zu Beginn des Lockdowns: voller Erstaunen, dass man wirklich das Leben einer ganzen Gesellschaft auf Eis legen kann – und dass das dem Frühling völlig egal ist ….
Sonntag, 15.3.2020
Was machen wir hier eigentlich?
Hier in Belgien haben die so gut wie alles dicht gemacht: Cafés, Restaurants und fast alle Geschäfte sind geschlossen und man darf sich nur noch mit einer Person (natürlich mit dem nötigen Sicherheitsabstand!) draußen aufhalten..
Aber – wer sagt, dass alleine wandern verboten ist? Sport zu treiben ist sogar explizit gestattet !
Also habe ich mir für diesen Sonntag die Tour von Verviers die Weser flussabwärts Richtung Lüttich vorgenommen. Der Weg folgt dem GR 573 , den ich auch schon im Januar auf einem Teil der Strecke zwischen Eupen und Verviers gewandert bin.
Ich stelle das Auto in Verviers am Bahnhof ab- ist schon ziemlich komisch, wie wenig hier los ist …
Auch auf dem Weg nach Süden aus der Stadt raus treffe ich kaum Menschen – und ich habe das Gefühl (– oder spinne ich einfach nur?) , dass die Leute komisch gucken und die Straßenseite wechseln… – wenn überhaupt jemand da ist. Und eine so leere Autobahn habe ich seit der Ölkrise 1973 auch nicht mehr gesehen…
Das kann doch nicht wahr sei, wegen eines Virus das Leben der ganzen Gesellschaft einzufrieren. Das kann sich doch kein Staat leisten. Und das soll verhältnismäßig sein? Ich bin völlig perplex – total komisch.
Weiter geht es an den Hängen der Weser entlang: vorbei an Ensival und Pepinster. Die ersten Fühlingsboten sind da, Schneeglöckchen, Anemonen und der Boden ist bedeckt mit Bärlauch! Dabei ist schön warmes Frühlingswetter – ideal zum Wandern : wieso komme (fast) nur ich auf den Gedanken – hier kann man sich doch wirklich nirgendwo anstecken ?!
Jetzt ist es nicht mehr weit nach Nessonvaux: hier werde ich den Zug zurück nach Verviers nehmen – denn sonst habe ich 2 Stunden Wartezeit am Bahnhof gebucht – und das ist ohne die Möglichkeit, ein Café aufzusuchen , nicht wirklich attraktiv….
bei EnsivalLockdown: Straßen wie in der Ölkrise …von Ensival : Blick zurück auf VerviersBlick auf Pepinstertypischer Feldweg im WesertalAnemonenFrühblüher en masse !Bärlauch en massezwischenBahnbrücke mit St Monon in GoffontaineTunnel bei Pont en Vaux bei Nessonvaux 1841… und zurück nach Verviers !
Bei herrlichem Winterwetter über die Wiesen nach Verviers
30.12.2019
im Dezember…
Ich habe im Herbst 2019 den Eifelsteig beendet und suche eine neue Herausforderung. So bin ich zunächst auf die vage Idee einer Belgienwanderung gekommen. Und heute ist das Wetter so phantastisch, dass es eine Schande wäre zu Hause zu sitzen: also mit dem Auto nach Eupen und dann die Weser entlang über den Heckenweg. Ich habe diese Tour schon mal im Sommer versucht und bin da an die Grenzen des Weges gestoßen: geplant ist der Heckenweg als weitgehend verkehrsfreie Variante über die alten Pfade von Dorf zu Dorf quer über Kuhwiesen und -weiden. Aber was tun, wenn sich Kühe auf der Weide nicht mehr rechnen und Mais besser bezahlt wird? Dann stehe ich auf einmal vor einem Maisfeld (und Maispflanzen sind ziemlich hoch und dicht) …. Keine Ahnung, wo’s da weitergeht!
das Tor zum ?..
