Belgien entdecken

2020 Ardennenwanderung

Ich wohne seit gut 20 Jahren in Belgien, die Kinder sind hier zur Schule gegangen, ich mache hier Sport, bin in der Gemeinde aktiv und singe im Chor.

Aber … ich bin in den letzten Jahren zwar hunderte Male durch Belgien nach Frankreich gefahren, überquere täglich die Grenze auf dem Weg zur Arbeit – aber kenn ich Belgien? Ehrlich gesagt – deutlich weniger als Deutschland oder Frankreich.

Schon zu Beginn dieses Jahres – also vor Corona – hatte ich mich entschlossen, das zu ändern.

Eine Wanderung quer durch die Ardennen war die Idee. So habe ich Anfang März dann auch zwei Etappen von Eupen bis Nessonvaux geschafft – aber dann ging gar nichts mehr – unmöglich, einem Polizisten klarzumachen, dass ich um Sport zu reiben mal eben nach St. Hubert fahre…

Zum Herbst hin habe ich die Idee aber wieder rausgekramt und mir nun vorgenommen zu Fuß (und evtl.-  falls Verkehrsverbindungen zu schlecht sein sollten auf dem Rückweg auch mit dem Rad) vom Dreiländereck zum südlichsten Punkt Belgiens in Trogny zu laufen. Für den Weg vom Dreiländerpunkt bis Eupen brauche ich keinen ausgeschilderten Wanderweg – das ist mein bekanntes Revier – da kann ich auch so schöne Wege gehen. Von Eupen nach Lüttich habe ich mich grob an den Heckenweg bzw. den GR 573 gehalten. Danach soll es die Ourthe flussaufwärts gehen (GR 57) und dann orientiere ich mich am GR14 bzw. der Transardennaise bis Bouillon und für das letzte Stück an der Transgaumaise.- So, das ist der grobe Plan.

Normalerweise ist ein Reiseblog chronologisch aufgebaut: das wird diesmal nicht klappen. Corona hat das ziemlich durcheinandergewürfelt. Ich werde die im März gewanderten Etappen nicht wiederholen und einfach dazwischensetzten – ihr müsst halt sehen wie ihr klarkommt…. die Texte der Etappen vom Anfang des Jahres sind (leider) im Nachhinein geschrieben – und das ist schon eher das Problem: denn die letzten 6 Monate waren so intensiv, dass ich nur schwer meine Gedanken vor dem Lockdown wieder nachempfinden kann.  Also – sorry für die fehlende Spontaneität….

Ich habe mir dann aber noch mal die Belgienkarte angeguckt – und mir ist natürlich nicht zum ersten Mal aufgefallen, dass die Ardennentour eigentlich höchstens die Hälfte Belgiens einschließt (eher noch weniger). Es fehlt die Mitte, es fehlt ganz Flandern – und eigentlich auch Ostbelgien. Was tun?

Flandern zu Fuß ist nicht so mein Ding. Morgens schon zu sehen, wo ich abends ankommen werde…. muss nicht sein. Also habe ich vor, diesen Teil mit dem Rad zu entdecken und auch schon die erste Etappe zwischen Kelmis und Lüttich bewältigt.

Also wird es – so Corona will –  zwei parallele Blogs geben:  wobei ich zzT. auch (Gründe s.o.)  weniger gerne durch größere Städte radele als durch den Wald spazieren  gehe…
Aber der Ravel die Maas entlang und dann mit dem Rad weiter Richtung Meer – das läuft ja nicht weg….

Ardennenwanderung
Ardennenwanderung

2020 Belgien mit dem Rad – Go west!

Die Idee ist eine Radtour durch Belgien – allerdings unter Aussparung des Südens, da ich doch in den letzten Jahren etwas faul geworden bin und keinen gesteigerten Wert auf Herausforderungen à la „Flèche wallone“ und “ Liège- Bastogne- Liège“ lege. Das heißt, dass ich mir für die erste Etappe den interssantensten Weg nach Lüttich aussuche: ich kenne die Gegend dank vieler Radtouren so gut, dass ich die Filetstückchen rauspicken möchte. Danach aber kommt Neuland: ich freue mich auf den RAVEL die Maas entlang , möche die Bergbaukultur des Ruhegebiets mit der des belgischen Reviers vergleichen und die vielen kleinen und größeren Städte entlang der Maas entdecken. Und danach? Mal sehen… Vielleicht den Canal du cente entlang, um noch mehr Industriegeschichte zu tanken oder aber den sicherlich landschaftlich schönerern Teil entlang der Sambre?- Auf jeden Fall ist das erste größere Ziel die französische Grenze. Und dann sollte es langsam wieder zurückgehen – am besten im großen Bogen einschließlich Besichtigung der großen flämischen Städte und einem Fußbad in der Nordsee. Aber das ist alles Zukunftsmusik . Zunächst mal nach Lüttich!

