante an und verabrede mich mit der zweiten (die nach Huy fährt), ihre Ausstellung am Wochenende in einer Galerie in  Aachen zu besuchen. Das könnte noch interessant werden! Der Fahrer des BlaBla Cars ist ein brasilianischer Student, der nach Ablauf seines Austauschjahres nicht nach Brasilien zurückgekehrt ist und zwischen Forschungspraktika und Illegalität  versucht, hier in Europa Fuß zu fassen.

Von Guillemins dann mit dem Zug nach Welkenraedt und von da mit dem dort geparkten Bus nach Hause – zwischendurch um 1 Uhr nachts noch tanken, da ich das Auto am Bahnhof mit leerem Tank ( 0 km  Reststrecke) vorgefunden habe.

Echt langer Tag und mal wieder der typische Hindernislauf. Aber was tut man nicht alles für einen derartig genialen Wanderurlaub !

Tag 12: Korsika – Mare e Monti: Porto: Scandola und Calanche

Mittwoch, 20. April 2022 (11 km,700m↗, 260m↘)

Hier in Porto bin ich von UNESCO Naturerbe umgeben: nach Norden  die Scandola – ein vulkanischer Küstenabschnitt mit bizarren Felsformationen und außergewöhnlicher Flora und Fauna. Und im Süden von Porto liegen die Calanches: ebenfalls vulkanische bizarre Felsen, die aufgrund des hohen Eisengehalts rot leuchten.

mein Boot

In die Scandola geht’s mit dem Boot: Im Sommer muss das wie im Bienenschwarm sein: von sicher einem Dutzend Bootskompanien liegen die kleinen Boote am Pier. In denen können 10-30 Passagiere fahren und eine Tour dauert 2-4 Stunden. Das ergibt – auch wenn ich nicht gut rechnen kann – sicher mehr als 1000 Touristen allein aus Porto … .

Scandola

Nach 20 Minuten Fahrt sind wir in der Scandola angekommen : ich bin fasziniert von den bizarren Felsformationen – für detaillierte Beobachtung von Fauna  und Flora sind wir aber einfach zu weit weg,  bzw.  ist mein Fotoapparat nicht geeignet. Die Rückfahrt geht über Girolata, so dass ich den Ort jetzt auch vom Meer aus kennenlerne.

Am Nachmittag habe ich mich dann zu Fuß auf den Weg nach Piana gemacht : es gibt eine Möglichkeit, über kleine Pfade, die immer wieder die Straße queren, dorthin aufzusteigen. Der Weg führt mitten durch die Calanches. Das sind bizarre, rote Felsformationen, bei denen mein Fotoapparat wieder heiß läuft. Oben in Piana angekommen, genieße ich noch ein Eis und dann heißt es, auf den Bus zurück nach Porto zu warten (1 Bus pro Tag … – das nenn ich tolle Infrastruktur …). Mit mir wartet eine Frau aus Berlin, die normalerweise meist in Osteuropa wandert und mir interessante Infos zu Rumänien und Georgien gegeben hat . Inzwischen regnet es: so wird mir der Abschied morgen nicht ganz so schwer fallen. Beim Abendessen (der Busfahrer hatte erzählt, im Cigale gebe es das beste Eis der Gegend) habe ich gegrillten Tintenfisch und gegrillte Muscheln in Olivenöl – Zitronensauce mit ebenfalls gegrilltem mediterranen Gemüse gegessen. Nicht ganz billig, aber unglaublich lecker. Dann noch das selbstgemachte Eis (der Busfahrer hatte recht) als Nachtisch – und jetzt bin ich komplett glücklich und der für die Nacht avisierte Regen kann mich mal ….

Track: Porto-Piana durch die Calanches

Tag 11: Korsika – Mare e Monti: E Case – Cargèse- Porto

Dienstag, 19. April 2022 (124 km,465m↗, 992m↘)

Heute geht’s zur letzten Etappe auf dem Mare e Monti. Insgesamt vor allem fast 1000 Högenmeter bergab – aber ein Anstieg von 0 auf knapp 400m  liegt natürlich doch auf der Strecke – sonst wär’s ja kein Fernwanderweg …

E Case

In E Case nach einer Nacht in absoluter Stille – unterbrochen nur vom Schrei einer Eule – bewundere ich heute Morgen wieder den Blick aufs Meer weit hinten am Horizont: diesmal ist es schon fast hell, aber der volle Mond steht noch hoch am Himmel – ein fast unwirkliches Bild … . Von Raffaela und Reinhard bekomme ich einen leckeren Kaffee zum Frühstück im Tausch gegen Tee am Vorabend. Ob es sich wirklich lohnt, einen Kocher mitzuschleppen, nur um dreimal Tee zu kochen ??

