Tag 1 – Belgien mit dem Rad entdecken: Von Kelmis nach Lüttich (ca. 60 km)

Über Bahntrassen, durch das Tal von Bel und Berwinne und zuletzt an der Maas entlang nach Lüttich – wenn der Weg nicht als Radtour geplant gewesen wäre hätte es auch viele Möglichkeiten zu tollen Besichtigungen gegeben

Zum Beginn der Entdeckungsreise durch den Norden Belgiens soll die erste Etappe von zu Hause in Kelmis nach Lüttich gehen.

Sofort kommen mir die möglichen Routen in den Sinn. Soll ich den RAVEL über Aubel , Herve und Beyne- Heusey fahren ? Möglich, aber den Abschnitt hinter Herve finde ich nicht so schön – und außerdem kenne ich den Weg schon. Val Dieu im Tal der Berwinne sollte wirklich auf der Strecke liegen, und … die Zeche in Blegny ist doch Weltkulturerbe, da muss ich also möglichst auch vorbei! Und wie ist es mit dem Kreuzweg in Moresnet – nur weil der direkt um die Ecke liegt, sollte ich ihn doch nicht rausfallen lassen ? – Wer die Qual hat, hat die Wahl…

Moresnet Chapelle
Moresnet Chapelle

So entschließe ich mich – auch um meine eigene Neugier etwas zu befriedigen, nicht nur über bekannte Straßen zu fahren.

Früh am Sonntagmorgen geht’s also los und ich fahre über kleine Wege nach Moresnet- Chapelle. In diesen Marienwallfahrtsort haben sich die deutschen Franziskaner im Kulturkampf des 19. Jahrhunderts vor der preußischen Staatsgewalt zurückgezogen und bis zum Jahre 2005 den Wallfahrtsort betreut. Ende des 19. Jahrhunderts entstand auch der beeindruckende, in einer Parkanlage liegende Kreuzweg.

Hinter Moresnet bin ich dann auf dem Bahntrassenradweg der alten Linie 39 nach Aubel gefahren An sich wollte ich über den immer wieder interessanten und lebendigen Markt im Zentrum des Ortes schlendern – aber bei Sperrgitter und Maskenpflicht ist mir die Lust vergangen und ich habe mich mit einem kurzen Foto über den Zaun begnügt.

Jetzt kommt die Sonne kräftig durch und ich fahre genüsslich und leicht bergab durchs Tal der Bel zur (ehemaligen) Zisterzienserabtei in Val Dieu. Aktuell wird das Kloster von einer zisterziensichen Laiengemeinschaft genutzt, die den Klostergarten für Besucher geöffnet hat und im Garten einen Rundweg mit spirituellen Impulsen angelegt hat. Ich war zwar schon oft in Val Dieu (auch wegen der Klostergaststätte mit exzellentem Käse und Bier) – aber diesen Garten habe ich heute erstmals entdeckt und ziemlich viel Zeit hier verbracht.

Aber ich will nach Lüttich.  Weiter geht’s durchs Berwinne Tal bis Dalhem – dort entdecke ich einen alten Bahntunnel, der gerade als Fahrradweg neu eröffnet ist, nachdem die Bahn und der Tunnel nach einem schweren Zugunglück fast 30 Jahre in Schockstarre lagen und weder Zug-noch Radverkehr weiter entwickelt wurden. Jetzt also der neue Radweg, den ich neugierig fahre, ohne sicher zu wissen, wo ich auskommen werde. Glück gehabt – ich komme ziemlich genau an dem Ort aus, der sowieso auf meiner Peillinie lag – der Zeche in Blegny.

