🚶September 2018: Camino Portugues

camino
Camino Portugues

Pilgern auf dem Jakobsweg?
Ich war mehr als skeptisch…
wegen Überfüllung geschlossen?
langweiliger Weg?
Also habe ich es zum Einstieg mit dem kürzesten, nur knapp 14 -tägigen portugiesischen Weg versucht:
ja, es war sehr viel los – aber man kann immer Ausweichrouten finden
und es gibt ihn wirklich – den besonderern „Esprit“ des Jakobswegs,
der das Pilgern so besonders macht !

Karte und Track des Pilgerweges

... mehr Infos zu Wegbeschaffenheit und Höhenprofil?

Camino Portugues 2018 -Tag 13 : Santiago !!!

Die Kathedrale in Santiago de Compostela

4. Oktober 2018

vor dem Pilgermuseum

Heute morgen um 8.00 die deutsche Messe in der Seitenkapelle der Kathedrale: ca. 30 Menschen sind da. Entspannt freundlicher Ton-  die meisten sind Pilger, die in den letzten Tagen in Santiago angekommen sind.
Großartig zu schreiben gibt es heute nichts – fauler Tag, ich lasse mich nach ausgiebigem Frühstück einfach durch die Stadt treiben, besuche viele der  unzähligen Andenkenläden und kaufe hoffentlich nicht allzu unsinniges Zeugs ein.

im Abendlicht

Ganz plötzlich steht im Gewühl der Menschen auf einmal Sonja mit ihren Eltern vor mir. Die sind gerade erst angekommen und kommen gerade aus der Pilgermesse (heute mit dem riesigen Weihrauchfass – hab ich mich geärgert, dass ich gestern in der Messe war !). Gemeinsames Essen : Es gibt  Pinchos – das sind kleine Häppchen auf Brot, die man sich wie Tapas an der Theke selbst aussucht. Sehr lecker.
Am Nachmittag dann wieder chillen und kurz ins Pilgermuseum , bevor wir uns – wie wir es auf dem Camino ausgemacht hatten –  vor der Kathedrale zum gemeinsamen Abschiedsessen getroffen haben. Es waren viele da, mit denen ich die letzten 10 Tage geteilt habe ! Nach dem Essen auf dem Rückweg ins Hotel noch ein Blick auf die Kathedrale und dann ins Bett.

Morgen zu nachtschlafender Zeit – selbst die Busse fahren noch nicht- bringt mich ein Taxi zum Flughafen, von wo es dann über Madrid  und Brüssel nach Hause geht.
Aber vielleicht geht die Geschichte ja weiter – es gibt so viel Wege nach Santiago !

 

Camino Portugues 2018 -Tag 12: Herbón – Santiago (ca. 30 km)

Colegiada de Sta. Maria de Iria Flavia

3.Oktober 2018

Nach dem gemeinsamen Frühstück (erinnert wieder an das Frühstück auf einer Berghütte) dann die letzte Etappe nach Santiago. Es ist (zunächst) angenehm kühl – eigentlich perfekte Wanderbedingungen. Aber heute geht der Weg wirklich fast ausnahmslos über Asphalt. Zwar teilweise durch kleine Dörfer aber eben auch über große Nationalstraßen. Da meine Füße diesen harten Untergrund immer noch nicht mögen (das liegt natürlich auch daran, dass ich den Weg mit Bergstiefeln statt in Turnschuhen gehe), läuft mein Smartphone auf der Suche nach fußfreundlicheren Alternativen wieder ganz schön heiß.


Rückblickend empfinde ich meinen und den Weg der anderen wie Fäden, die im Laufe der Tage zusammenlaufen und zu einem Seil werden, das die Gemeinschaft bildet. Immer mehr Wege und damit Menschen kommen im Laufe des Weges hinzu, bis dieses dicke Tau dann zur Kathedrale in Santiago führt. Aber noch etwas habe ich gesehen: auf dem Weg kommt man – schon aufgrund der unterschiedlichen Gehgeschwindigkeiten – mit ganz vielen Menschen ins Gespräch: Mal nur für einen Gruß, mal für den kurzen Austausch ,woher kommst du und wie weit gehst du heute‘ , oft aber auch für längere und tiefer gehende Gespräche. Aber immer ist es völlig normal, dann einfach weiter zu gehen, in anderem Tempo oder einfach für eine Rast alleine anzuhalten. Das verletzt niemanden, führt zu keinen Missverständnissen – ist völlig normal. Vielleicht könnte das doch ein Beispiel im Leben sein, dass es auch dort möglich sein sollte, eine Sache zu beenden ohne schlechtes Gewissen  – um frei Neues beginnen zu können ?

