Eifelsteig Tag 4: Von Einruhr nach Schleiden (ca. 31 km)

Vogelsang
Vogelsang

30. Mai 2019

Für 2 – 3 Tage an Christi Himmelfahrt habe ich mir mal wieder den Eifelsteig vorgenommen. Auch wenn ich noch nicht so sehr weit gekommen bin, sehe ich doch jetzt schon, dass die Planung eine deutlich größere logistische Herausforderung ist, als das beim Rheinsteig der Fall war. Ohne langfristige Buchung bekomme ich einfach keine Unterkünfte unter 80€ (und was will ich mit ’nem DZ ? ). Und Wochen im Voraus buchen finde ich doof. Außerdem ist es eine Herausforderung, zum Ausgangspunkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzukehren. Also habe ich mal wieder mein Zelt eingepackt, habe mir (Christi Himmelfahrt ist Feiertag) eine Messe in der Nähe des Ausgangspunkts in Einruhr rausgesucht (war spirituell nicht so berauschend) und bin dann kurz vor 10.00 losgewandert.  

Ginster
Ginster

Zunächst verlief der Weg in der Nähe der Urfttalsperre nicht weit vom Ufer entfernt. Vor 2 Monaten war ich in Schottland: ich fühlte mich heftig an den Loch Lomond erinnert – nur jetzt hier mit erheblich weniger Menschen. Auch die Ginsterbüsche oben auf der Drimborner Hochfläche habe ich schon sehr ähnlich vor 2 Monaten in den Highlands fotografiert.   Aber definitiv anders war dann der weitere Verlauf der Wanderung: der Weg führt durch den Nationalpark, der nach Abzug der Belgier (als Folge der Wiedervereinigung und der daraus folgenden deutschen Souveränität) gegründet wurde.   Zunächst zu dem ehemaligen Dorf Wollseifen, das 1946 evakuiert wurde und dann als militärischer Truppenübungs- uns Schießplatz gebraucht wurde. Die Schautafeln zeigen eindrücklich die Folgen für die dann heimatlosen Dorfbewohner, die im Allgemeinen noch nicht mal auf die Solidarität der Bauern in den Nachbardörfern zählen konnten …..  

Blick auf Burg Vogelsang
Blick auf Burg Vogelsang

Und danach zur ehemaligen Ordensburg der Nationalsozialisten, Burg Vogelsang, die diese imposante Anlage zur Ausbildung ihres Führungsnachwuchses erbaut hatten – später als belgische Kaserne weiter ausgebaut und genutzt. Ich kann mir bei den überlebensgroßen Figuren, die immer noch als Plastiken zu sehen sind, gut vorstellen, dass ein Jugendlicher sich problemlos mit diesem Ideal des jungen, schönen und starken Menschen identifizieren konnte – vor allem, wenn die Erziehung keine anderen klaren religiösen oder politischen Ideale dagegen gesetzt hatte..  Es war schon 14.00, als ich mich an die restlichen 15- 16 km machte. In Gemünd dann zunächst mal eine leckeres Spaghetti- Eis – und danach wollte ich einfach nur noch ankommen…. Ich hatte auf der Karte einen Zeltplatz in Schleiden gesehen- aber die ca. 9 km durch den Wald fand ich deutlich zu weit: deswegen habe ich Radwege und alte, noch nicht demontierte Bahntrassen genutzt, um schon nach 1.5 Stunden und ca. 6 Kilometern um 18.15 auf meinem Campingplatz in Schleiden anzukommen.   Dann Dusche und leckeres griechisches Essen: jetzt ist die Welt wieder in Ordnung…..

