🚶Juli 2026: Im Vanoise Nationalpark – Tag 4

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von Villaron zum Réfuge les Estevelles

Dienstag, 21.Juli 2026; 14 km, 1100hm bergauf, 210 hm bergab

Frühstück um 8 Uhr auf meinem kleinen Campingplatz mitten im Nirgendwo. Gestern noch hatte mir die Wirtin eine Wegvariante beschrieben, auf der ich nicht 1,5 km zurücklaufen muss. Und diese Variante, die nicht weit hinter dem Campingplatz auf der Seite des Arc entlangläuft, erwies sich als ausgesprochen schön: endlich mal ein schmaler Pfad, der sich im sanften Auf und Ab fast bis Bonneval–sur-Arc schlängelt. Im Ort sehe ich die Fromagerie – eine Kooperative lokaler Produzenten. Ich hätte den Laden leer kaufen können, so lecker sah alles aus. Leider kann ich nicht mehr als 200g tragen… .

Bonneval

Dann noch ein Besuch in der Barock- kirche des Dorfes und schon beginnt der Aufstieg. Ich nehme mir sehr, sehr viel Zeit, steige gefühlt im Schneckentempo bergan: zunächst durchs Skigebiet, dann über einen schmalen sehr schönen Hangweg in leichtem Anstieg. Überhaupt nicht schwierig. Plötzlich halte ich an: warum bin ich in diesem Moment gestresst? Ich mache Pause, esse etwas und versuche einfach, die Gegend zu genießen. Langsam lässt die Anspannung nach. Es ist erst halb zwei, kein Gewitter in Sicht, ich habe alle Zeit der Welt… . Ich steige langsam weiter an, der Weg wird zunächst steiler, dann führt er in leichtem Anstieg die letzten 15 Minuten zum Réfuge auf 2500m.

Réfuge des Estevelles

Von dort zeigt sich mir ein Blick auf einen Cirque von Gletschern (Gletscherresten) mit Seen, der einfach grandios ist. Ich habe keine Lust mehr, mir die Seen selbst von Nahem anzusehen, bleibe einfach auf der Terrasse des Réfuge sitzen und staune.

Blick von der Terrasse der Hütte der kleine orangene Punkt ist übrigens mein Zelt

Später baue ich das Zelt möglichst wind- geschützt auf (ich denke, das ist heute wichtig), und habe dann noch etwas Lesezeit bis zum Abendessen (Suppe, Hähnchen mit Püree, Aprikosenkuchen zum Nachtisch. Dazu nette Gespräche der Tischnachbarn, die morgen alle das gleiche Ziel wie ich haben. Mit dem Posten des Blogs wird das heute übrigens nichts: es gibt wirklich überhaupt kein Netz.

PS: inzwischen weiß ich , dass ich erst 2 Tage später wieder genug Zivilisation zum Weiterführen des Blogs haben werde…


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🚶Juli 2026 Im Vanoise Nationalpark – Tag 3

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von Termignon nach Villaron

Montag, 20.Juli 2026 24 km, 1230 m bergauf , 860m bergab

Ich bin es nicht gewohnt, mehrere Nächte hintereinander zu zelten und muss mich erstmal organisieren. Heute morgen war ich es nicht: außer einer Banane, Nüsse und einem Schokoriegel hatte ich nichts zum Frühstück – Wasser als Getränk …. Puuh. Um 11.00 hatte ich wieder Hunger. Schlechte Planung. Zumindest habe ich mir – aber erst nach dem Frühstück- im Supermarkt im Ort Brot und Trauben gekauft.

Der Arc – gezähmt im engen Korsett


Der Weg war heute etwas langweilig und heiß – wahrscheinlich besser mit dem Rad zu fahren als zu Fuß. Auf dem Weg wieder einige kleine nette Barockkapellen (oft aus touristischen Gründen geöffnet) aber auch viele Skigebiete und Feriensiedlungen. In einem der Dörfer (Lanslevillard) gibt es es eine komplett ausgemalte Kirche. Ich war um 12.30 dort – geöffnet zwischen 16.30 und 19.00 … .
Ein paar Kilometer weiter verlasse ich den „chemin du petit bonheur“ und laufe am Ufer bzw. an den Altarmen des Arc weiter.

