🚶2017-2018: Rheinsteig

Der Rhein bei Remagen

Der Rheinsteig von Bonn nach Wiesbaden: mal weit in den Wäldern des Siebengebirges, dann wieder überraschende Aussichten auf den majestätischen Fluss. Verschiedenste Vegetationsebenen, Burgen und Burgruinen als beredte Zeugnisse der ehemaligen strategischen Bedeutung der Region. Zuletzt zwischen Bingen und Eberbach sanfte Hügel mit Weinbau und mittelalterlicher Klosterkultur … insgesamt eine unglaublich vielseitige und auch physisch ansprechende Wandertour !

 

 

Karte und Track der Wanderung

 

…mehr Infos zu Wegbeschaffenheit und Höhenprofil ?

Rheinsteig Tag 17: Schlangenbad – Wiesbaden -Biebrich (ca.22 km)

4. November 2018

Das Wetter heute beschreibt man am besten mit ‚Hochnebel‘- das sieht schon eher nach November aus, allerdings sind die Temperaturen nicht unangenehm: ein Pullover reicht aus.

am Gebück

Der Weg geht langsam Richtung Rhein – vor allem begab: wiederum durch Wälder, Weinberge – und führt dann an einer Grenzbefestigung entlang mit Namen ,,Gebück“: das war im Mittelalter eine dichte Hecke (Buchen, Dornen…), die die Außengrenze der Stadt befestigte. So etwas gibt es auch in Aachen – da heißt das „ Landwehrring“.

in den WEinbergen und Obstgärten

Die Weinberge und Obstgärten gehen hier übrigens bis an die Grenzen der Vororte – kaum Brachland, wie man es sonst am Eingang der Städte oft sieht: gibt es hier weniger Spekulation? Haben die Leute mehr Interesse als anderswo, ihre kleinen Gärten zu bewirtschaften?
Schon bald bin ich wieder am Rhein – die letzten Kilometer führen am Wasser entlang bis Schloss Biebrich, dann durch den Schlosspark und mit Zug und Fähre über Rüdesheim zurück nach Bingen.

Schloss Biebrich in Wiesbaden – Endpunkt des Rheinsteigs

Insgesamt waren das etwa 320 km tolle Wanderung. Eine super Streckenführung- oft über kleine Pfade und Wege – immer wieder mit phantastischen Ausblicken. Und als Sahnehäubchen die geniale Verkehrsanbindung – man kann jeweils ohne Problem mit dem Zug zum Ausgangspunkt zurückgelangen.
Ich wandere auch gerne in Italien, in Frankreich, in Spanien …… aber ich muss immer wieder sagen: Deutschland ist schön !

Rheinsteig Tag 16: Oestrich Winkel – Schlangenbad (26 km)

3. November 2018 

Zunächst mal ein ausgiebiges Frühstück mit Rheinblick und dann ging es los: bei strahlendem Sonnenschein und ohne Pullover zunächst am Rhein entlang und dann durch Weinberge und Laub- Mischwälder durch eine sanfte Hügellandschaft. Ich hatte nach der Karte erwartet, dass sich der Rheinsteig in diesen Tagen weiter vom Rhein entfernt und deswegen sogar überlegt, ob es sich lohnen würde, die letzten Tage bis Wiesbaden überhaupt zu wandern. Aber dieser Teil gehört definitiv doch dazu: ganz häufig kann man über die Hügel den Rhein sehen und der Weg durch die Weinberge ist zu dieser Jahreszeit überhaupt nicht langweilig: In allen Farben leuchtet das Weinlaub – vor allem wenn, wie heute, auch noch der blaue Himmel dazukommt….