aber das sind die weißen Tore des Heckenwegs …
Insofern ist es Ende Dezember definitiv besser. Zunächst geht der Weg parallel zum GR 573 Richtung Membach quer über die Wiese: Ein- und Ausstiege sind durch weiße Tore gut zu erkennen und mein Fotoapparat ist ununterbrochen in Aktion – dadurch komm ich nicht unbedingt schneller vorwärts. Nach Membach wähle ich dann den besser markierten GR, wandere nach Goé und kann bald schon Limbourg mit der imposanten Kirche auf der Höhe ausmachen. An Limbourg gehe ich diesmal vorbei – die Bilder davon, die für mich definitiv zu einer Belgienwanderung dazugehören, stammen von einem der letzten Besuche. Südlich von Limbourg habe ich mich schon einige Male verlaufen: ich fand es immer ziemlich ungewöhnlich, dass der Weg Richtung Verviers nach Süden umschwankt und bin mit meinem Dickkopf auf dem Weg nach Westen immer an der Nationalstraße gelandet. Diesmal benutze ich intensiv meine Wanderapp, (Locus Map mit verbesserten OSM – Karten als Download), so dass ich den Schlenker nach Süden akzeptiere und über Hèvremont weiterwandere. Jetzt stimmt der Weg. Langsam wird es kühl und die Sonne sinkt, so dass mir die letzten Kilometer über kleine kaum befahrene Asphaltsträßchen nicht ungelegen kommen. Von Stembert aus – dass doch noch einige Kilometer vom Zentrum von Verviers entfernt ist, könnte ich den Bus nehmen – aber glücklicherweise will Andrea aus Lüttich kommend gerade nach Hause fahren und nimmt den Umweg über Stembert und zurück zu meinem Auto in Eupen in Kauf.
NB: Diesen Text und auch den nächsten Eintrag habe ich erst im Herbst 2020 geschrieben und nach dem ereignisreichen Jahr i2020 st das so ein Problem mit den Erinnerungen – sie gehen immer durch den Filter des gerade Erlebten. Insofern habe ich zwar versucht, mich bei dieser und der nächsten Etappe in meine Gefühlswelt vom Frühjahr diesen Jahres hineinzuversetzen – aber ob das geklappt hat ???
Blick auf Membachauf den Wiesen bei EupenBlumen Ende Dezember auf dem Feld …MembachHohlweg nach GoéBlick auf Goéla Vesdre – Die WeserBlick auf Limbourgder Hauptplatz in LimbourgSt Georg und der DrachenkampfEis !Sonnenspiele,,,Blick von Hèvremont auf WelkenraedtKirche in Stembert
Über kleine Wege und Pfade – fast immer abseits vom Verkehr an den Relikten des Bergbaus vorbei nach Eupen
Sonntag, 4.10.2020
Wieder Sonntagmittag und Zeit für die nächste Etappe der „Entdeckungsreise durch Belgien“. Das fühlt sich hier immer noch komisch an – denn so nah bei zu Hause ist es schwierig, die Welt mit den Augen und durch die Fotolinse eines Touristen zu sehen. Aber einen Versuch ist es wert!
Hauptgebäude der VM
Kelmis war ja ein Dorf, das seine Daseinsberechtigung den ungewöhnlich reichhaltigen Zinkvorkommen verdankte. Die Bergwerksgesellschaft, die mehr als 100 Jahre den Ort dominierte und die Vorkommen ausbeutete war die „Vieille Montagne “. Die Spuren und Relikte dieser Geschichte sind bei jedem Spaziergang im Ort immer noch allgegenwärtig.
So komme ich zu Beginn der Wanderung zum Casinoweiher: hier wurde im 19.Jh das Wasser für die Wäsche der Galmeierze aufgestaut. Die daneben liegende Abraumhalde ist heute Naturschutzgebiet. Dort wachsen zB. Galmeiveilchen, die sich besonders gut an das Leben auf den mit Schwermetallen belasteten Böden angepasst haben. Von hier aus auch der Blick auf das ehemalige Hauptgebäude der Vieille Montagne (VM) – seit kurzem Museum zur Geschichte des hiesigen Bergbaus.