Pilgern oder wandern?

Ich habe immer polemisiert gegen diesen Pilger-Camino-Hype: seit Harpe Kerpeling (spätestens) muss jeder, der nicht als absoluter spiritueller Banause gelten will, den Jakobsweg (für Insider: den „Camino“) gepilgert sein. Dabei ist auf die Wortwahl zu achten; es muss unbedingt „pilgern“ heißen – man darf auf keinen Fall „wandern“ sagen!

Wegweiser in de piemontesischen Alpen
Wegweiser in de piemontesischen Alpen, GTA 2016

Ich habe mich nur immer gefragt: Wieso soll da eigentlich ein Unterschied sei?
Klar, eine Marienwallfahrt mit Vorbeter und Gesang – das ist was Anderes (ich kann in einem solchen Ereignis allerdings für mich persönlich überhaupt keinen spirituellen Zugang finden) – aber bei einer individuellen Pilgertour? Wo soll denn da der fundamentale Unterschied zu einem Fernwanderweg sein? Spiritualität ist doch nicht abhängig von einem bestimmten Weg, sie passiert doch im Kopf – alleine oder mit Hilfe von irgendwas oder irgendwem, das (der?) größer ist als wir. Spirituelle Erfahrung kann ich suchen, indem ich mit offenem Geist wandere – indem ich mir Zeit nehme zu sehen, Kleinigkeiten zu beobachten, an besonderen Orten Ruhe und Inspiration zu empfinden – und zu diesen Orten können natürlich auch Kirchen und Kapellen am Weg gehören. Dabei ist dann das Besondere beim Wandern (oder Pilgern), dass diese Empfindungen durch die Monotonie des Tages und vielleicht auch die körperliche Anstrengung getriggert und verstärkt werden.

Im Venn
Bohlenwege im Venn

Ist dieses Gefühl abhängig von einem spezifischen Weg? So, als ob es Orte gäbe, die per se „heiliger“ wären als andere? Den Gedanken kann ich nicht nachvollziehen – für mich ist es nicht der Ort, nicht die Moleküle eines bestimmten Platzes, die außergewöhnlich sind – es ist immer nur die Frage, wie ich auf und in einer Situation reagiere: Ich kann vor einem Gänseblümchen in Anbetracht der Komplexität und Größe der Schöpfung still werden und gehe an Sacre-Coeur in Paris unbeeindruckt vorbei…

alte Pfade über Bergpässe im Piemont
alte Pfade über Bergpässe im Piemont, GTA 2017

Wobei Wander- und Pilgerwege von der Wegführung her häufig doch sehr unterschiedlich angelegt sind: während die „Macher“ der Wanderwege sich bemühen, Wege zu markieren, die in möglichst schöner Landschaft über möglichst schmale Pfade mit so wenig Asphalt wie möglich verlaufen, scheint es mir bei den Pilgerwegen oft so, dass durch lange Asphaltstrecken ein gut Maß an Masochismus (oder das Erproben der Leidensfähigkeit) eingeplant und vorausgesetzt ist. Ich erinnere mich, genau in diesem Sinne einen Blog gelesen zu haben, in welchem dem Autor, der sich über das lange Pflastertreten auf dem Camino Frances ausließ, erwidert wurde, dass es ja gerade der Geist des Weges sei, dass – wie im wirklichen Leben –  lange Durststrecken auszuhalten und Schwierigkeiten zu überwinden seien… . Nun ja … die Erde als Jammertal – das kommt mir wie aus dem letzten Jahrtausend vor … Dass man mich nicht missverstehe: Natürlich geht es auch darum, nicht bei jeder Schwierigkeit die Flinte ins Korn zu werden und aufzugeben – aber ich finde es attraktiver, die Schönheit (zB mithilfe der auf der Karte selbstgefundenen Wegvariante) zu suchen, als ohne Not und nur, um einem Wegzeichen zu folgen, den vorgegebenen hässlichen Weg unter die Füße zu nehmen. Für mein Teil fühle ich mich mit dem „Großen Ganzen“ deutlich weniger entlang einer Straße verbunden, an der die Autos vorbeirasen, und ich mich gerade noch zurückhalten kann, mich mit einem Sprung in den Graben in Sicherheit zu bringen, als auf einem Wanderweg mit der weiten Aussicht ins Land, auf dem ich schauen und träumen kann. Wobei mir natürlich durchaus bewusst ist, dass die Anlage eines Wanderwegs, der nicht der Straße folgt, viel Geld kostet, das nicht in allen Ländern zur Verfügung steht..