kleine schattige Abschnitte abseits des Weges

Einige Male, unter anderem beim Weg in die Innenstadt von Santiago gelingt es mir wirklich, schöne alternative Wege durch den Wald oder am Bachufer zu finden. Einmal bin ich dabei allerdings auch mitten in einem Gestrüpp von mannshohen Brombeerranken gelandet. In zwei Tagen hab ich sowieso wieder lange Hosen an – dann sieht man die Kratzer nicht….

ganz plötzlich: Die Kathedrale

Wie gesagt, fast unvermittelt stand ich dann auf einmal vor dieser gewaltigen Fassade der Kathedrale. Ein unglaublicher Anblick ! Und mit mir viele kleine Gruppen von Pilgern – sitzend, stehend mit Blick auf dieses Bauwerk. Und auf einmal – für mich total ungewöhnlich, ich hatte das Gefühl mich selbst nicht mehr zu kennen – hatte ich Tränen in den Augen und einen Kloß im Hals. Ausgerechnet ich, die ich die ganze Zeit behauptet hatte, der Camino sei ein Weg wie jeder andere ….
Ok, genug davon. In Santiago dann zur Pension (gestern mit Booking gebucht, da ich entschiedene Lust auf ein Einzelzimmer und keinen Schlafsaal habe), wo ich beim Einchecken eine mir bekannte Stimme im Hintergrund höre – Bruno ! Klar, dass wir den Stadtbummel und das Abendessen gemeinsam gemacht haben. Ich war dann abends noch in der (ziemlich unpersönlich traditionellen) Pilgermesse – mit geschätzt etwa  600 weiteren Pilgern. Morgen habe ich dann einen ganzen Tag für Santiago – mal sehen, ob mir noch andere Bekannte der letzten 10 Tage über den Weg laufen….

Camino Portugues 2018 -Tag 11: Caldas des Reis – Hebrón (23 km)

2. Oktober 2018

Warum stehen die jetzt alle vor sechs Uhr auf, wenn doch erst um halb neun die Sonne aufgeht ? Aber ich war sowieso wach, da ich nur meinen dünnen Hüttenschlafsack mithabe und es inzwischen nachts doch ganz empfindlich kalt ist. Ach ja , ich vergaß: in spanischen Albergues gibt es keine Wolldecken… Ich also auch in die Senkrechte und dann zum Frühstück in die nächste Bar, in  der ich die Dämmerung bei Milchkaffee und Croissants abgewartet habe. Heute ist die Wegführung besser : schöne Waldwege, wenig Asphalt und vor allem am Morgen längst nicht mehr so heiß. Die Spanier und Koreaner sind heute Morgen sogar mit langer Hose, eng zugeschnürtem Kapuzenpulli und Handschuhen unterwegs. Aber wenn ab 11 Uhr die Sonne Kraft bekommt, wird es doch wieder heiß. Wir hatten den ganzen Weg über keinen Regen – sehr ungewöhnlich – die Leute erzählen auch, dass die Weintrauben deswegen eintrocknen..

 Padrón
Padrón

Ich war gut zu Fuß und bin schon vor 12 Uhr  – zusammen mit Sonja und ihren Eltern, die ich erneut auf dem Weg getroffen habe, in Padrón angekommen. Ich wollte mir noch etwas genauer diesen Ort angucken, von dem es in der Legende heißt, dass hier der Leichnam von Jakobus an Land gebracht und nach Santiago gefahren wurde. Gerade will ich meine Besichtigungstour starten – wer kommt mir entgegen ? Bruno !  Vor 3 Tagen meinte Hermes, der Schweizer zu mir , dass er bei solchen Begegnungen nicht an Zufälle glaube und ich habe gelacht. Aber heute ? Bruno war nach seinem erzwungenen Ruhetag immer ein Albergue vor mir gewesen und ist dann die 6 km Umweg über das Kloster in Herbón (in dem ich heute Abend übernachten will) gegangen, um es sich anzugucken. Und jetzt wollte er gerade weiter…. Na ja, wir haben erstmal  Tapas  zu Mittag gegessen  (kleine gegrillte Paprika aus Padrón mit Salz, die Spezialität der Gegend ). Er ist dann weiter Richtung Santiago und ich habe mir die Kirchen und den Wallfahrtsort zum kleinen Santiago auf dem Berg angesehen und bin dann langsam zum Kloster nach Herbón weiter.