Emmaburg
Wenige Schritte weiter bin ich an der Eyneburg (Emmaburg). Die Sage berichtet von einer Liaison der Tochter Karls des Großen, die sich auf der Burg zugetragen haben soll. Historisch belegt ist die Burg seit dem 13. Jahrhundert: nach diversen Zestörungen Ende des 19. Jahhunderts von einem Tuchfabrikanten wieder aufgebaut. Vor ca. 15 Jahren kaufte eine kleine Gruppe von passionierten Mittelalterfreaks die Burg und versuchte dort Mittelalter- Festivals zu etablieren- leider vergeblich, so dass die Burg jetzt wieder geschlossen ist und langsam zerfällt.
am Walhorner Kreuz
Den Weg nach Eupen suche ich so aus, dass ich kaum Asphalt treten muss – und das gelingt meistens: durch Waldstücke und zwischen den Feldern wandernd komme ich immer wieder an den Resten des Bergbaus und der Eisenindustrie vorbei: in Lontzen an dem alten Bleibergwerk der V.M., in Rabotrath am alten Tagebau aus dem 15. Jahrhundert. Dann noch der Weg über den Hügel am Walhorner Kreuz mit weitem Blick auf die Landmarke des Wasserturms in Henri- Chapelle und den Aachener Fernsehturm und dann über eine alten Wiesenweg am Favrunbach entlang von Kettenis nach Eupen. Die alten Wege mit dem Gewohnheitsrecht zum Durchgang dürfen von den Besitzern der Wiesen in Belgien eigentlich nicht gesperrt werden – aber man kann die Zugänge natürlich so schlecht pflegen, dass die Wege nahezu unpassierbar werden : so geschieht es gerade kurz vor dem Ortseingang von Eupen. Mies. Na ja, jetzt bin ich fast in Eupen, sehe schon die Nikolauskirche und brauche nur kurz auf den Bus zurück nach Kelmis zu warten . Einziges Problem – ich muss schwarz fahren, da durch Corona keine Fahrkarten im und vor dem Bus verkauft werden und Spontanfahrer auch online keine Möglichkeit zum Kauf haben. Schlechter Scherz ? Na ja, das Problem werde ich dann für die nächsten Etappen in den Ardennen versuchen zu lösen…
Casinoweiherhimter der EmmaburgKastanienim Waldam Lontzener BachHauptgebäude der Gießerei in Lontzender ehemalige Tagebau Rabotrath 15. Jhin Rabotrathder Weiher in Rabotrathdie Phalanx der WächterBlick auf Kettenisder Weg kurz vor Eupen
am ersten Tag der Belgientour durch bekanntes Gelände: an der Grenze entlang durch den Aachener Wald und später vorbei an der Emmaburg nach Kelmis
Sonntag, 26.September 2020
Aussichtsturm am Dreiländereck
Heute Morgen starte ich also die Belgientour. Paul fährt mich zum Dreiländereck und dann bin ich –völlig ungewollt –schon mitten im dicksten Touristentrubel. Wenn ich mir nicht explizit vorgenommen hätte, von wesentlichen Punkten der Tour aktuelle Fotos zu machen, hätte ich sofort das Weite gesucht … so habe ich vorher noch den geeigneten Moment abgepasst, um auf den Auslöser zu drücken, ohne den Menschenauflauf mitabzulichten. Dann an der deutsch belgischen Grenze entlang: immer wieder kommen mir alte Bilder der Gegend ins Gedächtnis: aktuell geht ein Wanderweg geradewegs über ein Feld: am Ein – und Ausgang je ein ausgelatschtes Drehtor. Ich erinnere mich aber auch noch an meinen ersten Besuch vor etwa 30 Jahren: ein Schild, dass der Grenzübertritt verboten sei, ein Zaun, ein Trampelfad um dieses Feld herum, das wie eine halbe Enklave nach Belgien hineinreicht: und auf der anderen Seite wieder so ein Verbotsschild … . Wie gut, dass sowas ein Ende hat – und wie verstörend, als dieser Zirkus im März und April mit dem Lockdown wieder begann…. Der Weg folgt weiter dem Grenzverlauf, vorbei an einem alten Grenzstein mit dem Aachener Reichsadler, der im Verlauf des Aachener Landwehrrings stand: dieser Landwehrring war eine meterdicke Buchenhecke, mit Dornen versetzt, die die äußeren Grenzen der freien Reichsstadt sicherte. Eine ähnliche Hecke ist mir auf dem Rheinsteig begegnet: dort umgab sie als „Gebück“ die Außengrenze des Rheingaus. Dann treffe ich auf den Pilgerweg nach Moresnet: ja, heute ist der Weg als Jakobsweg ausgeschildert, aber ursprünglich ging die Wallfahrt zu dem Mariengnadenbild in Moresnet Chapelle, von dem seit Beginn des 19. Jahrhunderts wundersame Heilungen berichtet werden.