Eifelsteig Tag 3: Monschau- Einruhr (ca. 21 km)

an der Rur
an der Rur

6.März 2019

Burgleben vor 500 Jahren war definitiv anstrengend: wir haben heute im Bergfried geschlafen- einem schnuckeligen 2- Bettzimmer mit Tonnengewölbe und meterdicken Mauern. Wir hatten eine Heizung – die Menschen im Mittelalter hatten die zumindest im Schlafraum eher nicht – und trotzdem kroch eine fiese Kälte aus den Mauern…. Romantik pur …. Mit freundlichen Tipps des Herbergsvaters zum weiteren Weg ausgestattet – er hat uns empfohlen, wegen ausgeprägter Wald- und Baumfällarbeiten im Perlenbachtal diesen Weg zu meiden –sind wir dann direkt an der Rur weitergelaufen und haben die Etappe so um 4 km verkürzt. Wiederum haben wir echtes Glück mit dem Wetter – kein Regen- milde Temperaturen so um die 10 Grad, hohe Wolken… Der Fernblick zeigt zwar noch braun- graue Wälder ohne Grün, aber im Nahen lassen sich doch schon große Büschel von Schneeglöckchen und vereinzelte vorwitzige Narzissen erkennen. Und die Meisen zwitschern! Zu zweit ist so ein Wanderweg eindeutig kurzweiliger – die Zeit vergeht mit Gesprächen über Gott und die Welt wie im Flug – vielleicht erlebe ich allerdings die Natur etwas weniger intensiv, als wenn ich allein wandere und dieses ziellose Schweifen der Gedanken gelingt mir mit einem Wanderpartner natürlich auch nicht. Ich denke, eine gute Mischung aus Etappen alleine und mit Freunden ist eine gute Lösung. In den letzten Tagen hat es mit jedenfalls mächtig Spaß gemacht, Resi die Gegend, die ich ja aus vielen Tagestouren gut kenne, nahezubringen. Gegen 15.00 sind wir dann in Einruhr angekommen –noch ein ausgesprochen guter Kuchen (Frischkäse – Kirschtorte) in einem Café und dann mit dem Bus zurück nach Aachen. Das waren die ersten drei Etappen des Eifelsteigs – mit Lust auf mehr !

Eifelsteig Tag 2: Roetgen-Monschau (ca. 25 km)

im Venn

5.März 2019

im Venn
im Venn

Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem zunächst skeptischen Blick nach draußen – uff, kein Regen – habe ich dann zunächst einen Weg abseits des normalen Eifelsteigs gewählt. Die Gegend um Roetgen kenne ich von diversen Touren mit Mira sehr gut und habe eine wildromantische Variante am Wasser entlang zum Venn ausgesucht – mit dem unschlagbaren Vorteil, dass diese fast nicht über Asphalt führte. Dann ging es am Reinartzhof vorbei über halb verfallene Bohlenwege quer übers Kutenhartvenn zum Getzbach.

JH Burg Monschau
Burg Monschau

Auch wenn es hier oben auf dem Venn noch kalt ist (ich schätze es so auf ca 5 Grad ) blühen die Schneeglöckchen schon und die Meisten zwitschern. Und auch ohne Grün sind die Farben des Venns beeindruckend: ein Strohgelb des alten Venngrases zusammen mit dem Rostrot des letztjährigen Farnkrauts. Und dahinter Baumstämme in braun- grün und weiß : Fotomotive pur !

Langsam ging’s dann an Hainbuchenhecken vorbei abwärts durch Mützenich nach Monschau. Ich hatte die Übernachtung in der JH in der Burg Monschau organisiert. Offensichtlich sind wir fast die einzigen, die eine Eifelsteig- Wanderung zu dieser Jahreszeit für eine gute Idee halten: auf jeden Fall sind wir fast die einzigen Gäste. Der Ort Monschau ist immer wieder eine Besuch wert- viele pittoreske Fachwerkhäuser, an jeder Ecke ein tolles Fotomotiv… Aber zum Wohnen scheint der Ort weniger attraktiv zu sein: viele Wohnungen in den oberen Etagen der Häuser scheinen unbewohnt, sehr viel Häuser warten auf die dringende Renovierung und auch die Immobilienhändler haben mehr als ein Objekt in der Innenstadt im Angebot.

in Monschau - der Marktplatz
in Monschau – der Marktplatz

Der Nachmittagskaffee im Café Kaulard war eine Wucht – ich habe Apfelstrudel mit Vanilleis gewählt – aber es ist mir wiederum nicht gelungen, ein auch nur halbwegs ordentliches Restaurant zum Abendessen zu finden- ich bin fürs nächste Mal für jeden guten Tipp dankbar ! – unsere Pfannenkuchen waren jedenfalls ziemlich grenzwertig… eine Lupe hätte vielleicht geholfen ….