wir müssen warten :die Pforte des Klosters öffnet ert um 16.00

Hier ist eine Atmosphäre die – ähnlich einer Berghütte –  absolute Ruhe und Gemeinschaft ausstrahlt. Zum Schlafen kleine Zellen, in denen wahrscheinlich früher die Seminaristen  gelebt haben. Inzwischen leben nur noch vier Franziskaner hier und das Albergue wird – wie fast überall – von einer säkularen Jakobsgesellschaft geführt.
Vor dem Abend noch ein Bad im Fluss und zum Abschluss eine beeindruckende Pilgermesse im Kloster mit einem Segen in allen anwesenden Sprachen : Slowenisch, Polnisch, Englisch , Schwedisch , Spanisch, Italienisch und deutsch… .

Der Segen aus der Pilgermesse

Camino Portugues 2018 -Tag 10: Pontevedra – Caldas des Reis (23 km)

alles blüht und ist grün!

1.Oktober 2018

Heute morgen gegen 8.00 los (um 8.30 geht die Sonne auf) und zunächst mal in einem Café ein leckeres kleines Frühstück mit Toast und Milchkaffee (mit kalter Milch: damit man ihn sofort trinken kann…). Anja und Melanie aus dem Schwarzwald habe ich dann zunächst alleine weitergehen lassen, da mich mein eigener Weg über Feldwege an einem Kanal entlang und durch Salzsümpfe geführt hat, bevor er den Camino wieder erreicht hat. Wenn dieser auch heute weniger auf Asphalt verlief, sind meine Füße doch für jeden Meter Feldweg dankbar…

in den Sümpfen nördlich von Pontevedra

Mir fällt die ganze Zeit in Galizien und eigentlich auch schon in Portugal auf, wie grün die Landschaft am Ende eines (trockenen !) Sommers ist: eine unglaubliche Blütenpracht – nicht nur in den Gärten, auch an den Wegrändern ! Ganz viele Früchte : Äpfel, Feigen Weintrauben, und Gemüse. In dieser fruchtbaren, wasserreichen Gegend gibt es noch viele kleine bäuerliche Betriebe – und auch jüngere Leute in den Dörfern. Ich revidiere ein wenig meine Meinung zum Jakobsweg – okay, es ist wie Volkswandertag…. Aber wenn ich zu anderen Zeiten Pause mache als der große Pulk, bin ich doch alleine – und außerdem gehe ich ja immer wieder meine Spezialwege…. Aber was mir wirklich gefällt ist, dass man jeden ansprechen und ein nettes Gespräch beginnen kann, dass ich immer wieder Bekannte treffe und sich auf dem Weg ein Zusammenhalt wie in einer großen Familie ergibt. Jeder hilft jedem und ich habe mein Shampoo, das ich in der ersten Herberge vergessen habe, noch nicht vermisst….

heißes Thermalwasser !

Auch meine Art des Wanderns hat sich verändert (allerdings auch, weil ich jetzt den Zeitaufwand für den Rest der Etappen besser abschätzen kann). Ich nehme mir Zeit in einer Bar, trinke einen Orangensaft, finde auch viel mehr schöne Fotomotive als zu Anfang. Irgendwie kehrt etwas Ruhe ein.
Heute ging es bis Caldas des Reis. Das ist ein Thermalbad, das schon den Römern bekannt war – und da es an einer großen Römerstraße liegt (die später als Jakobsweg genutzt wurde), haben sicher auch die Legionäre ihre Füße in die gleichen Quellen getaucht in denen heute ich (38°) meine Füße gebadet habe.. Welch historischer Moment…. !
Gleich werde ich mit Jennifer aus der Nähe von Mainz essen gehen und für morgen habe ich mir den Weg über Padron zum Franziskaner -Kloster in Herbón vorgenommen . Das wäre dann die einzige kirchliche Herberge auf dem ganzen Weg: nicht , dass ich denen aus dem Weg gegangen wäre, aber ich habe einfach keine gefunden.