Die alte Zeche in Blegny

Klar, Blegny ist nicht so riesig und imposant wie Zollverein in Essen – aber dennoch eine spannende und vor allem auch ältere Zechenarchitektur – Heute habe ich keine Zeit, in den Schacht einzufahren – aber das Gelände bietet auch so interessante Einblicke in den Bergbau im 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

Von da aus habe ich versucht, über nicht allzu stark befahrene Straßen bergab ins Maastal zu gelangen. Das gestaltet sich aufgrund der unglaublich schlechten Ausschilderung ziemlich schwierig: Trotz guter Karten-App brauche ich mächtig lange und muss einige Male die Richtung korrigieren, bis ich auf dem Maasradweg ankomme und in die Stadt nach Lüttich hineinfahren kann. In der Stadt selbst dann Bummel durch die Straßen der Altstadt und Besichtigung der Treppe an der „Montagne de Beuren“. Leider ist die Bartholomäuskirche mit dem romanischen Taufbecken des Reiner von Huy geschlossen (obwohl sie laut Schildern und Internet geöffnet sein sollte … grrrr…..), so dass ich etwas früher als geplant in einer kleinen Kneipe in der Nähe des ehemaligen Minoritenklosters zu einem unglaublich leckeren Weißbier komme.  

Später fahre ich zu dem wirklich stylischen Lütticher Bahnhof (vom Architekten Santiago Calatrava, dessen Werke ich auch schon in Valencia bewundert habe),  dann mit dem Zug nach Welkenraedt und zuletzt mit dem Rad zurück nach Hause : wenn die nächsten Etappen ähnlich erlebnisreif werden, bin ich von „Belgique en vélo“  hellauf begeistert !

🚴 2020 bis? Belgien mit dem Rad – Go west!

Bevor es losgeht….

Eine Radtour durch Belgien – unter Aussparung des Südens, da ich doch in den letzten Jahren etwas faul geworden bin und keinen gesteigerten Wert auf Herausforderungen à la „Flèche wallone“ und “ Liège- Bastogne- Liège“ lege.
Das heißt, dass ich mir für die erste Etappe den interessantesten Weg nach Lüttich aussuche: ich kenne die Gegend dank vieler Radtouren so gut,
dass ich die Filetstückchen rauspicken möchte.
Danach aber kommt Neuland: ich freue mich auf den RAVEL die Maas entlang, möche die Bergbaukultur des Ruhrgebiets mit der des belgischen Reviers vergleichen und die vielen kleinen und größeren Städte entlang der Maas entdecken.
Und danach? Mal sehen…
Vielleicht den Canal du centre entlang, um noch mehr Industriegeschichte zu tanken oder aber den sicherlich landschaftlich schöneren Teil entlang der Sambre?
Auf jeden Fall ist das erste größere Ziel die französische Grenze.
Und dann sollte es langsam wieder zurückgehen – am besten im großen Bogen einschließlich Besichtigung der großen flämischen Städte und Bad der Füße in der Nordsee. Aber das ist alles Zukunftmusik.
Zunächst mal : Go west!

Powerpoint und Diashow ebenso wie den Track kann es natürlich erst in einigem Abstand zu der Tour geben: aber die Wartezeit darauf ist ja fast so schön wie vor Weihnachten …. Einfach später noch mal gucken oder sich benachrichtigen lassen …..

Den Blog schreibe ich meist während der Tour : abends, wenn ich aufs Essen warte, vor dem Einschlafen oder nachmittags auf der Hütte. Blogs gibt’s also meist dann, wenn ich solo unterwegs bin. Manchmal ist das Netz so schlecht, dass ich den Blogtext nur in Word schreiben kann und auf einen der nächsten Abende mit besserem Internet warte – manchmal schaffe ich es aber sogar, die Bilder auch schon zeitnah hochzuladen. Auf jeden Fall liefert der Blog die aktuellsten Impressionen- es ist eben das Reisetagebuch

Die Powerpoint erstelle ich später zu Hause: da suche ich die Hintergrundinfos zu den besuchten Orten heraus, erkläre Zusammenhänge und Details und stelle meine Fotos zusammen. Die Quelle zu den Texten bilden dabei Bücher, Wikipedia, Infos der Touristenbüros aber auch andere Internetseiten. Vor allem aber versuche ich mit etwas Animation die Bilderfolge interessanter zu gestalten

Belgien mit dem Rad -als Powerpoints in kleinen Häppchen nach Etappen

Die Diashow ist im Pinzip die abgespeckte Variante der Powerpoint. Vor allem gedacht für einen kurzen Überblick. Auch wenn ihr den Download der Powerpoint scheut oder keinen Viewer habt, kommt dieser Weg infrage

... mehr Infos zu Wegbeschaffenheit und Höhenprofil?