Die Grenze lässt mich nicht los: es geht durch Bildchen, das nach dem 2.Wk wieder belgisch wurde – der Grenzwechsel erfolgt seit 200 Jahren regelmäßig mit jedem Krieg… Erst nach massiven Protesten der Bewohner kam die Siedlung im Rahmen der europäischen Völkerverständigung im Jahre 1958 erneut zu Deutschland .
Bahnklingel
Bahnübergang mit Klingel
Hier findet sich noch ein ungewöhnliches Grenzrelikt – eine Bahnklingel: da die Bewohner des (belgischen) Grünthal bis vor ca. 15 Jahren einen mächtigen Umweg fahren mussten, um auf die Nationalstraße nach Aachen und Lüttich zu gelangen, gab es an der Bahn (und gleichzeitg an der Grenze zu Bildchen) eine Klingel mit Gegensprechanlage zur Öffnung der Bahnschranke. Da dieser Weg immer noch viel kürzer ist als der über die neue belgische Brücke, existiert die Klingel immer noch…
Eigentlich wollte ich ja heute bis Eupen wandern, aber da ich erst gegen Mittag losgelaufen bin, habe ich schon nach gut der Hälfte des Weges den Rückweg nach Kelmis angetreten, bin noch am Oskarstollen (der noch aus der Zeit des hiesigen Blei- und Zinkbergbaus stammt) und an der kleinen Rochuskapelle aus dem 17. Jahrhundert vorbeigelaufen, bevor ich wieder zu Hause angekommen bin. Wie gesagt – meine Belgientour beginnt mit einem Heimspiel !
DreiländereckBlick auf AachenEnklave – der GrenzverlaufGrenzstein Aachener WaldBlick zum DreiländereckMaskenball im PreuswaldKuh and moreEmmaburgOskarstollenGalmeiveilchenRochuskapelle
Auslandsurlaub in Corona-Zeiten ist schwierig: also die beste Gelegenheit, das mir bislang unbekannte Belgien zu entdecken. Ich wurde dabei wirklich nicht enttäuscht: schöne Dörfer, sanfte Hügel, weite Wälder und naturbelassene Flüsse in tief eingeschnittenen Tälern
Den Blog schreibe ich meist während der Tour : abends, wenn ich aufs Essen warte, vor dem Einschlafen oder nachmittags auf der Hütte. Blogs gibt’s also meist dann, wenn ich solo unterwegs bin. Manchmal ist das Netz so schlecht, dass ich den Blogtext nur in Word schreiben kann und auf einen der nächsten Abende mit besserem Internet warte – manchmal schaffe ich es aber sogar, die Bilder auch schon zeitnah hochzuladen. Auf jeden Fall liefert der Blog die aktuellsten Impressionen- es ist eben das Reisetagebuch
Die Powerpoint erstelle ich, wenn ich wieder zu Hause bin und viel Muße habe: da suche ich die Hintergrundinfos zu den besuchten Orten heraus, erkläre Zusammenhänge und Details und stelle meine Fotos zusammen. Die Quelle zu den Texten bilden dabei Bücher, Wikipedia, Infos der Touristenbüros aber auch andere Internetseiten. Vor allem aber versuche ich mit etwas Animation die Bilderfolge interessanter zu gestalten
Die Diashow ist im Pinzip die abgespeckte Variante der Powerpoint. Vor allem gedacht für einen kurzen Überblick. Auch wenn ihr den Download der Powerpoint scheut oder keinen Viewer habt, kommt dieser Weg infrage
Gegen 8.00 verlasse ich das sehr angenehme Zimmer in Steinheim: das ist eins von diesen modernen Fremdenzimmern, bei denen man eine Mehrzimmerwohnung umgebaut hat und an Tagesgäste vermietet. Der Zugang erfolgt mit Code, es gibt Küche und Gemeinschaftsbad, bei Problemen ist der Vermieter per Handy erreichbar. Schwierig für mich ist nur, dass auf diese Weise jede Art der Kommunikation ausfällt … .