Morgen geht’s dann weiter zum Rursee. Mal sehen, ob das Wetter weiterhin mitspielt!

Eifelsteig Tag 1 : Aachen – Roetgen (ca. 25 km)

Im Struffelt bei Roetgen

4.März.2019

Aachener Dom
Aachener Dom

Die letzten Tage über war ich mir überhaupt nicht sicher, ob die Wanderung auf dem Eifelsteig wirklich wie geplant stattfinden würde. Der Wetterbericht hatte Regen und Sturm für den Rosenmontag, unseren ersten Wandertag, gemeldet, so dass sogar die Rede davon war, die Rosenmontagszüge in Aachen und Köln abzusagen.

Die Wölfin im Dom
Die Wölfin, die der Sage nach als erste in den fertiggestellten Dom lief
und deren Seele der Teufel an Stelle der Seele des ersten menschlichen Dombesuchers erhielt –
was den so gelinkten Teufel
natütlich furchtbar wütend machte….

Doch dann hat Resi ein Machtwort gesprochen: wir wandern! Resi kenne ich von meinen Touren mit dem Bremer Alpenverein (o.k., das ist ein Paradoxon, genau wie der Begriff des „Flachlandtirolers“. Nur, das täuscht: die wandern echt gut und kennen sich super in den Bergen aus …). Doch zurück zu unserer Wanderung. Nachdem ich schon beim Brötchenholen klatschnass war, stieg meine Skepsis….
Doch pünktlich um 9.00 hörte der Regen auf und wir fuhren mit Auto und Bus zum Aachener Dom – ich finde, dass dieser Ort der würdige Startpunkt unserer Wanderung von Aachen nach Trier ist.  Phantastisch – wir waren (mit Ausnahme der Wachmannschaft) alleine da- kein Mensch kommt am Rosenmontag auf die Idee, sich den Dom zu anzugucken !! Nach ausgiebiger Besichtigung ging’s dann über Burtscheid durchs Gillesbachtal auf dem Pilgerweg nach Kornelimünster. Dort haben wir uns dann bei leckerer Suppe und Limo den zweiten Platzregen des Tages von innen angeschaut. Dann konnten wir – inzwischen hatte der stürmische Wind die Wolken weggetrieben –  bei fast blauem Himmel über schöne Waldwege und teilweise Moorstege nach Roetgen laufen. Dort hatte ich schon ein Zimmer in den Thermen gebucht und so haben wir nach kurzer Erholung dann die Saunawelt genossen. Gibt es Schöneres für müde Muskeln? Zum Abschluss unserer ersten Etappe dann noch ein lukullisches Menü – und die Vorfreude auf unsere morgige Tour übers Venn.

🚶2019: Eifelsteig

Der Eifelsteig: von Aachen nach Trier über den Premiumwanderweg –
das heißt wandern mit wenig Asphalt.
Im Vorfrühling übers Venn -zu Beginn des Sommers auf den Spuren der Römerzeit, im Hochsommer über die sanften Hügel der Hocheifel und weiter zu den Maaren, den Zeugen des vulkanischen Ursprungs der Eifel.
Im Herbst zum Abschluss dann durch die dünn besiedelte Südeifel zur Mosel.

Den Blog schreibe ich meist während der Tour : abends, wenn ich aufs Essen warte, vor dem Einschlafen oder nachmittafs auf der Hütte. Blogs gibt’s also meist dann, wenn ich solo unterwegs bin. Manchmal ist das Netz so schlecht, dass ich den Blogtext nur in Word schreiben kann und auf einen der nächsten Abende mit besserem Internet warte – manchmal schaffe ich es aber sogar, die Bilder auch schon zeitnah hochzuladen. Auf jeden Fall liefert der Blog die aktuellsten Impressionen- es ist eben das Reisetagebuch

Die Powerpoint erstelle ich später zu Hause: da suche ich die Hintergrundinfos zu den besuchten Orten heraus, erkläre Zusammenhänge und Details und stelle meine Fotos zusammen. Die Quelle zu den Texten bilden dabei Bücher, Wikipedia, Infos der Touristenbüros aber auch andere Internetseiten. Vor allem aber versuche ich mit etwas Animation die Bilderfolge interessanter zu gestalten

Die Diashow ist im Pinzip die abgespeckte Variante der Powerpoint. Vor allem gedacht für einen kurzen Überblick. Auch wenn ihr den Download der Powerpoint scheut oder keinen Viewer habt, kommt dieser Weg infrage.

