Tag 5 – Rund um den Cirque de Gavarnie im Nationalpark der Pyrenäen: mit dem Bus nach Gavarnie – Cirque de Gavarnie – Réfuge des Espuguettes

Mittwoch, 7.Juli 2021

11 km, 1200m bergauf, 550m bergab

Auf den Wetterbericht kann man sich auch nicht immer verlassen – glücklicherweise !  Sobald wir mit dem Bus in Gavarnie ankamen , war strahlender Sonnenschein und der Blick auf den Cirque de Gavarnie phantastisch – völlig ohne Wolken. Nach Besuch der kleinen Pilgerkirche Notre Dame du Port (12. JH) auf dem Weg nach Santiago  sind wir den Touristen hinterher getrottet und zum Hotel du Cirque gelangt. Wieder ein Haufen Fotos und das nette Angebot, uns gemeinsam abzulichten – dankend angenommen !

Dagmar wollte ihre Kräfte schonen, aber ich bin zwar schon mal in Gavarnie gewesen aber nie bis zur Grande Cascade weiter gelaufen. Also trinkt Dagmar einen Kaffee und ich laufe (ohne Rucksack) den Weg bis zum Fuß des Wasserfalls. Es hätte mir zu denken geben sollen, dass die Menschen am Wasserfall wie kleine Spielzeugfiguren wirken…. Der Weg war deutlich weiter als geplant: sicher 4 km hin und zurück und 300 m Höhenunterschied. Der letzte Teil des Anstiegs darüber hinaus mächtig steil – und ich war plitschnass (von der Gischt des Wasserfalls ) als ich wieder zurück war. Es hatte sich inzwischen ziemlich zugezogen und Dagmar war fast angefroren. 

Wir konnten uns  auf den nächsten 400 Höhenmetern allerdings ohne Probleme wieder aufwärmen:  zunächst auf einem Weg am Hang entlang mit steil abfallenden Felswänden, dann auf einem langen und zuletzt steilen Anstieg über Almwiesen zur Hütte.

Netterweise kam dann auch  die Sonne wieder raus und wir sahen Blumen ohne Ende: riesige  Felder von blauen Lilien, aber auch Natternköpfe, Orchideen und Eisenhut (?). Auch hier wurde die Batterie des Photoapparats wieder mächtig strapaziert…. Auf 2000 m Höhe auf einer Almwiese liegt das  Réfuge des Espuguettes – wir kommen mit den ersten Regentropfen an und können zusehen, wie die Gegend im Nebel verschwindet. In der kleinen sympathischen Hütte:  sehr nette Hüttenwirtin, die uns bei der Planung einer zu lang geratenen Etappe in den nächsten Tagen mächtig geholfen hat. Leckeres Essen mit dem einzigen Problem, dass die Gäste (Corona lässt grüßen) so weit auseinander platziert waren, dass die Kommunikation schwierig war.  Aber ist schon mal etwas wirklich perfekt ?

Tag 4 – Rund um den Cirque de Gavarnie im Nationalpark der Pyrenäen: Cabane dets Coubous – Luz St Sauveur

Dienstag, 6.Juli 2021

8km, 820 m bergab

So wirklich gut geschlafen habe ich auf diesem Betonboden nicht: aber ich bin doch relativ ausgeruht, und Dagmar hatte ja die Isomatte und also etwas weniger Probleme mit der Müdigkeit.

Hier oben auf gut 2000m ist es nur bedeckt, aber unter uns sehen  wir von oben auf die dichten Wolken, in die wir nach kurzem Frühstück hineintauchen. Nach 1,5 Stunden und tollen Fotos von großflächig am Wegesrand wachsenden wilden Lilien, kommen wir an die Straße zum Tourmalet. Hier sehen wir scharenweise Hobbyradler, die sich auf den Spuren der Tour der France den Pass hochquälen. Wir gehen parallel zur Straße auf der alten Wegtrasse der Passstraße flussabwärts nach Barèges. Dort angekommen, setzen wir uns  in ein nettes Café zu einem sehr leckeren ausführlichen zweiten Frühstück. Da der Bus nach Luz St Sauveur erst zum Nachmittag fährt, wählen wir die Daumenvariante und zwei freundliche Wanderer mit Hund nehmen uns mit ins Tal. Luz- St Sauveur ist ein nettes kleines Städtchen und auch unser Hotel (auf dem Papier : Jugendherberge) ist sehr ordentlich. Wir haben genügend Zeit zum Bummeln inclusive ausführlicher Ruhepausen: am Nachmittag spüre ich nämlich doch das Schlafdefizit und penne einfach so auf einer Parkbank ein.