Auf dem Weg dann Frühstück in einer Bäckerei: das ist, da die Frühstücksbuffets Corona- bedingt abgeschafft sind, immer eine gute Alternative.
Grafittis am alten Mainhafen
Ich hatte befürchtet, dass der Weg an Frankfurt vorbei durch das Maintal zugebaut und hässlich sei – das ist zumindest im Osten der Metropole nicht der Fall: der Weg führt durch Wiesen, am Fluss entlang, sehr romantisch. Und plötzlich: die Skyline der Wolkenkratzer von Frankfurt. Beeindruckend. Wenn man näherkommt, kann man erkennen, dass die Stadt auch im Mittelalter erhebliche Bedeutung hatte: aber die an sich mächtigen Kirchtürme erscheinen winzig neben den Zeichen moderner Machtfülle. So wählt sich eben jede Epoche ihre eigenen Götter ….
leckere Pflaumen
Nach Frankfurt hätte ich die Karte genauer studieren sollen: dann hätte ich vorher gesehen, dass sich der Mainradweg ab jetzt durch alle nur möglichen Industriegebiete schlängelt: allen voran Hoechst- Sanofi, dann aber auch eine Menge anderer kleinerer Fabriken und Einkaufsmeilen. Etwas nervig. Jedoch finde ich Leckeres für mein körperliches Wohl: Brombeeren an der alten Mauer eines Fabrikgeländes, und dann liegen auf dem Weg haufenweise Pflaumen unter einem Baum: lecker süß ! Ich sammle für die Mittagspause. Fragt jemand: ‚was issen das ?‘- ‚Pflaumen !‘ – ‚Sehen aber komisch aus…‘. ‚Schmecken aber super…‘ -‚ nee, lieber nicht’… .
St. Stephan: Glasfenster von Marc Chagall
Der Weg selbst wird erst wieder schön ab der Mainmündung kurz vor Mainz- Kastel und schon bald fahre ich über die Rheinbrücke zur Besichtigung von Mainz. Der Kontrast der leicht und fast verspielt wirkenden Bürgerhäuser der Stadt am Rhein mit den umliegenden Weinbergen im Vergleich zu den hessischen Städten der letzten Tage ist frappierend. Ich besichtige den Dom, dessen wuchtige Romanik ich beeindruckend finde, wenn mich auch die barocke Innenausstattung wieder überhaupt nicht anspricht. Zeitgeist?
Umso mehr faszinierend sind die von Chagall gestalteten Fenster der Kirche St Stephan: die persönliche Bekanntschaft des damaligen Pfarrers mit dem Künstler hat zu diesen wahnsinnig schönen Fenstern geführt.
Um zu meinen Freunden in dem kleinen Weinort Großwinternheim zu kommen, nehme ich den direkten Weg, 17 km, über den kräftigen Anstieg am Lerchenberg (statt der 35 km am Rhein entlang). Ich glaube, der Weg war für mich keinesfalls schneller…. . Am Abend dann leckeres Essen mit Spundkäse, Backofenkartoffeln und Gemüse in Kombination mit netten Unterhaltungen. Ein gutes Ende meiner Tour durch die Mitte Deutschlands.
Morgen geht’s dann mit dem Zug nach Hause – Nadya und Peter fahren erst zum Abend ins Rheinland.
Fazit:
1. Es fährt sich deutlich angenehmer von West nach Ost.
2. Zu behaupten, dass durch Corona deutsche Urlaubsgebiete überfüllt seien, wäre eine absolute Verkehrung der Tatschen- nie war es einfacher, Unterkünfte kurzfristig zu bekommen
3. Noch nie habe ich so wenig Menschen auf einer Tour kennengelernt wie diesmal . Corona ?
4. Hessen und das angrenzende Thüringen sind unbedingt eine Reise wert.
5. Die Bahntrassenwege in Hessen sind genial!
Schloss Philippsruh
Vögel am Mainufer…
… und in den Wiesen
Barockstatue
je größer die Götter desto höher die Tempel
wie genial ist es, sich von den Früchten des Landes ernähren zu können !