Karte und Track der Radtour

…mehr Infos zu Wegbeschaffenheit und Höhenprofil ?

Nachtrag – oder was hat der Hl. Antonius damit zu tun?

Wochen später:

Es ist nicht immer einfach zu entscheiden, welche Begegnungen ich im Blog beschreibe und welche ich weglassen kann. Die folgende hättte ich vielleicht doch erwähnen sollen….
Auf  der Rückfahrt mit Bus und Bahn von Etsaut über Pau nach Toulouse wurde ich beim Einsteigen in Etsaut schon freundlich begrüßt …. das waren ja Michelle und Phillipe, die ich im Réfuge d’Arlet kennengelernt hatte und denen ich brühwarm von meinem Missgeschick mit meinen verlorenen Anziehsachen erzählt hatte. Die beiden mussten  wegen einer schießwütigen Hexe (also akuten Rückenschmerzen) ihre Tour unterbrechen, wollten aber am Ende der Ferien ihre Zeltausrüstung vom Refuge d’Arlet wieder abholen – und zwar über den Weg, den auch ich hochgewandert bin.
Ohne ernsthfte Hoffnung habe ich den beiden meine Vermutung erzählt, dass ich die Sachen wohl bei einer Picknickrast verloren haben muss,  meine Rastplätze auf dem Weg erklärt und meine E- Mailadresse mitgeteilt.

Und dann hat mich nach meiner Rückkehr nach Hause der tägliche Wahnsinn schnell wieder eingeholt….

… bis eine Mail ankam, mit dem Inhalt, dass die beiden meinen Beutel gefunden hatten: sie hatten einen Schäfer auf dem Weg gefragt und der hatte die Sachen gesehen und aufbewahrt. Noch eine Woche später ist dann ein kleines Paket in der Praxis angekommen….

.. und jetzt befindet sich eine Dose mit Aachener Printen auf dem Weg nach Südfrankreich…

Das ist schon etwas starker Tobak für einen reinen Zufall…. Vielleicht sollte ich doch mal dem Antonius eine Kerze stiften ?

 

10. Tag: Rückflug nach Charleroi

Japanischer Garten in Toulouse
Japanischer Garten in Toulouse

Mittwoch, 21. August 2019

Ohne Wecker bin ich erst gegen 8.00 wach geworden, habe mich langsam aus dem Bett gewälzt und  bin dann ohne Frühstück Richtung Innenstadt marschiert. Ich denke, dass das Frühstück an den Markthallen immer besser sein wird als in einem Formule1 (oder, wie es heute heißt: Ibis Budget). Zunächst habe ich dort Käse gekauft – ich glaube, meine Lust an den leckeren Käsesorten hat auch dem Verkäufer Spaß gemacht, und er hat mir immer weitere präsentiert, die meinem Geschmack entsprechen könnten …. Mmmmh! Danach kleines Frühstück in einem Straßencafé und dann ging leider nach einem viel zu kurzen Spaziergang durch den botanischen Garten schon mein Bus zum Flughafen.  Dort bin ich eigentlich gut pünktlich angekommen – nur war der Zugang zum Abflugschalter von der Polizei gesperrt: ein „Objekt ohne Besitzer“ – also Bombenalarm. Wir durften erst wieder weiter, nachdem der Koffer gesprengt worden war … (Wenn sowas mit meinem verlorenen Wäschebeutel passiert wäre ….?). Auf diese  Weise bin ich dann natürlich wieder mit einstündiger Verspätung in Charleroi und demzufolge auch in Kelmis angekommen. 

Fazit: Tolle Pyrenäenwanderung- mit unheimlichen Glück beim Wetter – eine Wiederholung oder Weiterführung ist überhaupt nicht ausgeschlossen !