Abendessen dann in einer eher gesichtslosen Brasserie und dann schon Vorfreude auf morgen: Cirque de Gavarnie !!

Tag 3 – Rund um den Cirque de Gavarnie im Nationalpark der Pyrenäen: Réfuge de l’Oule zur Cabane dets Coubous

Montag, 5.Juli 2021

17km. 1150m bergauf, 940m bergab

Die heutige Etappe ist eine gewisse Herausforderung: ziemlich lang für den 2. Tag der Tour und vor allem im zweiten Teil  mit einigen  Kletterpartien und längeren Anstiegen über Blockwerk gespickt.  Aber das Wetter ist absolut super – blauer Himmel und phantastische Sicht, so dass wir guten Mutes zunächst am Lac d‘Oule entlangwandern und dann die ersten 400 Höhenmeter  auf die Hochfläche hinaufsteigen. Dort zeigt sich mir plötzlich ein völlig surreales Bild: Ein Wanderer mit einem Kontrabass auf dem Rücken ! Genauer: die beiden Begleiter schleppen noch zusätzlich Gitarre und Saxophon: die drei spielen in den verschiedensten Hütten der Gegend. Und da diese teils nur zu Fuß erreichbar sind, wird eben der Kontrabass über die Bergpässe getragen….

Heute ist unsere Wander- geschwindigkeit geradezu  unterirdisch langsam. Wir brauchen enorm viel Zeit für den tollen Weg entlang der Seen im Naturpark Néouvielle und für den Anstieg zum Col de Madamète. Meine Kamera läuft dabei heiß und es ist nur schade, dass wir doch ziemlich hinter der Zeit herlaufen und ich so nicht zum Bad in einem der vielen kleinen Bergseen am Weg komme.  Als wir am späten Nachmittag den letzten  Anstieg über 400 Höhenmeter sehen und feststellen, dass das eine einzige Kletterpartie ergäbe, ändern wir den Plan und kehren um, annulieren das Réfuge und steigen langsam Richtung Tal ab. Für die Übernachtung wählen wir dann eine hier in den Pyrenäen durchaus übliche Variante – wir übernachten in einer „Cabane“.

Diese Hütten bestehen im Prinzip aus nichts anderem als 4 Wänden, Dach und Tür. Das war’s. Der Boden ist  aus Beton – mit erheblichen Unebenheiten, bedeckt mit einer Plastikplane. Aber das Ding ist glücklicherweise sauber und ohne zweideutige Gerüche. Vor uns war schon ein junger Mann da, der uns seine Isomatte und Powerbank leiht– total nett. Zum Abendessen hatten wir noch ausreichend Reste vom Picknick. Und in der Nacht ist es schon genial, im Trockenen zu sein, wenn der aufziehende Sturm heult und der Regen aufs Dach prasselt. Mit etwas Glück, ist der Wind ja stark genug, um die Wolken bis zum Morgen  wegzupusten….

Tag 2 – Rund um den Cirque de Gavarnie im Nationalpark der Pyrenäen: Von Vielle Aure zum Réfuge de l’Oule

Sonntag, 4.Juli 2021

15.5km, 1460 m bergauf, 430 m bergab

Wecker um 6 Uhr – das ist nicht so mein Ding. Aber da die Wanderung nun dummerweise nicht von Lourdes sondern von Vielle Aure ( 50 km weiter östlich) startet, müssen wir noch mal Zug und Bus nehmen. Um 10 Uhr geht‘ s dann los : die Wolken hängen fast auf den Füßen, wir steigen ziemlich steil bergauf und müssen vor allem aufpassen, nicht im Schlamm auszurutschen. Genau weiß ich nicht, dass ich in den Pyrenäen bin – bisher habe ich die Berge nicht gesehen. . .

Aber dafür Blumen : gelben Enzian, Veilchen, Disteln – und ganz viele, die ich nicht kenne..

Es geht 5 Stunden ununterbrochen bergauf – und am Ende der 1500 Höhenmeter (und 12 km)  bin ich richtig froh, dass es die letzten 4 km  400m bergab geht.  Dann mittem im Skigebiet fette Murmeltiere, die sich  (man geht mit der Zeit ) nicht in Höhlen sondern im Wassersystem des Skigebiets verstecken. Dann noch ein Abstieg und wir sind im Réfuge : Es gefällt mir : nette Atmosphäre, Bier vom Fass, moderne Zimmer und vor allem leckeres Essen.