Nein, der Wetterbericht hat sich nicht getäuscht. Beim Aufwachen höre ich den Regen auf die Zeltplane prasseln – was mir dann definitiv jede Lust am Aufstehen nimmt. Ich kuschele mich in meinen Schlafsack, lese etwas, döse rum – es hilft alles nichts: der Regen wird nicht weniger. Also Aufstehen, Satteltaschen packen, Zelt abbauen – ich fange jetzt schon an nass zu werden. Dann versuche ich ein ausführliches Frühstück in einer Bäckerei am Ort – es hilft alles nichts- es regnet weiter ! Also dann: In Goretex eingepackt fahre ich die Bahntrasse weiter – glücklicherweise mit deutlich weniger Wind und meist bergab. Langsam ändert sich die Landschaft, das Tal wird weiter – der Regen bleibt. Trotzdem schaue ich mir mir Ortenberg an, bewundere die Fachwerkhäuser und radele dann langsam weiter.
Ortenberg
Zeitweise kreuzt meine Route interessante Wanderwege: den Bonifatiusweg, den Jakobsweg. Inzwischen ist Feuchtigkeit in meinem Fotoapparat, das Smartphone (GPS) streikt und ich bin trotz Goretex bis auf die Haut nass. Ich konnte, bis gar nichts Elektronisches mehr funktionierte, gerade noch ein B&B bei Hanau buchen. Dann hatte ich aber erhebliche Mühe, mich so ohne Karte durch die Stadt durchzuschlagen, um das Haus überhaupt zu finden. Aber die Unterkunft ist gut und das indische Abendessen auch. Morgen geht’s dann Main und Rhein entlang zu Nadya.
es hört einfach nicht auf : das ist definitiv das erste Mal, dass ich stundenlang ununterbrochen durch Regen fahre !
Storche scheinen Regen zu mögen !
Ortenberg
hungrige Mäuler … und zwar ziemlich große und ziemliche viele
… die gestopft werden müssen!
Weinbergschnecken fühlen sich bei dem Regen pudelwohl….
irgendwann war ich einfach nur noch überall nass selbst Goretex ist nicht wasserdicht…
Katholische Kirche Glauburg -Stockheim St. Judas Thaddäus – Art Déco pur !
Das Jüngste Gericht
glücklich, angekommen zu sein: in meinem Airbnb in Steinbach – die schöne Seite ….
Heute Morgen bin ich nach einem leckeren Frühstück in einer Bäckerei zunächst die Fulda flussabwärts geradelt. Der Radweg heißt „Fuldaradweg“ – ganz wichtig – nicht: Fuldatalradweg. Die kleinen 3 Buchstaben machen den ganzen Unterschied. Der Weg läuft manchmal am Hang, manchmal im Tal entlang und generiert infolgedessen die entsprechenden Steigungen.
Blick zurück auf Fulda
Nach Besichtigung des kleinen Fachwerkstädtchens Schlitz nehme ich die Bahntrasse der ehemaligen Ortenberg -Bahn über die Rhön. Wenn ich auf einer Bahntrasse, die ja nie eine Steigung über 2,5% hat, nur 12 km/h bergauf und mit viel Treten 18km/h bergab fahre, bedeutet das entweder, dass ich total schlecht in Form bin, oder sich der Wind doch nicht gelegt hat…
Und besonders frustrierend : fast alle (!) überholen mich. Umkehrschluss- fast alle fahren E- Bikes (oder sind besonders fit).
Warum fahre ich eigentlich kein E- Bike ?
Ok, das diskutieren wir jetzt nicht aus, meine Zunge hängt mir auch viel zu sehr aus dem Hals….
die Bahntrasse der Ortenberg -Bahn
Auf der Weiterfahrt komme ich noch durch das pittoreske Lauterbach, bemerke den höchsten Punkt der Bahnlinie bei Hartmannshain auf 581 m – und dann kommt die absolut geniale Abfahrt: meist im Wald und deswegen ohne Gegenwind: ca. 20 km lang !!!