Bahntrassenradweg be Bordeaux
auf dem Bahntrassenradweg Roger Labépie bei Bordeaux – von Meer zu Meer 2017

Aber es geht doch auch um die Tradition, die Erfahrung, einen alten Weg zu gehen, den schon unzählige Menschen im Laufe der Geschichte vor mir gegangen sind? In den Fußstapfen der früheren Generationen zu pilgern? Nun ja – soweit ich weiß, dient z.B. die alte Via Regia oder die Salzstraße, über die auch die Jakobspilger gelaufen sind, heute im Allgemeinen als Bundesstraße oder Autobahn: die Jakobswege sind in den seltensten Fällen original und häufig auch nach wirtschaftlichen Interessen angelegt:  um Cafés und Restaurants an den in dieser Hinsicht  sehr reizvollen Jakobsweg anzubinden,  wird auch der Wegverlauf durch ein an Hässlichkeit kaum zu überbietendes Industriegebiet in Kauf genommen (so habe ich das zumindest auf dem Camino Portugues erlebt).

Hatte Luther also recht mit seiner vehementen Polemik gegen das Pilgern?????

Ich denke, dass heute wohl kaum noch jemand zum Heiligen Jakobus pilgert, um von ihm persönlich ein Wunder zu erwarten – die meisten Menschen, die den Camino wandern, erhoffen sich eher eine Form der Selbsterkenntnis auf und durch diesen Weg. Und in einem solchen Sinne verstehen die meisten Protestanten das Pilgern heute auch als eine durchaus interessante Form der persönlichen Sinnfindung und unterstützen (zB in Norddeutschland und Norwegen) die Pilger durch eigens angelegte und markierte Wege sowie eine ausgezeichnete Infrastruktur. 

Wegweiser portugiesischer Jakobsweg 2018
Wegweiser portugiesischer Jakobsweg 2018

Aber zurück zum Anfang: gibt es vielleicht doch – über die Wegführung hinaus – Unterschiede zwischen Pilger- und Fernwanderwegen? Sind vielleicht auf den Wegen unterschiedliche Menschen unterwegs?
Irgendwann wollte ich meine Meinung zu diesem Thema nicht mehr nur auf Vorurteile aufbauen, sondern habe die persönliche Erfahrung gesucht und bin den portugiesischen Jakobsweg gewandert (sic !) – oder gepilgert ?
Eins vorweg – Ruhe habe ich auf dem offiziellen Weg kaum gefunden – dazu ist jede Wanderung in der Eifel besser geeignet. Dafür war der Weg einfach zu stark frequentiert. Aber ich musste feststellen: es herrscht ein ungewöhnlicher „Esprit“ auf dem Weg: die Menschen sind sehr offen und freundlich und jede Begegnung am Weg kann Ausgangspunkt eines Gesprächs sein – wenn es sich auch meist nur um das „woher“ und die nächste Etappe dreht. In den Herbergen trifft man sich immer wieder- es gibt eben nur einen Weg und eine Richtung, so dass eine ungewöhnliche Solidarität herrscht. Die Stimmung auf einer Berghütte ist ähnlich – aber mir erschien der Zusammenhalt auf dem Jakobsweg doch noch stärker zu sein als ich ihn auf Bergtouren erlebt habe. Dadurch ergibt sich eine eigenartige Atmosphäre, die an sich schon fast wieder „spirituell“ ist. Auf einem Camino ist es eben niedrigschwellig möglich, auch mit fremden Menschen gemeinsam zu Abend zu essen und es ist nicht wie in einer Jugendherberge oder einer Pension, dass zehn Alleinreisende an zehn verschiedenen Tischen vor sich hin mümmeln.
Sind nun unterschiedliche Menschen auf Fernwanderwegen und dem Jakobsweg unterwegs? Ich hatte nicht das Gefühl, dass es mir auf dem Camino leichter als auf anderen Wanderungen fiel, religiöse oder allgemein spirituelle Themen mit meinen Mitwanderern zu bereden – die Gesprächsthemen drehten sich auch beim gemeinsamen Abendessen vor allem um die Wegplanung der nächsten Tage und entsprechend allgemeine Themen.  Wenn ich tiefschürfende Gespräche dringender suche, bin ich (für mich gesprochen) besser in Taizé aufgehoben.