Camino Portugues 2018 -Tag 9: Redondela – Pontovedra (20 km)

galizischer Kornspeicher, Arcade
galizischer Kornspeicher, Arcade

30. September 2018

Heute Morgen werde ich in der Herberge von den Packaktionen der anderen geweckt. Ich gucke auf die Uhr – noch 40 Minuten Zeit. Ich drehe mich auf die andere Seite, träume ein bisschen – und guck dann auf mein Smartphone und nicht aufs Handy – MIST ! Ich hatte die Zeitumstellung nicht beachtet und die Uhr am Handy nicht umgestellt… ich bin dann eine Stunde später los – erst gegen 8.30: nur gut, dass die Etappe heute kurz ist…. Beim Losgehen kurzes Gespräch mit einer australischen Architektur – Historikerin und gegen Mittag dann Bekanntschaft mit 2 netten Frauen aus Süddeutschland. Wir haben dann entschieden, heute in Pontovedra zu bleiben und gemeinsam zu Abend zu essen. Da die kleine Pension, in der die beiden schlafen, leider ausgebucht ist, teilen wir uns das Zimmer. und das Doppelbett. Ideal !

die kleine Bar

Auf dem Weg : wie immer eine Vielzahl von kleinen Bars und Tapasrestaurants. Diesmal haben wir in einem angehalten und radebrechend (ich) „zucco di narañja“ bestellt. Eine der beiden Mitwanderinnen spricht allerdings fast fließend Spanisch (Ehemann machts möglich… ). Das war dann wahrscheinlich auch der Grund, warum die Toiletten , die bei der Frage von zwei Amerikanerinnen noch „kaputt“ waren und kein Wasser hatten, auf einmal wie von Zauberhand funktionstüchtig wurden. Und auf einmal spricht der Besitzer unserer kleinen Bar am Wegrand, mitten auf dem Land auch fließend und akzentfrei deutsch. Zum Abschied gab es noch kleine Tapas als Geschenk des Hauses…… Nice… .

die allerbesten Tapas – sooo lecker !!

Im Augenblick sitze ich nach einem kleinen Stadtbummel durch diesen schönen Ort an einem Brunnen und schreibe Blog. Nachher gehen wir gemeinsam essen… hoffentlich besser als gestern….

PS.: wir haben in einem Café am Nachmittag noch zwei Holländer und einen Berliner getroffen, mit denen wir abends super Tapas gegessen haben – vom Feinsten !!! Das lässt das miese Essen von gestern locker vergessen….

Camino Portugues 2018 -Tag 8: O Porriño – Redondela (23 km)

Blick auf den Meeresarm bei Redondela

29. September 2018

Eigentlich wollte ich die Etappe heute mit Bruno laufen – aber dem war schon gestern beim Abendessen  heftig übel. Er hat dann die ganze Nacht über die Fische gefüttert und war heute Morgen völlig unfähig weiterzugehen. Ich hab dann noch meine Reiseapotheke geplündert – vielleicht schafft er es ja den Zug zu nehmen (13 Minuten Fahrt…. 5 Stunden zu Fuß…. ).
Nach den Asphalterfahrungen von gestern habe ich mir fest vorgenommen, heute kein Pflaster zu treten. Insofern habe ich wieder den Weg frei interpretiert und bin durch die Berge (na ja, bis 400m) gewandert: Nur Feld – und Forstwege, fast nur Schatten , der Lärm der Ebene nur gedämpft von weitem zu hören– und allein !!! Der Preis dafür waren fünf zusätzliche Kilometer und insgesamt 900 Höhenmeter …. Aber schön !

im Park de Risca – auf dem Privatcamino

Ich frage mich manchmal, wie die Wegführung des Camino zustande kommt: Warum immer diese für die Füße so anstrengenden Wege ? Man restauriert die Römerstraße (und damit den Camino ) und nimmt- Kopfsteinpflaster !!! Die Wegführung durch die Industriezonen statt am Bach entlang ? Hauptstraße statt Pfad am Fluss ? Vielleicht denken die Planer, dass zu einem Jakobspilger auch ein gehöriges Maß an Masochismus dazugehört – und dass dieser zu pflegen sei ! Ansonsten  kommen auch noch finanzielle Interessen in Frage – denn im Industriegebiet und an der Straße gibt es einfach mehr Bars und Geschäfte – und der Camino ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor…
Trotz meines Umwegs bin ich um 14.00 Uhr in der Herberge angekommen – tolles Albergue- in einem alten Palast aus dem 16.Jh untergebracht .. sehr nett ! Gerade sitze ich bei Ebbe an einem  engen Meesesarm hier in Redondela, ruhe mich aus und schreibe Blog. Vielleicht finde ich gleich (heute ist Samstag) noch eine Vorabendmesse, mal sehen.. .Und auch mal sehen, wer heute Nacht mit mir im Albergue übernachtet …. Immer wieder spannend !