Ich habe mir Gelden als Übernachtungsort ausgeguckt, weil die Entfernung stimmt und es hier vor allem einen See mit Camping gibt: so komme ich zum Schwimmen im See (wie in Bütgenbach) und außerdem habe ich das Zelt nicht völlig umsonst mitgenommen. Ich dachte nämlich, dass in diesem Jahr alle Menschen in Deutschland Urlaub machen, und es deswegen furchtbar voll werden würde… . Fehleinschätzung- es ist leerer als sonst, allenfalls machen mehr Leute Tagesausflüge. Meines Erachtens haben vor allem alle ihr Urlaubsgeld in E- Bikes gesteckt….
Übernachtung dann auf dem Camping am Gederner See: Schwimmen inclusive !
Der Wetterbericht für morgen ist nicht sehr verheißungsvoll – aber manchmal täuschen die sich auch, oder ?
Kämmerzell im Fuldatal
Schlitz
Schlitz- Marktplatz
Stifterbilder in der Ev. Kirche in Schlitz – an Stelle des Hochaltars…
Riesenfrühstück heute Morgen: die Wirtin in dem kleinen Hotel in Phillipstal meinte es gut mit mir und hat damit auch gleich das Mittagessen gesponsert. Am Buffet hätte ich mich niemals in dieser Form bedient, aber die sind ja durch Corona verboten, und was auf dem Tisch ist, muss nachher ja sowieso weg… .
Danach bin ich das Ulstertal (immer noch in Thüringen) hochgeradelt. Bei der Landschaft könnte ich auch in der Eifel sein – alte Vulkangebirge sehen sich halt ähnlich. Das Ulstertal liegt übrigens nicht in Nordirland – aber der Name hat was damit zu tun: irische Mönche kamen im 7. oder 8. Jahrhundert in die Gegend und haben den Fluss nach ihrer Heimat benannt.
Milseburgradweg mit Blick auf die (den ?) Milseburg u nd die Kuppenrhön
Kurz hinter dem kleinen Örtchen Thann beginnt dann der Milseburg-Bahntrassenradweg nach Fulda: ein ganz toller Weg über die Kuppelrhön, der die obersten 200 Höhenmeter durch einen fast 1,5 km langen Tunnel umgeht. Die Trasse führt unter dem (oder der ) Milseburg durch: das ist ein ganz markanter Berg, der schon in keltischer Zeit besiedelt war und auf dem noch Reste der breiten Schutzwälle dieser Siedlungen zu sehen sind: aber wie gesagt, die letzten 200 Höhenmeter habe ich mir geschenkt…. . Hinter dem Bergbahnhof ging es glücklicherweise mit deutlich weniger Gegenwind immer bergab nach Fulda.
Wie unterschiedlich Universitätsstädte sein können: während ich in Marburg pulsierendes studentisches Leben gespürt habe, fühlt sich hier alles härter und steng an. Oder liegt es nur daran , dass ich den dominanten „Hohen Dom zu Fulda “ im Barockstil nicht mag ?
im Schlossgarten in Fulda
Der Schlossgarten ist aber schön und belebt, und die alte karolingische Rundkirche St. Michael neben dem Dom unbedingt sehenswert und inspirierend. Aber trotzdem … der Funke springt bei mir nicht über. Mein AIRBNB liegt etwas außerhalb und ich fahre abends noch mal sehr schön entlang der Fulda in den Ort. Ich esse in einem chinesischen Snack (übrigens sehr lecker) – aber auch, weil mich keins der „richtigen“ Restaurants wirklich anspricht. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Maskenpflicht hier deutlich strenger genommen wird, als auf den bisherigen Stationen meiner Tour (einschließlich meiner Zimmerwirtin: so kommt sicher kein Gespräch zustande… ) .
Michaelskirche – mit einem Oktogon wie im Aachener Dom !
Morgen früh fahre ich dann weiter – zunächst nach Norden die Fulda entlang und dann weiter über die Rhön Richtung Westen. Der Gegenwind soll ja etwas abnehmen!
und noch mal – Kali !!
im Ulstertal
ein Fabriksschronstein – ein potentielles Storchennest
Stadttor von Thann
Luther and me
der Bahntunnel unter dem Gipfel der Milseburg
auf dem Milseburgradweg
Der Hohe Dom zu Fulda
mit kompletter Barockausstattung
Schlossgarten
Seerosen im Schlossgarten
der aus karolingischer Zeit stammende Vorgängerbau St Michael
Heute ist Sonntag. Nach gemeisamem Frühstück bin ich bin mit Peter, der im Kirchenchor singt, zur Messe gegangen: Ich war schon ein wenig erstaunt, im ehemaligen Osten eine so lebendige Gemeinde zu sehen : bunt gemischt – einschließlich Kindern und Jugendlicher. Peter meint, es wären in den letzten Jahren weniger Jugendliche geworden, aber das ist Klagen auf ziemlich hohem Niveau…. Aber auch hier gibt es keine jungen Pfarrer.