Dann kann das Wetter morgen ja nur besser werden!

Tag 1 – Rund um den Cirque de Gavarnie im Nationalpark der Pyrenäen: Reisetag mit der Bahn nach Lourdes

Samstag, 3. Juli 2021

Vor 2 Monaten haben meine Freundin Dagmar und ich gepokert, dass die Corona – Reisebeschränkungen sicher bis Anfang Juli aufgehoben sind und also einer Wandertour durch die Pyrenäen nichts im Wege steht: also habe ich Züge und Hütten gebucht. In Bezug auf die Reisebeschränkungen – Bingo, gewonnen. Das Wetter lässt sich natürlich nicht voraussehen…
Für manche Leser meines Blogs ist die Beschreibung der Anreise der amüsanteste Teil der Reise-Beschreibung – und ich will euch auch diesmal nicht enttäuschen…
Am Morgen sollte uns Andrea zum Bahnhof fahren: als sie 5 Minuten vor Abfahrt noch schlafend im Bett lag, sind wir selbst gefahren und haben den Wagen in Aachen am Bahnhof abgestellt. Da die Kids das Auto brauchen, wird es da wohl abgeholt werden…
In aller Ruhe dann mit ICE und Thalys über Brüssel nach Paris – Ruhe bis zu dem Zeitpunkt, als Dagmar bemerkte, dass die Zeit von der Ankunft an der Gare du Nord um 11.35 bis zur Abfahrt von Montparnasse um 12.20 nur 45 Minuten sind. Mir war das Intervall bei der Buchung viel länger vorgekommen.
Insofern ging es im Spurt durch Impfpasskontrolle, zum Metroticket- Automaten, zur Metro, über lange Gänge und Treppen zum Bahnhof und zur Fahrscheinkontrolle am Bahnsteig. Dort wurden wir durchgewunken und saßen gerade im TGV, als dieser schon abfuhr. Nassgeschwitzt, sportliche Betätigung für den Tag erledigt.
Übernachtung heute in Lourdes, da die Tour eigentlich dort starten sollte. Aufgrund der schlechten Verkehrsanbindung müssen wir morgen ein Stück wieder zurück, um von St Lary in den Nationalpark zu starten
Wir schlafen in einer netten Pilgerherberge (Linda Carillon), die ich über Booking gebucht habe: Booking ist für die Vermieter eine tolle Plattform, nimmt aber 17% der Einnahmen…. Die Preise für mich als Gast wären die gleichen bei Buchung über die Website des Vermieters…
Ich war (vor Corona) vor 3 Jahren auf dem Weg in die Pyrenäen schon mal in Lourdes – was für eine Diskrepanz! Während damals die Straßen schwarz von Pilgern waren, sich ein Andenkengeschäft und Restaurant ans nächste reihte, ist jetzt alles geschlossen und alle Rolläden sind runtergelassen. Lourdes macht den Eindruck einer verschlafenen Kleinstadt…

nettes Restaurant: L’ami toulusain

Auf Empfehlung der Herberge dann Abendessen in einem kleinen Restaurant mit landestypischem toulousaner (sagt man das so?) Menü. Und nach dem Essen interessante Gespräche mit dem Restaurantbesitzer über Gott und die Welt: er habe das Restaurant mit großem Haus Anfang 2020 gekauft und habe zurzeit viel zu tun mit dem Umbau . – Wie er das mit Lockdown finanziere ? – Mit den staatlichen und lokalen Hilfen sei das zur Zeit kein größeres Problem… Dann haben wir uns über katholische Kirche und ähnliches unterhalten und ich habe bei dem weltoffen wirkenden Mann wieder den Traditionalismus gespürt, der mich in Frankreich im katholischen Milieu immer schon irritiert: diese Deutschen mit ihrem Sonderweg, Frauen zu Priestern weihen zu wollen, seien doch völlig isoliert und auf dem Holzweg. Benedikt habe das doch alles ganz richtig gesehen…. und jetzt würde der Papst ja auch zu Recht die deutschen Katholiken zurückpfeifen. Puuh. Glücklicherweise nahm das Gespräch danach ein unverfänglicheres Ende….

Morgen geht’s bei unterirdisch schlechtem Wetterbericht nach Vielle Aure zur ersten Etappe. Bergwandern im Regen ???