Werbplakat Camino ÜPortugues in Porto , 2018
in jedem Schritt ein Sinn : Werbeplakat zum Camino in Porto, 2018

Gibt es nun – über den spirituellen Anspruch hinaus, der (s.o.) bei den Mitwanderern zumindest nicht so eindeutig zutage tritt – weitere Unterschiede? Ein Fernwanderweg bedarf (zumindest, wenn man individuell und solo unterwegs ist) einer deutlich intensiveren Planung in Bezug auf Unterkunft, Verpflegung und Verkehrsanbindungen – auf dem Camino kann man sich mit dem Fluss der anderen Pilger (ich hätte fast gesagt: der Herde…)  mittreiben lassen. Insofern ist der portugiesische Camino (und wahrscheinlich auch der Camino Frances in Spanien) auch für Menschen geeignet, die weniger Interesse an oder weniger Erfahrung mit der Planung einer Tour haben.

  • Fazit: Mein allzu negatives Urteil zum Pilgern habe ich revidiert – beide Arten des Wanderns stehen gleichberechtigt nebeneinander und überschneiden sich:  ich sollte sie nicht gegeneinander ausspielen – die Wahl ist eher eine Frage der individuellen Vorlieben und der persönlichen Erfahrung …

Gedichte und Texte zum Reisen

Warum überhaupt reisen ?

Eine schöne Antwort habe ich auf dem schwarzen Brett der Kirchengemeinde von Dumholz in Südtirol gefunden – natürlich auf einer Reise (Sarntalrunde 2016):  

,,Reisen meint weder das Verlassen der Heimat noch der Heimatstadt noch des sogenannten Vaterlandes sondern vor allem – der Gewohnheit.“
Günter Kunert

oder auch:

 ,,Zögere nie, weit fortzugehen, hinter alle Meere, alle Grenzen, alle Länder, allen Glauben“
Amin Maalouf  


,,Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt. Sieh sie dir an.“
Kurt Tucholsky

zum Innehalten und Staunen

es gibt bestimmte Motive, die mich ansprechen und die ich regelmäßig fotografiere: damit die Sammlung nicht überhand nimmt und überquillt , werde ich mich auf 1-2 Bilder pro Jahr beschränken (im Sinne von ,,best of…“)

Bäume

Drachen

Ich gebe es zu: mein Sohn Paul war immer an Drachen interessiert und das hat abgefärbt. Aber spannend fand ich eine Aussage seinerseits, als ich ihm Michael als Drachentöter zeigte: “ warum hat er ihn getötet? – er hätte ihn zähmen sollen…“. Ich war erstaunt und habe angefangen nachzudenken – ja, stimmt. Psychologisch betrachtet hat Paul recht….

Weihnachten

Christi Geburt – neben den martialischen Szenen (warum hat das ganze Mittelalter nur vor allem Märtyrer und Kreuzestod ins Bild gesetzt?) eins der klassischen Motive christlicher Kunst. Immer wenn ich eine etwas ungewöhnlichere Darstellung finde, versuche ich auf den Auslöser zu drücken….

Sprüche und Inschriften am Weg

Manchmal sehe ich unterwegs Inschriften, die noch länger in mir nachhallen: vielleicht sprechen sie nicht nur mich an?
Berneix, Savoyen, ca. 2004 (Wanderer, denke daran: man erbt nicht die Erde von seinen Vorfahren sondern man leiht sie sich von seinen Kindern)
Rheinsteig 2017 – im Siebengebirge
an der Göhl : von der Quelle zur Mündung- 2011: Wegkreuz mit Inschrift in Limburg (Schau dir das Kreuz an, bete es nicht an. Bete den Herrn an , dessen Bild du siehst)
Eifelsteig 2017 – an dem schwarzen Brett einer Kirche Nähe Mirbach
Rheinsteig , Nähe Loreley 2017

Ein Blog??? Was soll denn sowas? – Und wieso überhaupt wegfahren und reisen ?