Lauchröden
Ich bin dann um 12.00 losgefahren, um das Werratal hinaufzuradeln: zunächst ging der Weg 25 km zurück bis Gerstungen. Da ich eime andere Route gewählt hatte als am Vortag, war es trotzdem überhaupt nicht langweilig. Vorbei wieder an kleinen Fachwerk- und Dorfkirchen, deren originelle Architektur z.B. als Rundkirchen den Einfluss der Reformation zeigt: wichtig sind Verkündigung und Predigt durch den Pastor inmitten der Gemeinde: deswegen sind die Sitzreihen eher wie im Theater und nicht wie in einer klassischen Kirche angeordnet.
Das Werratal zwischen Gerstungen und Vacha ähnelt der Industrielandschaft im Norden Frankreichs: kleine Dörfer mit riesigen Abraumhalden. Dort Kohle (schwarz) und hier Kali (weiß). Wobei ich finde, dass diese steilen weißen Halden, die das Niveau der umliegenden Hügel deutlich überragen, noch seltsamer in der Landschaft aussehen als die Relikte des Kohlenbergbaus (oder bin ich die aus dem Ruhrpott nur mehr gewöhnt?)
Der heutige Radtag ist fies anstrengend: es herrscht ein stürmischer Gegenwind, der mich sogar bergab kräftig treten lässt. So habe ich nach den knapp 60 km das Gefühl, den ganzen Tag bergauf gefahren zu sein und bin dementsprechend platt. Darüber hinaus sind meine Lippen trocken und aufgesprungen – was ich auch aufdie hohen weißen Salzberge zurückführe… Übernachtung in einem kleinen Hotel in Philippsthal und Abendessen in einer Pizzeria im Schloss – nettes Ambiente, aber auch heute wieder nur wenig Begegnungen und Gespräche auf dem Weg. Ich denke schon, dass das mit Corona zusammenhängt….
im Werratal
Schloss Wommen
Die Werra bei Gerstungen
Untersuhl
… wie im Theater
Philippsthal: Blick aus der Pizzeria auf den Schlossplatz
Schloss Philippsthal
Blick aus dem Schlossgarten
Mein Hotel
Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Beim Anwählen von "Akzeptieren"stimmst du der Verwendung ALLER Cookies zu.
Diese Website verwendet Cookies, um Ihre Erfahrung zu verbessern, während Sie durch die Website navigieren. Von diesen werden die als notwendig eingestuften Cookies auf Ihrem Browser gespeichert, da sie für das Funktionieren der grundlegenden Funktionen der Website unerlässlich sind. Wir verwenden auch Cookies von Drittanbietern, die uns helfen zu analysieren und zu verstehen, wie Sie diese Website nutzen. Diese Cookies werden nur mit Ihrer Zustimmung in Ihrem Browser gespeichert. Sie haben auch die Möglichkeit, diese Cookies abzulehnen. Das Ablehnen einiger dieser Cookies kann jedoch Ihr Surferlebnis beeinträchtigen.
Notwendige Cookies sind für das ordnungsgemäße Funktionieren der Website unbedingt erforderlich. Diese Kategorie umfasst nur Cookies, die grundlegende Funktionalitäten und Sicherheitsmerkmale der Website gewährleisten. Diese Cookies speichern keine persönlichen Informationen.
Als nicht notwendige Cookies werden alle Cookies bezeichnet, die für das Funktionieren der Website nicht unbedingt notwendig sind und speziell zur Sammlung von personenbezogenen Daten der Nutzer über Analysen, Anzeigen oder andere eingebettete Inhalte verwendet werden. Es ist zwingend erforderlich, die Zustimmung des Nutzers einzuholen, bevor Sie diese Cookies auf Ihrer Website einsetzen.