🚶 Juli 2021 Pyrenäenwanderung : Rund um den Cirque de Gavarnie im Nationalpark der Pyrenäen

Vom Parc de Néouvielle mit seinen vielen Seen zum Cirque de Gavarnie. Weiter über alte Pilgerwege und Wege des Almauftriebs in den spanischen Nationalpark von Ordesa mit seinem tief eingeschnittenem Caňon. Der Rückweg führte dann auf dem GR 10 mit kleinem, aber sehr spannendem Umweg nach Cauterets. Meine dritte Pyrenäentour – auch diese wieder genauso schön wie die anderen!

Den Blog schreibe ich meist während der Tour : abends, wenn ich aufs Essen warte, vor dem Einschlafen oder nachmittags auf der Hütte. Blogs gibt’s also meist dann, wenn ich solo unterwegs bin. Manchmal ist das Netz so schlecht, dass ich den Blogtext nur in Word schreiben kann und auf einen der nächsten Abende mit besserem Internet warte – manchmal schaffe ich es aber sogar, die Bilder auch schon zeitnah hochzuladen. Auf jeden Fall liefert der Blog die aktuellsten Impressionen- es ist eben das Reisetagebuch

Die Powerpoint erstelle ich später zu Hause: da suche ich die Hintergrundinfos zu den besuchten Orten heraus, erkläre Zusammenhänge und Details und stelle meine Fotos zusammen. Die Quelle zu den Texten bilden dabei Bücher, Wikipedia, Infos der Touristenbüros aber auch andere Internetseiten. Vor allem aber versuche ich mit etwas Animation die Bilderfolge interessanter zu gestalten

Die Diashow ist im Pinzip die abgespeckte Variante der Powerpoint. Vor allem gedacht für einen kurzen Überblick. Auch wenn ihr den Download der Powerpoint scheut oder keinen Viewer habt, kommt dieser Weg infrage

🚶Juni 2021 – Les 2 Ourthes: 3 Tage Wanderung im Herzen der Ardennen

Natur pur !
Wasser und Wald:
von der Ourthe orientale über den Lac de Nisramont
zur Ourthe occidentale
Zuletzt noch die Ourthe flussbwärts
bis La Roche-en-Ardennes

Die Powerpoint erstelle ich zu Hause nach der Tour: da suche ich die Hintergrundinfos zu den besuchten Orten heraus, erkläre Zusammenhänge und Details und stelle meine Fotos zusammen. Die Quelle zu den Texten bilden dabei Bücher, Wikipedia, Infos der Touristenbüros aber auch andere Internetseiten. Vor allem aber versuche ich mit etwas Animation die Bilderfolge interessanter zu gestalten

Die Diashow ist im Pinzip die abgespeckte Variante der Powerpoint. Vor allem gedacht für einen kurzen Überblick. Auch wenn ihr den Download der Powerpoint scheut oder keinen Viewer habt, kommt dieser Weg infrage.

Karte und Track der Wanderung

Tag 21 – zu Fuß durch die Ardennen: Lamorteau – Virton über Torgny (20 km)

Auf zum Südzipfel Belgiens ! Trotz des Wetters spürt man in Torgny etwas vom Flair des südlichsten Dorfes der Wallonie …

Mittwoch, 26.Mai

Ich habe gestern Abend wirklich meine Pizza ganz aufgegessen. und es regnet trotzdem. Unfair!

Nach ordentlichem Frühstück mache ich mich dann im Sprühregen (der sich von Zeit zu Zeit auch in einen veritablen Regenguss wandeln kann) auf zum südlichsten Ort Belgiens, nach Torgny.

Häuser und Türen in Torgny

Dieser wirbt mit Weinbau und einem méridional – provençalischen Flair. Das klingt im Dauerregen schon ziemlich nach Hohn. Und bei dem Wetter (und Corona) ist natürlich auch alles geschlossen und noch nicht mal ein Hund auf der Straße: trotzdem kann ich dem Ort was abgewinnen : die ockerfarbenen Häuser wirken einladend und  -ja! – es gibt sie wirklich, die halbrunden Dachziegel als untrügliches Zeichen des Südens (allerdings auf höchstens der Hälfte der Häuser – die anderen sind  – belgisch, klassisch – mit Schiefer oder Flachziegeln gedeckt).