Auf zu den letzten Wanderstunden: mit immer wieder (wie immer) tollen Blicken geht der Weg zunächst steil ins Tal: das ist auf dem lösen Geröll wiederum ziemlich anstrengend, und ich habe die Wanderstöcke für die nächste Tour auf  die Liste der wünschenswerten Utensilien geschrieben.

Zunächst an freilebenden Schweinen vorbei auf einem Fahrweg ins Tal und dann erneut auf einem alten Karrenweg über den letzten Hügel nach Cargèse.

In dem von Genuesern besiedelten Ort hat sich im 17. Jh. eine griechisch- melkitische Gemeinde niedergelassen, so dass hier neben der römisch – katholischen auch eine griechisch- katholische Kirche existiert.  Nach der Besichtigung gibt’s das obligate „End of the Tour“ Eis : Diesmal ein großer Becher Mövenpick Eis mit Sahne. Mmmmh, schmeckt himmlisch lecker.

Porto

Um 17.00 kommt  der Bus nach Porto: morgen möchte ich noch die Felsen der Scandola (UNESCO – Weltnaturerbe) mit dem Boot, und danach zu Fuß die Calanches erkunden. Übernachtung auf dem Camping „Les Oliviers“ – 4 Sterne und zum Abendessen Pizza in einem sehr touristischen Restaurant in der Nähe des überaus pittoresken Hafens. Den werde ich mir morgen bei der Bootstour noch genauer ansehen.

Tag 10: Korsika – Mare e Monti: Marignana – E Case (Rivanda)

Montag, 18. April 2022 (18,5 km,850m↗ 935m↘)

Nicht nur die Sänger gestern beim Konzert können singen (wenn die auch besonders gut waren): mehrere aus der französisch- deutschen Wandergruppe stammen aus Korsika und lieben es zu singen: es fing schon heute morgen mit einem tollen Kanon an und bei der ersten größeren Pause wurde wieder ein neues Lied oder Kanon ausprobiert. Ich wusste gar nicht, wie melodisch und rhythmisch interessant französische Volksmusik ist !

Der Weg folgt heute dem Verlauf des  Almauftrieb bis auf ca 1200m Höhe. Er führt durch alte Kastanienplantagen, deren Böden aktuell von Wildschweinen durchwühlt sind , durch Macchia mit phantastischen Blicken und an unwegsamen Steilhängen entlang bis zu dem ehemaligen Gite El  Case. Der Besitzer gibt uns die Erlaubnis zum Zelten, und dann können wir einen spektakulären Sonnenuntergang mit Vogelgezwitscher und ansonsten absoluter Ruhe genießen.

Leider ist morgen der letzte Tag , und uns bleibt nur der Abstieg nach Carghese – der Wandergruppe hatte ich schon kurz vor dem Gîte „au revoir“ gesagt: die haben kein Zelt dabei und mussten sich deswegen ein Taxi nach Revinda bestellen.

Tag 9: Korsika – Mare e Monti: Ota-Marignana

OsterSonntag, 17. April 2022 (12 km,850m↗ 450m↘)

Heute habe ich alle Zeit der Welt  – die  Messe zu Ostersonntag findet erst um 11.00 im Dorf statt. Also kann ich in aller Ruhe frühstücken, duschen, meine Sachen packen und habe Zeit, „das Geheimnis der Flusskrebse“ zu Ende zu lesen: (tolle Milieustudie und richtig spannend!) und „Die Brücken der Freiheit“ von Ken Follett anzufangen.

Dann zur Messe. Ich bin extra früh da – ich erwarte ziemlichen Andrang, da es nur noch eine andere  Messe in einem Gemeindebezirk  von sicher 2500km² gibt. War aber wirklich nicht nötig – knapp 40 Leute verlieren sich in der Kirche. Gesang ist fast inexistent, die nicht mehr ganz jugendlichen  Vorsänger kennen weder sicher ihre eigenen  Lieder, noch sind sie firm in der  Reihenfolge der Liturgie … . Da ist es auch kaum verwunderlich, dass die Ostermesse schon  nach gerade ¾: Stunden beendet ist.


Danach zur Gorge de la Spelunca . Tolle Wanderung durch die Schlucht – nur bin ich dabei nicht unbedingt tiefenentspannt: wegen eines Erdrutsches ist die Schlucht gesperrt – die Wirtin meinte allerdings, dass der Weg mit etwas Kletterei gangbar sei. Stimmte auch, aber  ruhig war ich erst, nachdem ich die Passage überwunden hatte.

Biwak dann in Marignana – nur dass das Gite und vor allem das Restaurant heute am Ostersonntag brechend voll sind.  Irgendjemand bringt in Erfahrung, dass im Kleinkunstsaal nebenan ein Konzert mit korsischem Gesang  stattfindet: Absolut genial – auch wenn die Hälfte der Sänger mit Covid in Isolation sitzt. Deswegen ziehe ich auch meinen Schnutenpulli an – ich habe keine Lust, am Donnerstag das Flugzeug zu verpassen.