Hier war Baden offiziell erlaubt !

Ein Badesee! Den ich natürlich nutze. Ich habe schon überlegt, ab jetzt jeden Tag schwimmen zu gehen – um beim Abendessen zu lernen, dass das aus ökologischen Gründen hier in den Bergseen streng verboten ist … In Bessans lacht mich ein Eis an! Das nehme ich gerne, wenn ich schon meine kleine Barockkirche nicht besichtigen kann … Da die Busse ganz, ganz schlecht abgestimmt fahren, habe ich nämlich keine Chance, mir die ausgemalte Kirche in Lanslevillard anzugucken. Ich bin ziemlich knatschig – aber das Eis hilft!

… mhhh …

Dann sind es nur noch 4 km am Ufer des Arc bis zu meinem kleinen Campingplatz mitten im Nirgendwo (La Grange du Travérole) . Aber mit echt leckerem Essen : Bauernsalat, Wein und Blaubeerkuchen als Nachtisch…
Ab morgen geht es in die Berge…. Hoffentlich kriege ich das hin !




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🚶Juli 2026 Im Vanoise Nationalpark – Tag 2

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Von Modane über den GR5E nach Termignon

Sonntag, 19.Juli 2026, 23,5 km 850 m bergauf, 650 m bergab

Ich beginne heute mit einer Variante des GR 5, die langsam an den Händen des Arc in die Berge ansteigt. Bezeichnenenderweise heißt der Weg „ le petit bonheur“ – eine einfache Variante auf dem GR5, der ja vom Genfer See zum Mittelmeer führt. Ich möchte mich erstmal an den relativ schweren Rucksack gewöhnen (9kg ohne Wasser und Verpflegung), bevor in den nächsten Tagen die  Höhenmeter dazukommen.

Aber zunächst geht es schon mal 300 m bergan zur Skistation Norma mit schönem Ausblick ins Tal.

Nach einigen Kilometern erreiche ich eine riesige Festungs- anlage: das Val Cenis war ein wichtiger Pass in Richtung Italien. Und so baute das Königreich Sardinien, zu dem Savoyen gehörte,  Anfang des 19. Jhs diesen Festungsriegel, um sich gegen französische Angriffe zu schützen.  Es kam anders. Savoyen fiel 1860 an Frankreich und das Fort wurde nutzlos. Die Franzosen hatten die Auflage,  das Fort zu zerstören,  was sie nie durchgeführt haben… . Ich habe kein Lust auf ein Museum über Festungsarchitektur und gehe weiter.

In Bramans, einem nett restaurierten Weiler, zeigen Fotos an den Gebäuden,  dass diese verschlafenen Häuser früher ein lebendiges Dorf mit kompletter dörflicher Infrastruktur war – jetzt ist kein Mensch auf der Straße, die meisten Häuser werden zum Schlafen oder als Ferienwohnungen genutzt; nur ein kleines Restaurant wird von Touristen besucht.

Um die Mittagszeit  finde ich einen kleinen See, der mich magisch anzieht.  Es ist heiß und das Wasser eiskalt: die Erfrischung grandios.

Ich gehe bis Termignon weiter. Zwei schottisch Frauen, die auf dem GR5 unterwegs sind und denen ich im Wald begegne, erzählen mir nämlich von einem netten Restaurant in diesem Ort. Das kann ich im Endeffekt bestätigen: ich esse eine sehr leckere Tartiflette (Kartoffeln,  Speck mit Reblochon überbacken) in einem kleinen Restaurant- la petite ferme.

Übernachtung auf dem lokalen Campingplatz am Doron, einem Nebenfluss des Arc- das Rauschen des Flusses inbegriffen,  das alle weiteren Nebengeräusche übertönt. Glücklicherweise ist das so monoton, dass es den Schlaf nicht stört.

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🚶Juli 2026: Im Vanoise Nationalpark – Tag 1

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mit dem Zug von Aachen über Paris nach Modane

Samstag, 18.Juli 2026

Mit Margot habe ich über Ostern gelernt, wie höchst entspannt eine Anreise sein kann, wenn man nicht versucht, auf den letzten Drücker am Bahnhof zu sein. Andrea war zwar etwas genervt ob der Zumutung, schon um 8.00 loszufahren, aber so konnte ich noch in aller Ruhe meine „Beauty“ – Kollektion für den Rucksack vervollständigen
(ich habe Feuchtigkeitscrème gekauft), bevor ich den Eurostar nach Paris bestieg.