Camino Portugues 2018 -Tag 7: Fontoura – O Porriño (32 km)

Blick zurück nach Portugal vom Dom in Tui aus

28. September 2018

Heute morgen wieder kurz vor Sonnenaufgang los : es ist bedeckt mit feinem Nebel, der als Niederschlag runterkommt (seit wann freu ich mich über so ein Wetter ?)So geht es zügig bis Valença, dem Grenzort auf portugiesischer Seite. Um den Ort stehen Befestigungsmauern im Stil Vaubans. Im Ort selbst gibt es nur Geschäfte mit Anziehsachen und Bettwäsche … Da haben sich die Preise innerhalb Europas doch noch nicht ganz angeglichen. 

über den Rio Miño

Ich wollte gerade weitergehen da höre ich „Susanne“. Da saßen in einem Café der Schweizer Hermes aus dem Hostel in Fontoura zusammen mit Bruno, dem Badener aus dem Schwarzwald . Wir sind dann zusammen über die Brücke über den Rio Minho (oder Rio Miño), der die Grenze bildet – heutzutage glücklicherweise ohne Kontrollen…. Die Kathedrale von Tui auf spanischer Seite ist zwar von außen genauso trutzig wie die Festung in Valença  – aber innen befinden sich ein sehr schöner Kreuzgang, Turm und Garten, so dass ich überhaupt nicht auf die Zeit geachtet habe. Es war schon fast 12 Uhr und die anderen waren schon längst weiter.

kurzweilige Wegbegleitung –
gerade das richtige, wenn man total k.o. ist…

Ich war noch nicht ganz aus Tui raus, da fiel mir ein, das ich ganz dringend einen Bankautomaten brauchte – die restlichen 2,50€ Bargeld reichen definitiv nicht für die nächste Übernachtung… In Tui hatte ich keinen gesehen – und außerdem : zurück ??? Nur  – vorwärts hieß, dass ich zu den 13 km vom Vormittag jetzt noch 16 km bis zur näçhsten Herberge hatte…. Und es war inzwischen sonnig und heiß, und der Weg war Asphalt und Pflaster. Da kamen mir drei Spanier und drei Italiener die laut und lustig auf Englisch palaverten gerade Recht… Ich hab mich von denen mitziehen lassen und auf einmal waren auch Bruno und Hermes wieder da. Irgendwie sind wir dann (mir tun die Füße bis zum Hals weh !) nach 32 km in O Porriño angekommen. In diesem an sich völlig uninteressanten Industrieort war Stadtfest mit Fahrradrennen und ganz viel los. Leckeres Abendessen und trotz unmittelbarer Nähe zur Autobahn gut geschlafen in einem kleinen privaten Hostel (ich hatte keine Lust auf das Geschnarche im Massenschlafsaal). Morgen geht’s ans Meer – Redondela , nur ganz kurze Etappe ( 17 km ) zum Ausruhen…

Camino Portugues 2018, Tag 6: Ponte de Lima – Fontoura (28 km)

bei Sonnenaufgang: Aufbruch in Ponte de Lima
bei Sonnenaufgang: Aufbruch in Ponte de Lima

27. September 2018

Portela Grande
435 m – am höchsten Punkt des des portugiesischen Weges

Nach kleinem Frühstück mit einem Franzosen, der ziemlich glücklich war, mal jemanden zu treffen, der nicht nur deutsch spricht, ging es dann – endlich !- über richtig schöne Wege Richtung Norden. Heute Morgen führte der Camino durch schattige Hohlwege, durch Weingärten, in denen der Wein wie in einer Laube über unseren Köpfen wuchs. Vorbei an Feigen- und Apfelbäumen… Hier gibt es noch ganz viel Landwirtschaft auf kleinen Obst- und Gemüsefeldern, die Dörfer scheinen bewohnt zu sein. Die Gegend ist wasserreich, ich sah trotz der Hitze keine vertrockneten Felder. Dann durch Pinien – und Eukalyptuswälder bis 435 m bergauf zum höchsten Punkt des (offiziellen ) portugiesischen Wegesund zur Belohnung frisches Wasser und ein toller Blick. 

zwei Frauen aus Israel und ihre Begeisterung für die Mengen an Wasser !