Tag 19: Vom Fjell durch die Berge zum Fjord – Wanderungen in Mittelnorwegen: Rückflung von Vigra (Ålesund) über Amsterdam nach Aachen

Mittwoch, 13.Juli 2022

Der Flughafentransfer mit unsererm Vermieter hat super geklappt, der Flughafen ist ganz klein: also sehr kurze Wege und kaum Wartezeiten. Ich habe lange überlegt, ob ich mein Handgepäck in den Gepäckraum des Flugzeus geben sollte, habe das aber dann wieder verworfen, da ich an die chaotischen Zustände am Amsterdamer Flughafen beim Hinflug dachte. Nur – dabei vergisst man dann anderes …. Auf jeden Fall hat’s bei mir an der Security gepiept und der Kerl räumt meinen ganzen Rucksack aus. Auch mein Hinweis, dass sich dort vor allem dreckige Wäsche nach einer Woche Wandertour im Regen befindet, konnte ihn nicht abschrecken. mir ist es gerade noch gelungen, den Sicherheitsmenschen daran zu hindern, mit Gewalt an den Rucksackriemen zu reißen – aber der wollte wirklich selbst in jede Tüte reingucken . Und dann hat er das Corpus delicti entdeckt: ich hatte mir in Volda ein neues Shampoo kaufen müssen -und das fasst 200 ml statt der erlaubten 100ml … Grrr.

Danach ging alles glatt, guter Zuganschluss in Amsterdam – ich sollte um 12.15 zu Hause sein. Sollte. Eigentlich. Nach 2,5 Wochen Norwegen war ich Zug- und Busverspätungen nicht mehr gewöhnt : aber das gilt weder für NL noch für D: der Zug nach Aachen fiel aus (+ 1 Stunde Wartezeit) und der Bus nach Kelmis kam auch einfach nicht (+ 30 min) . Willkommen in der der Servicewüste Deutschland!

Ich bin dann gleich nach Belgien weitergefahren …

Tag 18: Vom Fjell durch die Berge zum Fjord – Wanderungen in Mittelnorwegen: Wanderung über Runde und Fahrt nach Vigra

Dienstag, 12. Juli 2022

Leider bin ich heute  morgen  nicht  um 3.45 augewacht und rausgegangen,  um den Sonnenaufgang  zu sehen.  So konnte ich nur Dagmars Bilder  angucken  – mit einer guten Portion Neid.

Gegen 9.00 sind wir dann gemeinsam los, sind wieder den steilen Hang hoch und noch ein ganzes Stück darüber hinaus bergauf, um an die Steilküste auf der Nordseite der Insel  zu gelangen. Dort sind die Vogelkolonien: Seeadler, Basstölpel, Papageientaucher und natürlich  auch normale  Möwen. Ich hatte blauäugig  gedacht,  tolle Bilder von all diesen Vögeln zu machen,  aber völlig  verdrängt, dass dazu eine doch etwas professionellere Fotoausrüstung  mit weitaus stärkerem Tele und besserer Blendenöffnung gehört… So bleibt  es bei eher traurigen Knipsversuchen. Aber es hat Spaß  gemacht – und diese irre schnellen Papageientaucher an ihrem Schlaffelsen habe ich zumindest gesehen.