Kloster Eberbach

Schon bald bin ich im (ehemaligen) Koster Eberbach, das vor Jahren die Kulisse zu dem Film „Der Name der Rose“ abgegeben hat.  Eine mittelalterliche Klosteranlage wie aus dem Bilderbuch… ein Kapitelsaal, der Kreuzgang …. Kein Wunder, dass ich erst nach 13.00 weitergekommen bin.Die Kapellen auf dem Weg sind geöffnet- keine Angst vor Vandalismus?  – auf dem Jakobsweg war das mit den offenen Türen meist anders…Nach einem herrlichen Weg komme ich nach Kiedrich mit einer komplett erhaltenen (und nicht barock umgewandelten) kleinen gotischen Kirche.

Kloster Eberbach

Leider kann man hier nur durch das mir aus Portugal und Spanien so wohl bekannte Gitter gucken – ich versuche dennoch einige Fotos. Dann komme ich im Kirchenvorraum mit einem älteren Mann ins Gespräch, der erzählt, dass er – als ehemaliger Kameramann beim ZDF- die Kirche filmen soll und gleich eine Führung dazu bekomme … ob ich mitkommen wolle?  Ich habe mich wahnsinnig geärgert, dass es schon 3 Uhr war und ich noch etwa 10 km bis zu meinem Hotel in Schlangenbad hatte  (ab  6 ist es stockfinster und der Weg geht durch den Wald…). Also leider keine Besichtigung…Schlangenbad ist ein total verschlafener Kurort mit dem Charme von anno dazumal. Das Beste war das Essen – der Koch hatte im Elsass gelernt und der Flammenkuchen schmeckte original französisch– elsässisch. Das Lokal war so voll, dass ich zu anderen Leuten an den Tisch gesetzt wurde: die stellten sich auch als Wanderer des Rheinsteiges heraus und kamen darüber hinaus noch aus Gelsenkirchen – Gesprächsthemen gerettet…. Heute ist bei dem phantastischen Herbstwetter die Kamera heiß gelaufen – deswegen diese Bilderflut…

Rheinsteig Tag 15: Rüdesheim – Oestrich Winkel (20 km)

2. November 2018

Es hat lange gedauert, bis ich Zeit für die letzten Etappen des Rheinsteigs gefunden habe. Denn die Anreise ist inzwischen so weit, dass ich jetzt den Rest (ca.60 km) an einem Stück gehen möchte. Natürlich bin ich mal wieder zu spät los, habe dann 2, 5 Stunden bis Bingen gebraucht, keinen Parkplatz gefunden und auf die Fähre nach Rüdesheim gewartet: Im Ergebnis bin ich erst um 2 Uhr los…. . Heute ist hervorragendes Wanderwetter – zwar keine Sonne aber ganz mild – ungewöhnlich für Anfang November.

Hildegardisschrein in Eibingen

Trotz der fortgeschrittenen Zeit für die Wanderung wollte ich trotzdem nicht über den Rheinsteig rennen und mir Zeit zum Besichtigen nehmen. Da war zunächst die Pfarrkirche in Eibingen mit dem Hildegardisschrein (mit den Reliquien von Hildegard von Bingen) – auf den Ruinen des 1803 aufgehobenen und später abgebrannen Klosters erbaut. Das sieht schon etwas strange aus: eine Architektur der 30 er Jahre und darin ein goldener Reliquienschrein auf der Altarempore und eingewickelte Knochen (deutlich als Oberarme erkenntlich) unter Glas in einer Vitrine im Seitenschiff….

Franziskusgarten in Marienthal

Nach wenigen Kilometern bin ich dann nach Marienthal gekommen: dort ist – ähnlich wie es hier in Moresnet war – ein Marienwallfahrtsort mit Franziskanerkloster. Im weiteren noch ein total fotogenes Schloss (Schloss Vollrads) in der Dämmerung. Da muss man echt aufpassen: Die Sonne geht schon um 17.00 unter und um 18.00 ist es stockfinster!