Da ich  die offizielle Herberge in Rubiaes schon um 12.30 erreicht hatte bin ich trotz der Hitze noch weitergelaufen – über eine alte Römerstraße, an malerischen Fischteichen vorbei bis zu einer kleinen, von Deutschen geführten Herberge, in der außer mir nur ein Schweizer mit dem ungewöhnlichen Namen ‚Hermes‘ übernachtet.

Warum muss dieser Weg über so viel Asphalt laufen? Vielleicht ist die Antwort eines Freundes richtig, der mir das damit erklärte, dass die Anlage von speziellen Wanderwegen ein teurer Luxus sei – und Portugal ein armes Land. Zu dieser These würde passen, dass hier ganz im Norden eben so wenig Geld da ist, dass die kleinen Wege eben noch nicht einmal asphaltiert sind….
Heute war ich hier im Dorf in der Abendmesse – rekordverdächtig: 18 Minuten !!! Warum sollte man die Antworten der Gemeinde auch vor dem Weitersprechen abwarten ? Das kostet nur Zeit…..
Morgen geht’s weiter nach Spanien !

Camino Portugues 2018, Tag 5: Porte de Tamel – Ponte de Lima (ca. 29 km)

römische Brücke in Ponte de Lima
römische Brücke in Ponte de Lima

26. September 2018

Heute sind fast alle aus der Herberge schon zwischen 6 und 7 losgewandert, um der Mittagshitze zu entgehen. Also ich auch… Aber da ich ziemlichen Horror vor dem ganzen Asphalt habe, bin ich in die Berge/ Hügel hoch gewandert (ca. 250 Höhenmeter) und habe auf diese Weise durch Eukalyptuswälder und Macchia die Asphaltpisten zumindest teilweise umgangen. Auf jeden Fall sind solche Wege besser geeignet für Gedanken über Gott und die Welt… .

Santuário  de Nossa Senhora da Aparecida
Santuário de Nossa Senhora da Aparecida

Mit mir um diese nachtschlafende Zeit aufgestanden sind auch 3 Spanier: eine Tochter (ca. 30 Jahre) mit ihren ca. 70 Jahre alten Eltern. Sie hat ihren Eltern diesen Camino, den die Eltern schon lange machen wollten geschenkt. Die Eltern sind als junge Leute als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen – sie im Frauen Schlafsaal – er bei den Männern. Dann auf einem Fest der spanischen Gemeinschaft … Heirat… Kinder… . Die Tochter in der 2. Generation ist dann  Architektin geworden – die Eltern haben nur sehr gebrochen deutsch gelernt. Und diese Familie hat ohne wirkliche Wandererfahrung die ganzen Etappen bis hierher total genial hingekriegt… die haben ein höheres Marschtempo als ich…

Blick auf Ponte de Lima

Kurz vor dem Eintritt ins Tal des Rio Lima habe ich dann den offiziellen Wanderweg wieder erreicht. Jetzt ging`s bei mörderischer Hitze die letzten 6 km zuletzt am Fluß entlang nach Ponte die Lima. Schöner kleiner Ort, ruhiger Fluß zum Baden und am Abend noch ein leckeres Abendessen mit Bruno- netter Kerl aus dem Schwarzwald, der versucht hat, viele ökologisch innovative Ideen in seinem Beruf als Metzger umzusetzen …spannend… .
Auf dem Weg fiel mir etwas auf: fast alle Kirchen und Kapellen sind zu.. wenn man viel Glück hat, kann man durch Gitterstäbe einen Blick erhaschen .. Klar, ich weiß- Schutz vor Diebstahl und Vandalismus…. Aber trotzdem : wem nützen Kirchen, wenn sie geschlossen sind ? Wie soll Kirche einen Platz im Leben der Menschen erhalten, wenn ihre Räume nicht zum Verweilen einladen? Und eine geschlossene Kirche wird auch Andersgläubigen keine Möglichkeit des neugierigen Kennenlernens bieten…
Aber, ich gebe es zu – nach 1 großen Bier uns fast 1/2 l jungem Wein bin ich eigentlich zu keinem intelligentem Gedanken mehr fähig……