Oben an der Klippe dann eine interessante Begegnung: wir könnten mit ihm deutsch sprechen, meint ein ca. 50- jähriger Mann mit süddeutschem Tonfall. Seine  Frau und  er lebten und arbeiteten  seit 13  Jahren in Norwegen – wir reden über Gesellschaft und Sprache.  Er ist Zahnarzt,  von der norwegischen  Regierung  angeworben. Ich bemerkte,  dass  ich erstaunt  bin, so wenig  Vandalismus  in der Gesellschaft  zu sehen. Er meint, das liege daran, dass es in Norwegen sehr wenig soziales Ungleichgewicht  gäbe oder Reichtum zumindest nicht zur Schau gestellt würde.  Kann durchaus  sein …

Nach der  kläglichen Fotosession dann zurück  zur Straße  (es gibt nur eine auf der Insel). Und – wie nicht  anders  zu erwarten – fängt es an zu regnen,  so das ich mit dem Mut der Verzweiflung  (unser Bus fährt erst in 2,5 Std) alle ankommenden  Wanderer auf dem Parkplatz  anquatsche, ob sie uns nicht nach  Ålesund mitnehmen  könnten.  Wir finden eine Gruppe netter  Schweizer, die für  einen Orientierungslauf nach Norwegen  gekommen sind, Wir gehen mit denen  noch eine Kleinigkeit  essen und dann nehmen sie uns bis nach Ørsta, einem Ort auf dem Weg nach Ålesund  mit, von wo aus wir mit Bus und Fähre in ein Airbnb nach Vigra kommen.  Hier geht es international zu: wir sind  in einem Hostel oder eigentlich fast einer WG  mit  Gästen aus China, Bangladesch, Kanada und Deutschland gelandet. Der Vermieter selbst  hat eine Frau aus Ruanda geheiratet. Zur Begrüßung  gab es erstmal zum Abendessen selbstgebackenes Brot, Marmelade und geräucherte Makrele.  Ein Genuss ! Morgen früh  hat der Vermieter versprochen, mich die 4 km zum Flughafen zu fahren. Sofort akzeptiert !

Tag 17: Vom Fjell durch die Berge zum Fjord – Wanderungen in Mittelnorwegen: Runde

Montag, 11. Juli 2022

Sonnenschein !!! Heute geht’s auf die Vogelinsel Runde, da können wir gutes Wetter gebrauchen. Wir haben uns Zeit gelassen – der Bus fährt erst um 13.00. Also ausführliches Frühstück, ein wenig einkaufen, das Haus in Ordnung bringen, und dann beginnt die Busfahrt über viele kleine Inseln nach Runde.

mit dem Bus zur Insel Runde

Wir sehen eine tolle Landschaft: zu Beginn Fjorde, dann kleine Inseln mit oft direkt aus dem Meer aufsteigenden Bergen, dazwischen flachere Felsen im Meer- oder ist hier noch Süßwasser ? Der Bus ist wieder auf die Minute pünktlich, auch bei zweimal Umsteigen mit Umsteigezeiten von jeweils 5 Minuten klappt alles perfekt.
In Deutschland ist man doch immer so stolz auf die Effektivität des Systems – aber hier funktioniert der Öffentliche Nah – und Fernverkehr wirklich: eine exzellente Buchungs-App für alle Busse und Bahnen – Ankunftszeit in Echtzeit in der App. Fahrkartenkauf in der App. Und sogar zu abgelegenen Orten gibt es mindestens 3-4 Busse/ Tag. Die Inseln sind über unzählige Brücken und Tunnel miteinander verbundenen. Sonst gibt es Fähren, deren Abfahrtzeiten eng getaktet und an die Bussfahrzeiten angepasst sind. Und das beste: Der Nah- und Fernverkehr ist relativ preisgünstig.
Geld (Münzen oder Banknoten) habe ich hier in Norwegen übrigens eigentlich nicht gesehen: Alles wird mit Karte oder Smartphone bezahlt: der Proviant selbst in den abgelegensten Hütten, die Kollekte in der Kirche, jeder Einkauf – einfach alles. Nur als wir irgendwann mal eine Kleinigkeit zu viel bezahlt haben, wurde uns die Differenz in physischem Geld erstattet. So trage ich ein 5 Kronenstück mit mir herum – der ungeheure Reichtum besteht in 50ct ….
Gegen 14.30 sind wir auf der Insel Runde angekommen- ich hätte mir die Karte aber vorher lieber etwas genauer ansehen sollen – dann hätte ich bemerkt, dass der Weg über 1,5 km steil ansteigt und dann noch steiler zum Ziel wieder abfällt. Mein Knie bedankt sich ….
Vogelinsel Runde … davon habe ich noch nicht so viel gesehen – aber wahrscheinlich fehlt vor allem das Fernglas.
Wir übernachten am Ende der Welt: am äußersten Ende der Insel liegt der alte Leuchtturm Fyr mit seinen Nebengebäuden : in einem ist eine Selbstversorgerhütte des DNT eingerichtet: genial! Toller Blick, nur wenige Gäste, gemütliche Ausstattung innen und Plumpsklo draußen …
Am Abend dann noch große Aufregung: oben am Hang hat sich beim Abstieg jemand das Bein gebrochen. Hier am Steilhang hat der Pilot des Helikopters, der nach 15 min aus Ålesund vor Ort war, all sein Können gezeigt. Auf einem etwas flacheren, ca. Handtuch- großen Areal hat er 2 Sanitäter aussteigen lassen, die die 50m zu dem Verletzten hoch gestiegen sind. Währenddessen hat der Hubschrauber über dem Meer gewartet. Dann flog er bis zu dem Verletzten zurück, blieb knapp über dem Boden in der Luft stehen, so dass die Sanitäter die Trage hineinheben konnten, dreht ab und fliegt zurück. Dauer der Aktion: knapp 30 Minuten …