Dann verlasse ich kurz den GR 129, den man von Brügge nach Arlon wandern könnte, und laufe ca. 3km über immer schmaler werdende Feldwege und zum Schluss über eine Wiese zum Ziel der Ardennenwanderung: dem südlichsten Punkt Belgiens. Jemand hat ein inoffizielles Schild aufgestellt – sonst wäre das GPS die einzige Quelle, um diesen Ort hervorzuheben. Richtung Frankreich : eine Weißdornhecke und das kleine Grenzflüsschen, der Chier. Die anderen Richtungen: Wiesen und Weiden. Völlig unspektakulär – aber irgendwie freue ich mich doch angekommen zu sein.

Der Südzipfel Belgiens

Ein bisschen beflügelt mache ich mich auf den Rückweg und sehe kurz hinter Torgny die erste geöffnete Kapelle seit vier Tagen (Orval zählt nicht mit – oder: vielleicht doch, da die Kirche selbst für „normale“ Touristen ja nicht geöffnet ist). Auf dem weiteren Rückweg gab es natürlich wieder die altbekannten häufigen Regenschauer und leider einen  ziemlich langweiligen breiten Forstweg fast bis nach Virton.

Virton selbst mag ohne Corona ganz nett sein – jetzt war alles geschlossen, nur eine sündhaft teure Brasserie hatte eine Außenterrasse geöffnet.

Da hat es mir dann überhaupt nicht leid getan, schon gegen 15.00 den Zug zurück nach Bouillon zu nehmen – steht das Auto noch da ??? ( Antwort: ja, kein Problem)

Fazit :  die Wallonie, und speziell die Ardennen, sind wirklich schön: die Flüsse wilder und naturbelassener als ich das aus Deutschland kenne, die Wanderwege exzellent markiert, die Dörfer pittoresk. Allerdings kämpft auch dieses Mittelgebirge mit den gleichen Problemen wie ähnliche Regionen Europas : die kleinen Geschäfte, Cafés , einfache  Hotels und Kirchen schließen. Die Häuser werden zu Wochenend-Häusern oder Ferienwohnungen umgebaut – auch Luxusresraurants mit Zimmern halten sich . Fast immer sind hier Flamen oder Niederländer die Käufer.

Ich hatte – als Beispiel – in den letzten vier Wandertagen zwischen Bouillon und Virton ohne Umweg keine Möglichkeit einzukaufen und die Übernachtungen gestalten sich – von den Zeltplätzen entlang der Semois und Ourthe abgesehen – vor allem als Einzelwanderer als Herausforderung.

Aber all das ist Klagen auf hohem Niveau – es war eine tolle Tour und ich frage mich, ob ich nicht auch den Rückweg zu Fuß gehen sollte : dabei wären dann das Grenzgebiet zu Luxemburg und die Ostkantone lohnende Ziele….

Tag 20 – zu Fuß durch die Ardennen: Orval – Lamorteau (27 km)

ruhiger angenehm zu gehender Weg durch das Wiesenland der Gaume. Das Licht zwischen den Regenschauern hat mich begeistert und meinen Photoapparat herausgefordert …

Dienstag, 25. Mai :

Ich bin heute Nacht nicht nass geworden! Ich fand den prasselnden  Regen auf die Zeltpane eher beruhigend und habe mich nur noch etwas tiefer in meinen warmen Schlafsack gekuschelt. Da erst ab 9 Uhr ein (vorläufiges ) Ende des Regens angesagt ist, habe ich mir ganz viel Zeit gelassen, habe dann die Reste des gestrigen opulenten Frühstücks verzehrt (mir fehlt entschieden der Milchkaffee: Wasser ist keine Alternative!), habe den Schlüssel der Dusche abgegeben und dabei die Gelegenheit genutzt, noch einmal durch den Bereich der Abtei zu schlendern, der nur  den Klostergästen zugänglich ist – zu denen ich offensichtlich nur eingeschränkt gehöre… , und dann bin ich in aller Ruhe Richtung französische Grenze losgewandert. Geplant waren Kaffee und kleiner Einkauf in Villers-devant-Orval – leider sind sowohl Café als auch Geschäft seit Jahren geschlossen….