Zum Nachmittag hin habe ich dann über Booking ein kleines Hotel in Oesrtich -Winkel am Rhein gebucht und – falsche Reihenfolge – -dann erst meine Freunde Peter und Nadya auf der anderen Rheinseite angerufen, um mit ihnen ein Treffen zum Abendessen auszumachen. Leider fuhr die letzte Fähre aber schon um 21.00, so dass Peter mich über Wiesbaden , also ca. 1 Stunde Fahrt – wieder zum Hotel bringen musste. Wär‘ schon einfacher gewesen, wenn ich bei denen übernachtet hätte …. So hat Peter ein großes Bier bei mir gut….

Rheinsteig Tag 14: Assmannshausen – Rüdesheim (ca.15 km)

Kloster St Odilienberg – Kloster in der Nachfolge Hildgard von Bingens

30. März 2018

Heute Morgen – Karfreitag – breche ich zu meiner zunächst letzten Etappe auf dem Rheinsteig auf. Wieder zeigt sich das Wetter deutlich besser als der Wetterbericht. Kalt, aber nur wenige Wolken… .

Blick zurück auf Assmannshausen

Zunächst geht’s durch den Wald langsam hoch Richtung Jagdschloss Niederwald. Das wurde Ende des 18. Jahrhunderts zusammen mit einem durchkomponierten Landschaftspark als romantische Wildnis angelegt: mit einer Zauberhöhle, einer nachgebauten Burgruine mit Blick auf die Lahnmündung und den Mäuseturm bei Bingen, einem römischen Tempel u.s.w. – Phantasialand lässt grüßen… .
Aber die meisten Leute – und heute treffe ich viele davon (wohl auch, weil zwei Seilbahnen den mühseligen Aufstieg von gut 200 Höhenmetern etwas vereinfachen..) – sind auf dem Weg zum Niederwalddenkmal. Im ersten Moment denke ich: uff, dass das bisher keiner gesprengt hat! Zu sehen sind Germania, die Wacht am Rhein, heldenhafte bayrische und preußische Truppen in wehrhafter Standhaftigkeit geeint gegenüber dem Feind, der Erzengel Michael, das Schwert schwingend….. und in der Mitte Kaiser Wilhelm, als großer Kaiser des Deutschen Volkes (alles großgeschrieben – vielleicht hätte ich Majuskeln wählen sollen?).

Niederwalddenkmal

Aber so einfach ist das mal wieder nicht. Die erklärenden Tafeln beschreiben, dass der Text der „Wacht am Rhein“ auf dem Denkmal entschärft war: nicht gegen die „Welschen“, sondern gegen einen allgemeinen Feind sollte sich das geeinte Deutschland wehren. Und Germania (so ähnlich zu sehen wie die „Marianne“ in Frankreich oder „Victoria“ in England) blickt nach Osten – auf ihr eigenes Land und also nicht feindselig nach Westen…. also eher ein Aufruf zur inneren Einheit als zum Krieg …. Von da aus wandere ich noch die letzten Kilometer zum Kloster Sankt Odilienberg (ein Kloster, dass von Hildegard von Bingen gegründet wurde ,wie so viele andere auch in dieser Gegend). Der Bau entstand allerdings zu Beginn des 20. Jahrhunderts – und die Ausmalung erinnert an Jugendstil und Odilon Redon. Ungewöhnlich. Leider ist außer der Kirche dort heute alles geschlossen – schade.