Tag 16: Übers Fjell durch die Berge zum Fjord – Wanderungen in Mittelnorwegen: Volda

Sonntag, 10. Juli 2022

Am Sonntag sind wir zu einem lutheranisch- evangelischen Gottesdienst mit Taufe schräg gegenüber unseres kleinen Hinterhäuschens gegangen. Ich verstehe zwar nur einzelne Worte, aber die Liturgie folgt hier dem gleichen Aufbau wie bei uns Katholiken, so dass ich mich zurecht finde. Als Eingangslied „ Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit“ auf norwegisch mit einer fremden Melodie.

Kirche in Volda

Am Nachmittag noch mal der Versuch, den kleinen See am Stadtrand zu umrunden: heute, bei sonnigem Wetter, waren die ca.8 km (flach) kein Problem. Danach natürlich wieder Eis und Diclo …
Heute Abend haben wir einen Riesengratin produziert, von dem wir sicher noch 2 Tage leben können …


Tag 15: Vom Fjell durch die Berge zum Fjord – Wanderungen in Mittelnorwegen: Volda

Samstag, 9. Juli 2022

In den nächsten zwei Tagen werde ich mich eher kurz fassen: Berichte aus einem Ferienhaus sind fast so öde wie Gesundheitsbulletins.

kleiner Spaziergang im strömenden Regen

Nur soviel: wir haben es in dieser total verschlafenen Kleinstadt (die sogar eine kleine Fachhochschule haben soll – bloß wo ??) richtig gut getroffen. Der Vermieter ist freundlich, die Einrichtung super, der Supermarkt fast nebenan, kleine Spazierwege direkt ab Haustür möglich (mehr geht sowieso nicht) . Der Tag vergeht mit Knie kühlen, lesen, CHIO gucken, etwas Spazierengehen und (möglichst im Sitzen) kochen. Das Knie: kleiner, etwas unförmiger mit Flüssigkeit gefüllter roter Luftballon vor der Kniescheibe. Ok. Beschreibung ausreichend präzise. Vielleicht ist’s ja morgen besser…

mächtig viel Wasser…

Tag 14: Vom Fjell durch die Berge zum Fjord – Wanderungen in Mittelnorwegen: mit dem Bus von Ålesund nach Volda

Freitag, 8.Juli 2022

O.k. Mein Knie sagt, dass es das beste wäre, die Reise abzubrechen, aber es gibt nur noch Flüge ab 700€ plus Umbuchung .. Plan verworfen.

Also werden wir ab jetzt typischen Norwegen – Urlaub in einer Hütte bzw. einem Ferienhaus machen. Da die Preise in und um Ålesund fast die des oben als unerwünscht verworfenen Rückflugniveaus erreichen, habe ich den Suchradius erweitert und in der kleinen Fjordstadt Volda, ca. 50 km weiter südlich, ein kleines Ferienhaus über Airbnb gefunden.