9.Tag: Etsaut- Toulouse

Toulouse
Toulouse

Dienstag, 20. August 2019

Heute fällt mir der Abschied nicht schwer: es regnet, die Wolken hängen bis auf die Füße – und auch weiter oben soll das Wetter nicht wirklich besser sein. Da trifft es sich gut, dass der Bus schon um 9.00  talwärts führt. Es ist die Linie, die die auf französischer Seite aufgegebene Bahnlinie zwischen Canfranc und Bedous ersetzt. Man kann die alten Tunnel und Gleisstrecken noch gut erkennen – das gäbe einen phantastischen Bahntrassenradweg! Dann weiter mit dem Zug über Pau und  Oloron nach Toulouse, wo ich in der Nähe des Bahnhofs ein Zimmer gebucht habe.

St Sernin
St Sernin

Auf zu Besichtigung und Stadtbummel. Ich mag Toulouse mit seinen Ziegelbauten ( die Werbung spricht von der „ville rose“). So schlendere ich zunächst zur Basilika St Sernin – eine aufgrund ihrer Ausmaße ziemlich ungewöhnliche und beeindruckende romanische Kirche- ich glaube die größte, die ich je gesehen habe. Es war einer der wesentlichsten Wallfahrtsorte um die Jahrtausendwende: Hier war die Reliquiensammelwut des Mittelalters besonders ausgeprägt: zwar hat die französische Revolution  nicht viel davon  übrig gelassen – aber selbst jetzt bin ich bei meiner Zählung noch auf Reliquien von 15 Heiligen, darunter von sechs Aposteln und eine Kreuzreliquie gekommen. Mit durchaus komfortablen Selbstbewusstsein steht auf einer Inschrift am Chorumfang, sinngemäß, dass es nicht nötig sei, noch woanders hin zu pilgern, da hier schon alles Wesentliche vorhanden sei…. . Danach bin ich bei der Gebäudefarbe – ziegelrot – geblieben, habe mich aber dem weltlichen Stolz von Toulouse zugewandt : dem Capitol. Die Repräsentationsräume im Rathaus  waren dem Publikum zugänglich und ich konnte die Monumentalgemälde aus dem 19. Jh. bewundern, die ähnlich wie im Aachener Rathaus die (erweiterte) Stadtgeschichte beschreiben. 

launig dargebotene Infos zum Thema „pilgern“- richtig interessant !

Zum Abschluss des Nachmittags noch zur ehemaligen Jakobinerkirche mit einem launigen Vortrag zum Pilgern im Mittelalter. Hier in dem Kreuzgang hätte ich gerne noch mehr Zeit verbracht – aber leider wurde schon  um 18.00 geschlossen. Schade.

Abendessen beim Tausendfüßler oder 1001 Nudel – oder Nacht?

Wie sucht man ein Restaurant in einer fremden Stadt ? In diesem Fall gefiel mir das Wortspiel : es war ein Nudelrestaurant mit dem Namen 1001Pates….. Und gut gegessen habe ich auch…. Morgen Mittag  ist der Rückflug angesagt. Etwas traurig bin ich schon – ich hätte mich noch etwas länger in Toulouse aufhalten können…

8.Tag: Refuge d’Arlet – Canfranc Estacion- Etsaut: 26 km, 900m+, 1700m-

Am Col d’Arlet

Montag, 19.August 2019

Zunächst war ich heute Morgen angenehm überrascht: Wolken – aber kein Nebel und auch kein Regen. Also spricht nach Rücksprache mit der Hüttenwirtin nichts gegen den auf der Karte des Smartphones eingezeichneten Track über den Col d‘ Arlet auf die spanische Seite. Keine Wegmarkierungen?  Das sei kein Problem: der Weg sei gut zu erkennen und genügend Steinmännchen… .