  • > weil ich nicht jeden Tag mit allen Freunden und Bekannten telefonieren kann?
  • > weil ich es schön finde, abends meine Gedanken zu ordnen und aufzuschreiben?
  • > weil ich hoffe, dass die Bilder, die mich beeindruckt haben, auch euch ansprechen?
  • > als Versuch, mit euch über meine Gedanken und Erlebnisse ins Gespräch zu kommen?
  • > oder…. einfach nur so!

… auf jeden Fall freue ich mich schon auf eure Kommentare und Bemerkungen!

Über mich

Ich halte mich gerne in der Natur auf – zu Fuß oder mit dem Rad. Und dabei liebe ich vor allem Fernwanderwege und Radtouren über mehrere Tage. Ich finde es faszinierend, morgens nicht sicher zu wissen, wie der Tag ablaufen wird, was ich sehen oder wo ich übernachten werde. Mich reizt dabei die körperliche Anstrengung und auch die Vielfalt der Entdeckungen…

Aber wie kommt es dazu? Gründe kenne ich nicht, aber neu ist diese meine Sehnsucht nun wirklich nicht …

Flashback 1:
Ich mag so 14 oder 15 gewesen sein – ich sehe vor meinem geistigen Auge ein kleines Hotel mit Restaurant im Gebirge auf Kreta, in dem ich mit meinen Eltern übernachte. Wir sitzen in der Nähe eines Kaminfeuers, als drei völlig durchfrorene Wanderer reinkommen und sich überglücklich am Feuer aufwärmen: sie waren auf Wandertour durch die Berge und hatten die Länge der Etappe völlig unterschätzt.  Ich hätte einiges drum gegeben, mit ihnen weiterzulaufen – das war die Form von Abenteuer, die auch ich erleben wollte!

Flashback 2
Wir sind 16 und fahren zu fünft mit dem Rad auf gut Glück nach Norden – nichts gebucht, wenig geplant: noch Jahre später träume ich von dieser Tour…

Ich bin die Sehnsucht vom Wandern, Radfahren, Zelten nicht mehr losgeworden. Mit wenig Gepäck, Offenheit für Natur, Kultur und Menschen neue Landschaften zu entdecken – davon habe ich nie aufgehört zu träumen.

Ich habe geheiratet, gearbeitet– ich bin Ärztin und habe eine Praxis -, wir haben Kinder bekommen und großgezogen – und nicht jeder mag Urlaub auf meine Weise. Also waren immer Kompromisse angesagt. Ich habe also meinen Traum auf später verschoben – aber wann ist später? Und wann ist später zu spät?

Flashback 3
Wir hatten eine Radtour an der Mosel geplant – ich hatte alles minutiös organisiert: wenn die Mischpoke sich schon nicht mit dem gleichen Enthusiasmus wie ich in das Abenteuer einer individuell organisierten Radtour stürzt, sollten wenigstens nicht zu viele Pannen durch schlechte Organisation passieren. Aber das Wetter lässt sich nicht kommandieren – es regnet. Ich selbst wäre verrückt genug, trotzdem zu fahren – aber die Familie streikt .. . Ich habe heute noch den bitteren Geschmack der Enttäuschung im Mund …

mit Mira unterwegs – leider ist mein (unser) Hund, ein Australian Shepard, viel zu früh schon 2017 gestorben

Irgendwann wurde dann die Sehnsucht zu groß und ich habe begonnen, mit dem Rad und zu Fuß Europa zu entdecken: ich interessiere mich für Geschichte und Kultur, gehe gern in Museen, besichtige Burgen und Kirchen. Aber ich empfinde eine Tour auch häufig gleichzeitig als spirituellen Weg und bemühe mich, mir Zeit für die kleinen Wunder am Weg zu nehmen und zu träumen. Wenn mir das auch besonders gut auf Solotouren gelingt, freue ich mich jedoch immer auf die Abende in der Herberge, auf der Hütte oder dem Zeltplatz in der Hoffnung auf interessante Begegnungen, Gespräche….  

Vielleicht auch deswegen dieser Blog – als Mittel mit euch Lesern ins Gespräch zu kommen….

ich

Und in Zukunft? Klar – es gibt sie auch weiterhin, die unerfüllten Träume: ich würde gerne die Zeit finden, Europa von Nord nach Süd und von West nach Ost zu durchqueren – mit dem Rad und teilweise auch zu Fuß. Zurzeit ist da (noch) nicht dran zu denken –aber ich habe seit vielen Jahren so einen Spruch im Kopf:

„Ideale sind wie die Sterne – man kann sie nicht erreichen, aber man kann sich an ihnen orientieren.“

Gilt das nicht auch für Träume?