Jugenstil im Kloster Sankt Odilienberg

So gehe ich nach kurzer Zeit nach Rüdesheim weiter, werfe einen Blick in die Drosselgasse (ich glaube, ich habe nichts verpasst, mich dort nicht länger aufgehalten zu haben) und dann mit dem Zug zurück nach Lahnstein. Auch heute wieder nur sehr wenige Fernwanderer (insgesamt vielleicht sechs oder sieben im Laufe der letzten Tage), etwas mehr Tageswanderer und vor allem heute am Feiertag viele Spaziergänger. Ich finde die Jahreszeit für den Rheinsteig eigentlich hervorragend- aber trotz der Osterferien haben die meisten anderen das offensichtlich noch nicht bemerkt. Nach Rüdesheim gehen die nächsten Etappen über 60 km durch den Taunus und dann führt der Weg nur noch einmal ganz kurz in Wiesbaden zum Rhein zurück. An sich ist der eigentliche „Rheinsteig“ also hier zu Ende. Ich weiß deswegen auch noch nicht, ob ich den nächsten Abschnitt noch laufen werde. Wenn nicht – bis dahin war es ein unglaublich schöner Weg- absolut empfehlenswert – mit und ohne Hund.

Rheinsteig Tag 13: Kaub- Assmannshausen (ca. 25 km)

Burg Pfalzgrafenstein
Burg Pfalzgrafenstein

28.März 2017

Heute Morgen scheint die Sonne! Gutes Frühstück in der JH, dann nehme ich zunächst eine kleine Abkürzung: ich schenke mir 3 km Weg an alten Bergwerken vorbei und steige langsam am Hang hoch zum Rheinsteig. Der Vorteil – dauernd geniale Blicke – vor allem auf die Rheininsel mit der Pfalzgrafenburg (gefühlte 1000 Photos, die ich nachher erstmal zum größten Teil löschen muss). Der Weg heute ist weitaus einfacher als gestern – fast nur Forstwege und kleine Fahrstraßen durch die Weinberge. Nur zweimal etwas steilere, steinige Passagen und immer mehr als hervorragend mit Stahlseilen gesichert. Aber ich bin nicht so böse über den leichteren Weg: eigentlich sollten es 28 km werden – warum mein Navi am Ende 25 zählt, weiß ich nicht – wird aber schon stimmen.

Freistaat Flachenhals
Freistaat Flaschenhals
Freistaat Flaschenhals
Freistaat Flachenhals bei Lorch

nach dem 1. Wk bis 1923 hatten die Siegermächte neben der linksrheinischen Besatzung noch zusätzlich rechtsrheinische Brückenköpfe (in Köln, Koblenz, Mainz). Das dazwischenliegende Gebiet gehörte zwar offiziell zum Deutschen Reich, war aber faktisch von allen Verkehrsverbindungen abgeschnitten und auf Schmuggel angewiesen: „Freistaat Flaschenhals“

Für mich ist die Länge der Etappen ganz okay: ich bin immer so ca. 7 Stunden unterwegs, 6 Stunden Gehzeit – einschließlich Pausen so 3.5 km/ Stunde. Aber in jedem Hotel oder auch in der JH heißt es, dass das „unheimlich viel“ sei, und ich ja „nur so über den Weg hetzen würde ohne was zu sehen“. Kann ich nicht nachvollziehen: ich habe immer Zeit zu gucken, in eine Kirche reinzugehen, ein Schild mit Erklärungen zu lesen… vor allem mit Mira waren Museen allerdings per se tabu ….

Bacharach
Bacharach

Heute auf dem Weg denke ich noch mal über ein Gespräch von gestern mit Nadya nach: sie arbeitet in der Familienberatung der Caritas und beschreibt, dass viele, die zu ihr zur Beratung kommen, unzufrieden und überfordert seien: die Kinder machen Probleme, Scheidung, gesundheitliche Schwierigkeiten, Jobverlust… . Aber ist es denn wirklich nur ein gelungenes Leben, wenn alles so wie in den amerikanischen Soap- Operas wie am Schnürchen läuft, passt und gelingt? Ist es nicht vielmehr ganz normal, dauernd zu kämpfen und mit tausend Schwierigkeiten konfrontiert zu werden? Und ist es nicht eher ein gelungenes Leben, wenn wir es schaffen, diese Schwierigkeiten einigermaßen respektierlich – und vielleicht sogar mit einer Prise Gottvertrauen – zu meistern? Nadya erzählte mir von einer Übung, eine Murmel in eine Hosentasche zu stecken und diese bei jedem  positiven Gedanken oder schönen Moment im Laufe des Tage in die andere Hosentasche wechseln zu lassen. Man würde sich wundern, wie oft an einem normalen Tag die Kugel die Seite wechsele….