Schöne Wegkreuze in der Gaume

Also geht’s ohne Stärkung weiter: zunächst für einige Kilometer nach Frankreich, da die Wegführung  nur auf diese Weise ohne Riesenumwege funktioniert – aber Grenzkontrollen gibt es auch jetzt zu Coronazeiten nicht mehr. Die Dörfer auf dem Weg zeigen alle diesen typischen Haustyp der Gaume: klein, das  Hoftor zu Straße bin, im Verlauf des Dorfes aneinandergereiht  – nur nie ! ein Geschäft oder Café. Ich mümmele also den Rest Studentenfutter und komme gegen 17.00 nach mehreren Regenschauern, die mich jeweils in die gesamte Schlechtwettermontur gezwungen haben, die ich aber mit den ersten Sonnenstrahlen wegen der Wärme auch schnell wieder ausziehen musste, in meinem B&B in Lamorteau an.

Madames Haus sieht aus wie eine Puppenstube – und die Besitzerin hat mächtig Angst, dass ich mit meinen nassen Klamotten da was kaputt machen könnte…. Trotzdem trocknet mein Zelt jetzt in meinem Zimmer und ich esse die bestellte Pizza – zu ihrem Leidwesen drinnen im Zimmer und nicht auf der Terrasse im Regen.

Aufschrift auf der Treppe: „Freiheit und Mut sind wie eine Treppe, die man Stufe um Stufe heraufsteigen muss und bei der man keine Tritte überspringen kann“


Tag 19 – zu Fuß durch die Ardennen: Ste. Cécile – Orval (21 km)

Wanderung entlang der französischen Grenze auf meist kleinen Pfaden nach Orval – die Ruinen aber auch die neue Zisterzienser-Abtei sind ein Erlebnis!

Pfingstmontag, 24.5.

Genau so pünktlich, wie es am Samstag aufgehört hat zu regnen, als ich loswandern wollte, hat es heute morgen angefangen. Und es hört nicht auf. Glücklicherweise finde ich im nächsten Ort, in Chassepierre, ein nettes Restaurant, in dem ich gut frühstücken kann (natürlich auf der Außenterrasse – die Hotelgäste sitzen drinnen… ). Ich hoffe, den Regen aussitzen zu können, aber das klappt heute nicht. Also Regenhose, Anorak und Poncho an und los.

Die Landschaft bleibt immer noch schön – noch einige Kilometer folge ich der Semois, bis der Weg über einen RAVEL (die belgische Version der Bahntrassenradwege), der auf der Trasse einer dieser kleinen örtlichen Eisenbahnen verläuft, die hier „ vicinal“ genannt werden, langsam auf die Hochebene ansteigt. Schon im Tal der Semois haben sich Landschaft und Charakter der Dörfer geändert. Das Land ist flach gewellt, viel lieblicher als die steilen Felsen im Tal der Semois, die Häuser meist niedrig und hell getüncht.: ich bin in der Gaume. Aufgrund des Dauerregens nehme ich den direkten Weg durch die Wälder immer direkt an der französischen Grenze entlang – Mal auf dieser, mal auf jener Seite der Grenze. Ob das wohl coronakonform ist??

Dann komm ich an Willers vorbei, einem Ort mit den Resten einer römischen Raststätte auf der Straße von Reims nach Trier. Der GR führt hier über französisches Gebiet und das Dorf liegt auf einem Hügel grade mal 300m entfernt. Ich wandere also in den Ort hoch – sehe die französische Mairie – und bin glücklich, dass mehr als die Hälfte der Autos belgische Kennzeichen haben. Also kümmert sich keiner um diesen Stuss mit den Einreisebeschränkungen.

Meisennest in einer Wand der Ruinen der Abtei

Endlich wird das Wetter besser und ich erreiche Orval. Die heutigen Gebäude wurden ca 1920 im Stil des Art Deco gebaut, nachdem die alte Zisterzienserabtei in der französischen Revolution zerstört worden war.  Heute leben in diesem riesigen Gebäude noch 7(!) Mönche. Finanziell geht das nur durch die Einkünfte der Brauerei (habe ich von der netten Dame an der Anmeldung erfahren).

Leider kann ich nicht im Kloster selbst schlafen – wegen Corona gibt es nicht viele Gästezimmer. Aber ich kann den Zeltplatz der Abtei und die Dusche nutzen. Wobei „Zeltplatz“ einen Euphemismus darstellt: ich hätte den Platz ‚Lichtung im Wald‘ genannt. Aber da es nicht mehr regnet, ist alles gut, und ich bin sogar noch zu meiner Pfingstmesse gekommen – mit Stundengebet der Mönche der Abtei. So, jetzt hoffe ich nur noch, auf nicht allzu viel Regen heute Nacht!