Zunächst aber noch mal durch die Innenstadt von Ålesund: wir haben Ausschau nach Souvenirs gehalten – leider bisher erfolglos, und ich habe versucht, mit meinem Arztausweis eine kleine Packung Diclo 50 mg und Diclo- Sportgel zu erstehen. Was für eine Aktion: Der Apotheker wollte neben dem Arztausweis noch den Personalausweis sehen, meine Fachrichtung wissen und ob und wo ich aktuell praktiziere. Dann noch für wen ich die Medikamente benötige – nur die Diagnose interessierte ihn nicht. Aber die ganze Aktion hat gut eine halbe Stunde gedauert und 35€ gekostet. Und da sag einer, Deutschland habe hohe Medikamentenpreise …

Nach erneut gutem Mittagessen in dem von gestern bekannten kleinen Restaurant in der Kremmergården- Galerie haben wir dann wieder den Bus genommen – diesmal nach Volda. Öffentliche Verkehrsmittel sind übrigens hier das einzige, was deutschem Preisniveau entspricht, bei allem anderen sind zzt die Preise 20-30% höher. – Alkohol nicht mitgerechnet: der schwebt in anderen Regionen… Bei der Fahrt über eine Straße, die sich die ganze Zeit zwischen hohen steil aufragenden Bergen und dem Fjord schlängelt, haben wir zusätzlich noch eine 20- minütige Fährfahrt zum Eingang des Hjørundfjords genossen- im Hintergrund die Sunmører Alpen. Echt ein Erlebnis. Das für 3 Tage gemietete Haus ist gut eingerichtet und geräumig – und wir haben es zu einem wirklich guten Preis bekommen. Jetzt hoffe ich nur, dass Eispacks und Diclo ihre Wirkung tun…

Tag 13: Vom Fjell durch die Berge zum Fjord – Wanderungen in Mittelnorwegen: Ålesund

Donnerstag, 7.Juli 2022

Heute also Stadtbesichtigung: Ålesund ist an einem Januartag Anfang des 20.Jahrhunderts komplett abgebrannt- das Feuer hatte bei der Stadt aus Holzhäusern leichtes Spiel. 10000 Einwohner wurden mitten im Winter obdachlos. Da die erste und entscheidende Hilfe durch Hilfsgüter erfolgte, die mit 4 Schiffen aus dem Privatvermögen von Kaiser Wilhelm II herangeschafft wurden, gibt es an zentraler Telle im Ort eine Kaiser-Wilhelm-Straße und ein entsprechendes Denkmal. Gibt es in Deutschland auch ein Kaiser Wilhelm II Denkmal ???

am Ålesundet, einem natürlichen Kanal zwischen den Inseln, auf denen die Stadt erbaut ist

Der Wiederaufbau der Stadt erfolgte in Stein – und zwar der Mode der Zeit entsprechend im Jugendstil bzw. Art Déco. Sogar die Kirche ist in diesem für Sakralbauten ungewöhnlichen Stil gehalten. Sehr schön! Angefangen haben wir mit dem Aufstieg zum Aksla: zunächst, um einen Überblick über die Stadt zu gewinnen, aber auch, um mit den Postkartenmotiven aus dem Internet zu konkurrieren. Hat leider nicht geklappt – Regen…..

Zum Mittag ging es dann in ein Restaurant in einer Einkaufspassage: der Vorteil ist, dass dort auch Norweger zum Essen waren und nicht nur die Touristen vom Kreuzfahrtschiff. Ich habe Bacalao gegessen (Stockfisch), sehr lecker als Eintopf mit Tomaten und Kartoffeln zubereitet. Nach dem Essen dann mit dem Bus zum Meeresaquarium: hier leben Fische und Meerestiere der Nordmeere – ganz toll: Robben, Otter, auch kleine Pinguine (wieso eigentlich ??) und dann fotogene Becken mit Dorschen, Meeraalen, Rochen, Krabben, und vielem, vielem anderem Getier. Zum Abend nach kurzem Einkauf zum Appartement, kaltes Abendbrot und dann den Versuch mit meinem Blog up-to-date zu kommen (heute sollte es gehen – es gibt WIFI….) Zum Schuss noch eine unangenehm zu schreibende Nachricht: das Knie wird eher dicker als dünner und tut schon nach weniger als einer Minute Stehen weh (gehen ist ganz ok) …. So macht der Urlaub eigentlich kaum noch Sinn. Aber die Entscheidung über die nächsten Tage haben wir auf morgen früh verschoben …