Assmannhausen
Assmannhausen

In Assmannshausen habe ich ein kleines einfaches Hotel genommen, das ich heute Morgen telefonisch vorbestellt hatte (ich habe einfach keine Lust mehr, abends zu zittern, ob ich noch ein Zimmer kriege). Ich gucke zunächst auf Booking nach den Preisen und rufe dann persönlich an, damit die Leute die Provision nicht zu zahlen brauchen. Scheint mir fairer. Mein Problem: es gibt im Ort meist auch Privatzimmer, die ich gerne nehmen würde- nur finde ich die in keiner Liste. Echt doof.

Heute ist Gründonnerstag. An sich wäre ich gerne in die Messe gegangen, aber hier im Ort gibt es keine mehr und ohne Auto komme ich nicht die 10 km nach Geisenheim. So ist das eben jetzt. Morgen werde ich dann über das Niederwalddenkmal nach Rüdesheim wandern und dann zurück nach Kelmis fahren.

Rheinsteig Tag 12: Wellmich- Kaub (ca. 26 km)

Loreley
Blick auf die Loreley

28. März 2018

Eine Eroberung der Burg hätte sich nicht sehr kompliziert gestaltet…

Um 9.30 habe ich mich mit Nadya verabredet: 4,5 km in 1 Stunde bis zum Bahnhof in Goarshausen sind doch kein Problem ??? Jaaaaa,.… nur habe ich nicht die 200 Höhenmeter bei dem Weg über die Burg Maus bedacht … Also musste Nadya eine halbe Stunde warten, bis wir dann gemeinsam zur Burg Katz und danach zur Loreley hochstiefeln konnten. Wie auch gestern – eine Aussicht ist schöner als die vorhergehende – der Fotoapparat läuft heiß…. Und dazwischen immer wieder Gespräche zu tausend spannenden Themen – halt zu „Gott und der Welt“. Da war es dann nur halb so schlimm, dass es 1 ½ Stunden vor Kaub angefangen hat zu regnen, so dass wir wie nasse Waschlappen in Plastikfolie (ähmm – Goretex) in der Jugendherberge in Kaub ankamen und ziemlich froh waren, dort heiße Schokolade mit leckerem Kuchen zu bekommen. Und auch ziemlich froh, auf den nassen, glitschigen Schieferplatten auf dem Höhenweg nicht ernsthaft ausgerutscht zu sein…..

immer noch nicht so ganz trocken (hinter den Ohren)

Die Jugendherberge ist spitze: direkt am Rhein, Einzelzimmer mit Blick auf den Fluss, richtig leckeres Menü zum Abendessen und nachher originelle Cocktails…. so kann JH sein ! Morgen kommt noch mal eine richtig lange Etappe bis Assmannshausen bei Rüdesheim- wenn das Wetter mitspielt.

Blick aus meinem Zimmerfenster in der JH

Nachtrag:
ich möchte keinesfalls dort im Rheintal wohnen: auch wenn die Schallisolierung das Beste vom Besten ist, und man so keine ohrenbetäubende Geräuschkulisse hat: beim Öffnen der Fenster ist der nächtliche Lärm unerträglich: Züge von beiden Rheinufern, Bundesstraße, Schiffe … . Aber am schlimmsten ist ein auch ohne Lärm im Brustkorb spürbares Vibrieren vor der Durchfahrt jedes Zuges – auch bei geschlossenen Fenstern. Ich hab schon mal besser geschlafen….