Blick zurück aufs Refuge d’Arlet

Alles ist relativ…. Ich habe ziemlich häufig meinen Weg mit dem Track auf dem GPS abgleichen müssen, um nicht irgendwo am Endes eines Ziegenpfads zu landen. Das erhöht nicht gerade die Geschwindigkeit. Hinzu kommt, dass der Blick auf das Tal im Abfluss des ehemaligen Gletschers mit dem mäandernden Verlauf des Rio Aragon (Humedal des Aguas Tuertas) einfach unglaublich schön ist. Im Hintergrund in Ocker und Zinnober geschichtete Berge vervollständigen das Bild, das meine Kamera heißlaufen ließ.

Blick ins Tals des Rio Aragon: Humedal des Aguas Tuertas

Nach dem Abstieg ging der Weg in dem etwas sumpfigen Flusstal weiter und traf dann auf den GR 11, die spanische Variante des Pyrenäen- längsweges – auf französischer Seite ist es der GR 10, auf dem Kamm die HRP. Langsam wurde das Wetter schlechter und Nebel zog auf. Aber die rot- weiße Markierung stimmt gut mit dem Track und der Karte überein – alles richtig.  Bis auf einmal Karte, Track und Realität nicht mehr übereinstimmen: die Markierung verläuft über eine Passhöhe, die Karte und Track nicht kennen. Was tun ? Ich entscheide mich, der Karte und dem GPS zu folgen und nur noch eine lokale Markierung mit spärlichen grün– gelben Wegzeichen zu haben. An sich wäre das ein toller Weg oberhalb eines Bergsees – aber im Nebel kann ich den See leider nur erahnen. 

wie in einem Zauberwald !
… so stelle ich mir Merlins La Brécoliande vor….

Heute ist es eine lange Etappe – und ich hatte gedacht, dass sie einfach sei, da an sich der Weg ohne steile Passagen ins Tal führt. Aber es ist halt ein Bergweg: viel Geröll, immer kleine An- und Abstiege an den Bergflanken entlang – anstrengend. Und dann komme ich in einen alten Buchenwald, der im Nebel wie der Wald Merlins erscheint (aber das war doch in der Bretagne und nicht hier ?). Hinter jedem Baum, in jedem Felsen scheinen sich Elfen und Zauberer zu verstecken. Unglaublich schön. Da habe ich wieder genug Kraft für den Rest des Abstiegs getankt, der dann – Kontrast ! – in das furchtbar hässliche Skigebiet von Candanchu führt. Architektur der 70er Jahre, die jetzt schon halb baufällig ist. Jetzt im Sommer ist alles leer und geschlossen und viele Appartements stehen zum Verkauf.

Mein Ziel heute ist Canfranc Estacion. Bis dahin geht der Weg über den Jakobsweg, der mal wieder in der Nähe der Hauptstraße, teils über die alte Passstraße verläuft mit einigen tollen Blicken in die Schlucht des Rio Aragon. Ich hatte mich auf den Bahnhof in Canfranc gefreut: dieser als internationaler Knotenpunkt mit 20 Gleisen und einem 100m langen Empfangsgebäude im Jugendstil gebaute Bahnhof, der nach Stilllegung der Strecke auf französischer Seite seit 30 Jahren nur noch von drei Zügen aus Zaragoza angefahren wird und langsam zerfällt – ich wollte unbedingt ein paar Fotos machen… Leider war alles abgesperrt, alle Fenster fehlten, eine große Baustelle: der Bahnhof wird zur Zeit als Denkmal restauriert. 

Estacion Canfranc

Da passte es gut, dass gerade ein Bus Richtung Etsaut kam, wo ich meinen vergessenen Beutel mit meinen Anziehsachen abholen wollte. Wieder ein Bus für 2€… . Als die Wirtin mir freudestrahlend den Beutel mit der  Kleidung geben wollte, war ich allerdings mächtig enttäuscht : es war nicht meiner…. Ich muss die Sachen also irgendwo auf der Wanderung beim Picknick verloren haben. Ich war derartig bedient, dass ich keine Lust hatte, für die Fotos nach Canfranc zurückzufahren. Ich hab das Hostel storniert und bin wieder bei  Schweinebraten, Crudités und Fritten im Gite in Etsaut geblieben. FRUST !  Morgen soll’s regnen- passend zur Rückreise…..