Tag 12: Vom Fjell durch die Berge zum Fjord – Wanderungen in Mittelnorwegen : von Hageseter nach Hjerkinn und dann mit Bahn und Bus nach Ålesund

Mittwoch, 6.Juli 2022, 7,5km

Es ist schon gut, dass heute zunächst der letzte Wandertag ist, denn der Schleimbeutel am Knie lässt mich seit 2 Tagen nicht wirklich in Ruhe.
In dieser Hütte treffen wir mehrere Pilger auf dem Olavsweg: es sind vor allem Deutsche, die diesen Weg gehen – unterschiedlichen Alters. Es scheint mir, dass diese Art der Fernwanderung einfacher zu organisieren ist, als eine Tour durch den Nationalpark und so auch weniger erfahrene Wanderer sich an die Strecke herantrauen. Im Nationalpark selbst haben wir fast keine deutschen Wanderer getroffen.
Auf diesem Teil des Wegs, der eigentlich auch noch zum Rondanestien gehört, sehe ich nur die Wegzeichen des Olavswegs nach Trondheim und Zeichen des Königswegs, also der befestigten königlichen Straße, die im Mittelalter durch ganz Norwegen führte. Bei Hjerkinn kommen wir zur Pilgerkirche „Eysteinkyrkja“ in der wir einen gemeinsamen Kaffee mit der Dame trinken, die die Kirche beaufsichtigt und die Pilger empfängt – unvorhergesehene nette Begegnung!
Dann nur noch 2 Kilometer weiter bis zum Bahnhof in Hjerkinn- ich bin ganz glücklich, dass ich das Bein jetzt hochlegen kann….
Die Bahnhofshalle ist für deutsche Verhältnisse absolut ungewöhnlich. Auch hier gibt es an dem kleinen Bahnhof mit nur wenigen Zügen pro Tag natürlich kein Personal. Aber Wartesaal und Toiletten sind geöffnet und geheizt und – besonders bemerkenswert – absolut sauber: keine Graffitis, keine Schmierereien, kein Müll. Und das nicht nur hier: auch auf den Wanderwegen habe ich keinen Müll gesehen. Toll!
Jetzt haben wir 7 Stunden Fahrt vor uns: zunächst mit dem Zug übers Fjell bis Oppdal, dann mit dem Bus durch das Drivdalen. Zunächst ist die Drive ein wilder Gebirgsfluß, weiter talabwärts fließt er durch eine landwirtschaftlich geprägte Landschaft und noch später fährt der Bus ein weites Fjordtal entlang bis wir kurz vor Kristiansund erneut umsteigen und dann an der Küste entlang – leider bei Dauerregen – Ålesund erreichen. Unser Airbnb liegt am fast höchsten Punkt der Stadt mit schöner Aussicht – ansonsten ist die Unterkunft, die wir für 2 Nächte gemietet haben, eher lieblos eingerichtet und insgesamt ziemlich mittelprächtig.
Zum Abendbrot hauen wir uns eine Pizza in den Ofen, die wir gerade noch gekauft haben : mein Knie tut doch so weh, dass ich keine Lust zum Kochen habe, und es ist auch schon 9 Uhr. Ach so, beim Einkauf: ich wollte eine Flasche Bier kaufen – Fehlanzeige. Ab 20.00 darf kein Alkohol über 3% mehr verkauft werden. Dann also „Lit-Øl“mit 2,5% ….
Morgen ist zunächst die Besichtigung von Ålesund geplant – dann gucken wir weiter.

Karte und Track

… mehr Infos zu Wegbeschaffenheit und Höhenprofil?