Rheinsteig Tag 11: Osterspai- Wellmich (ca. 25km)

27. März 2018

Die feindlichen Brüder: Die Burgen Sterrenberg und Liebenstein


Nach leckerem Frühstücksbuffet (manchmal hat ein besseres Hotel auch seine Vorteile) wandere ich in der Sonne auf Wegen, die dem Rheinsteig alle Ehre machen: auf halber Höhe, da wo früher Weinstöcke und Obstgärten waren und sich heute Buschwald ausbreitet, und manchmal auch einige Meter höher durch niedrige, geduckte Steineichenwälder, zwischen denen die Schieferfelsen hervortreten.

Tolle Ausblicke den ganzen Vormittag über. Zwischendurch der Blick auf die beiden Burgen „die feindlichen Brüder“: die eine aus dunklem Stein, die andere weiß getüncht  – als ob man an die Photographen des 19. Jahrhunderts gedacht hätte….
Heute Vormittag – so wie immer, wenn ich nicht gerade zu spät meinen Wecker stelle – habe ich die Website des „ Te deum“ von Maria Laach gelesen: Der Impuls dort ging mir den ganzen Tag nicht aus dem Kopf: Sabine Rückert, Herausgeberin der „ Zeit“ wird dort zitiert:
„Jedes Jahr fordert die Figur des Jesus den einzelnen Zuhörer der Passionserzählungen auf, sich zu fragen: Gibt es eine Überzeugung, für die ich mein Leben riskieren würde? Und die Figur des Judas fragt ihn: Welche Überzeugung würdest du verraten? Hast du überhaupt eine, die es wert ist, verraten zu werden?“
Schwierige Fragen : vielleicht die Familie? die Heimat? (eher nicht: die Nation), Freiheit? mein christlicher Glaube ??? – Ich bin mir bei keinem sicher.
Und verraten? Das ist ein großes Wort. Vor allem denke ich, dass sich nicht die Frage stellt, meine Überzeugungen (religiöse, aber auch andere…) en bloc zu verraten. Ich denke eher, dass diese Stück für Stück arrodiert werden – und zum Schluss nichts mehr übrig ist, was ich verraten könnte…

Puuh- und dabei ist der Weg heute besonders schön. Und bei jedem dieser phantastischen Ausblicke stelle ich wieder fest, wie glücklich ich bin, hier sein zu können.

Gasthof zm Saustall

Der Übernachtungsort für heute stellt mich vor ein Problem . Auf der nächsten Etappe müsste ich mangels weiterer Schlafmöglichkeiten bis Kaub kommen, und dazu sollte ich eigentlich bis St Goarshausen wandern – und das ist definitiv zu weit. Mit viel Glück und Internet finde ich in Wellmich-  5 km weniger! – den „ Saustall“ : einen urigen Gasthof (nicht: Kneipe !!!, wie mich die Inhaberin berichtigt). Dieser wird von einer sehr netten Wirtin geführt –  einem absolut rheinischen Original – die mir beim Abendessen, das sie trotz geschlossenem Restaurant extra für mich gekocht hat, Gesellschaft leistet. Toller Abend! Morgen kommt meine Freundin Nadya nach St. Goarshausen und wir wandern eine Etappe gemeinsam. Ich freu mich schon !!!

Rheinsteig Tag 10: Lahnstein – Osterspai (ca. 23 km)

Osterspai
Osterspai

26. März 2018

Da das Wetteramt zumindest keinen Dauerregen meldet, habe ich mir für die Karwoche wieder ein paar Etappen des Rheinsteigs vorgenommen. Und wie immer schaffe ich es nicht, früh loszuwandern. Allerdings wird auch die Anfahrt immer länger: inzwischen brauche ich fast 2.5 Stunden bis zum Ausgangspunkt. Und der liegt heute ihn Lahnstein. Von dort geht es zunächst auf die Höhe Richtung Kurkliniken – vorbei an dem sagenhaft hässlichen Hotelmonstrum der letzten Etappe – und dann bei warmem Frühlingswetter immer wieder mit Ausblicken auf den Rhein weiter. Schon bald kommt eine imposante Burg in den Blick – die Marksburg.