7. Tag: Etsaut- Refuge d’Arlet (2003m): 16 km, 1600m+/ 150m-

Refuge d’Arlet

Sonntag, 18.August 2019

Heute habe ich das Frühstück um 7.00 gewählt. Zum einen wegen der Länge des Weges , aber vor allem, weil heute Nachmittag Gewitter oder zumindest Regen angesagt ist. Also  habe ich im Halbdunkel meine Sachen gepackt und bin dann direkt nach dem Frühstück um 7.45 los. Heute war Markt in Etsaut und es ist mir gelungen,  noch 2 Tomaten zu kaufen, obwohl die Marktstände noch gar nicht aufgebaut waren.

bergan im Vallée d’Aspe

Dann zunächst auf dem GR 10 nach Westen und nach dem ersten Anstieg über einen alten Maultierpfad auf halber Höhe ins Val d’Aspe.  Es rächt sich natürlich, dass ich gestern bis auf 600 m ins Tal abgestiegen bin: heute habe ich deswegen 1600 Höhenmeter Anstieg bei ca. 16 km Weglänge, um wieder auf der Hohe der HRP (Haute  Route des Pyrenées) zu landen.  Heute ist es echt heiß und man spürt den Wetterumschwung. Glücklicherweise führt der Weg  (meist) mit nur leichtem Anstieg im Schatten langsam das Tal hoch. Mein Liter Wasser reicht dabei allerdings überhaupt nicht, so dass ich mich aus dem Bach bediene. Da Kühe und Schafe noch weiter oberhalb weiden- und wahrscheinlich nicht nur weiden …, muss ich diese leckeren Silberionen in Tablettenform zusätzlich einwerfen. Pures Bergwasser schmeckt deutlich besser – aber was tut man nicht alles, um der Rache Montezumas zu entgehen ? 

mein Badesee: Lac d’Arlet

Ich bin wirklich besser in Form als in den ersten Tagen : schon um 13.30 bin ich auf der Hütte angekommen. Insgesamt sind hier viel weniger Leute  (sowohl auf dem Weg als auch im Refuge). Mir sind höchstens drei oder vier Wanderer begegnet und hier stehen nur 2 Zelte in der Nähe des Sees. Und auch beim Essen geht es weitaus entspannter zu – vor allem sind die Portionen größer…. . Beim Auspacken dann die Mega – Überraschung – es ist eben keine gute Idee im Halbdunkel ohne Stirnlampe den Rucksack zu packen. Mein Beutel mit allen Kleidungsstücken ist wahrscheinlich unten im Gite in Etsaut geblieben. Sch….. . Im Refuge hat man für mich unten angerufen, dass ich die Sachen auf dem Rückweg abholen kann – aber bis übermorgen stinke ich also zart vor mich hin – es sei denn, ich will den Schlafanzug zum Abendessen tragen oder ich finde noch Parfumreste im Rucksack… Ich habe heute mal wieder die Option „See“ statt der nicht vorhandenen Dusche gewählt – die Alternative wäre wieder der öffentliche Wasserhahn vor der Hütte gewesen. Allerdings diesmal ohne Badeanzug – der ist im  Wäschesack.

langsam zieht Nebel auf….

Abendessen wieder wie üblich am langen Tisch : diesmal mit einem Paar aus dem Tarn und einem perfekt französisch sprechenden Engländer, die alle auf der HRP unterwegs sind. Von  beiden habe ich tolle Wandertipps für die nächsten Ferien bekommen.  Die HRP scheint übrigens nicht unbedingt schwieriger als der GR 10 (in Frankreich) und der GR 11 (in Spanien) zu sein. Und da die meisten Wege hier spärlich bis gar nicht markiert sind, fallen die fehlenden Wanderzeichen bei der HRP auch nicht ins Gewicht. Bleibt das Problem der fehlenden Hütten… Dann muss man es eben so machen wie ich und den Weg nach den Hütten und nicht nach dem Namen des Weges planen. Morgen ist der letzte Wandertag: Wenn ich Pech habe (der Wetterbericht sagt das zumindest), gibt das einen Wandertag im Nebel bzw. im Regen…aber manchmal täuschen die sich ja auch – die Hoffnung stirbt zuletzt…. Zur Zeit herrscht allerdings dichter Nebel….