Marksburg
Marksburg

Heute bin ich fast alleine – normalerweise soll es da von Japanern und Chinesen aber nur so wimmeln. Flussfahrt auf dem Rhein – mit dem Bus hochgekarrt , 5 Fotos (oder mehr) und wieder aufs Schiff. Europareise. Mein Reisestil ist da etwas gemütlicher – oder zumindest langsamer. Gerade sehe ich Schafe mit dickem Winterfell …. Vor einem Jahr musste ich dabei noch  ganz wachsam werden und auf Mira, meinen Schafhund aufpassen, der immer runde Augen bei so einem Anblick bekam. Tief schlucken, vorbei.

Osterspai

Etwas spät – so gegen 18.00 bin ich dann in Osterspai . Gebucht habe ich nicht – auf Booking hätte ich aber ein Hotel im Ort buchen können. Ich gucke schön blöd, als gerade dieses Hotel geschlossen hat. Eine Passantin erklärt, dass es dort einen Trauerfall gegeben habe… aber es gebe ja genug Fremdenzimmer. Wo ? Jaaaaaa… . Überall, wo „ Zimmer frei“ steht und ich schelle, gibt es eine gute Erklärung warum es gerade nicht geht . Und so gehe ich in das „ gehobene“ Hotel im Ort – im Endeffekt doch nicht so teuer, ordentliches Essen und beim Abendessen Blick auf den Rhein. So muss ein Tag auf dem Rheinsteig enden!

Rheinsteig Tag 9: Lahnstein auf der Höhe – Lahnstein (ca. 10 km)

Blick aus der 12. Etage des Hotels in Lahnstein auf der Höhe ins Rheintal mit Burg Stiolzenfels

28. Januar 2018

Ich bin so fürchterlich schlecht in Form, dass ich heute sogar Muskelkater und Blasen (!) habe. Die langen Spaziergänge mit Mira mehrmals pro Woche fehlen mir wirklich. Wie sagte gestern eine Frau mit Hund, die ich unterwegs getroffen habe: „Ja, ja, die Leute sagen immer, sie würden auch ohne Hund rausgehen – aber wenn’s dann wirklich mieses Wetter ist, bleiben sie doch alle zu Hause…“. Wie recht sie hat…

nochmal: das Hotel

Haute ist es zwar bedeckt, aber überhaupt nicht kalt – der Blick von meinem Balkon in der 12. Etage auf die Lahn und die Lahnberge inspiriert und motiviert mich, so dass ich dann nach einem ausgiebigen, reichhaltigen Frühstücksbuffet in bester Laune den Rheinsteig in entgegengesetzter Richtung gewandert bin – das Hotel lag doch deutlich südlich der Stadt.

blühende Erlen im Januar!

Wer dieses Hotel da oben auf dem Berg mit einer Höhe von 14 Etagen geplant hat, den sollte man … Es ist zwar nur Teil des Ensembles einer Reihe von Kurkliniken – jedoch ungemein dominant – typisch 70er Jahre-Stil – und von innen einfach in die Jahre gekommen.

Schon gegen Mittag zurück in Lahnstein finde ich eine günstige Busverbindung zurück nach Vallendar und bin schon am Nachmittag wieder in Kelmis, so dass mir noch genügend Zeit für den Rest der Hausarbeiten (und das Schreiben des Blogs) bleibt …

So geht mein Weg langsam zur Lahn hinunter und dann durch die Ruppertschlucht in einem großen Bogen wieder nach Lahnstein zurück. In der Tourismus –Broschüre wird der Weg durch die Klamm als „fast alpine Kletterei“ beschrieben – na ja, die Seilsicherungen waren nicht zwingend nötig, bei dem Hochwasser und den insofern ziemlich glitschigen Steinen aber sehr angenehm.