Gare du Nord


In Paris angekommen war die Frage, wie ich die 3 Stunden Aufenthalt sinnvoll nutzen könnte: ich habe mich für das Bansky Museum entschieden, das nur 20 Minuten Fußweg von der Gare du Nord entfernt ist.

Ich kannte bisher nur die populärsten Graffitis von ihm- und war höchst erstaunt und betroffen von der Mischung aus Wut, Trauer, Witz und Melancholie. Sehr, sehr gut !!

Nach kurzer Mittagspause an der „Fontaine des Innocents“ nicht weit von „Les Halles“ ging es mit der RER zur Gare de Lyon und dann mit Trenitalia über Lyon nach Modane, dem Grenzbahnhof nach Italien in der Maurienne.
Trenitalia ist wirklich eine Alternative: moderner Zug, Snack und Getränk mit Bedienung im Fahrpreis inbegriffen! Und das nicht nur in der ersten Klasse!

Grenzbahnhof Modane

Auf der Fahrt und später auf dem Campingplatz in Modane führe ich spannende Gespräche: mit einer Australierin, die mit dem Rennrad auf den Spuren der Tour de France durch die Alpen fahren will, einer in Mailand lebenden Slowenin, mit der ich unter anderem über die Sprachen auf dem Balkan gesprochen habe, auf dem Campingplatz mit einem Belgier, der mit seiner Freundin im Januar in Brüssel mit dem Rad aufgebrochen ist, um quer durch Europa zur Seidenstraße zu radeln und sich jetzt auf dem Rückweg befindet. Und zu guter letzt einen Mann aus Freiburg- offensichtlich mit osteuropäischen Wurzeln – der in den letzten vier Tagen mit eibem jahrzehntealten Trekkingrad die Alpen überquert hat, auch durch die Steppe Kasachstans radelt und in jedem Winter nach Weihnachten mit Zelt und Rad (mit Spikes) den Schwarzwald überquert. Bei diesen Geschichten erscheinen mir meine Touren wie wohlbehütete Wochenendausflüge ….

🚶 2026 Im Vanoise-Nationalpark

Ich war schon lange nicht mehr in den Alpen,
und eine Tour mit Zelt habe ich dort noch nie gemacht.
Da aber die Hütteninfrastruktur
in diesem ältesten französischen Nationalpark ausgezeichnet ist
und Zelten mit Hüttenverpflegung zum Standard gehört,
wage ich mich an diese Tour:
wegen meiner mäßigen Kondition habe ich erst langsam
entlang des Arc begonnen…
Übrigens: ohne Vorbuchung hätte die Tour nicht geklappt
– selbst mit Zelt kann man nicht mehr spontan anreisen!

Den Blog
schreibe ich meist während der Tour : abends, wenn ich aufs Essen warte, vor dem Einschlafen oder nachmittags auf der Hütte. Blogs gibt’s also meist dann, wenn ich solo unterwegs bin. Manchmal ist das Netz so schlecht, dass ich den Blogtext nur in Word schreiben kann und auf einen der nächsten Abende mit besserem Internet warte – manchmal schaffe ich es aber sogar, die Bilder auch schon zeitnah hochzuladen. Auf jeden Fall liefert der Blog die aktuellsten Impressionen- es ist eben das Reisetagebuch

Die Powerpoint
…. erstelle ich später zu Hause: da suche ich die Hintergrundinfos zu den besuchten Orten heraus, erkläre Zusammenhänge und Details und stelle meine Fotos zusammen. Die Quelle zu den Texten bilden dabei Bücher, Wikipedia, Infos der Touristenbüros aber auch andere Internetseiten. Vor allem aber versuche ich mit etwas Animation die Bilderfolge interessanter zu gestalten

Die Diashow
… ist im Pinzip die abgespeckte Variante der Powerpoint. Vor allem gedacht für einen kurzen Überblick. Auch wenn ihr den Download der Powerpoint scheut oder keinen Viewer habt, kommt dieser Weg infrage.

... mehr Infos zu Wegbeschaffenheit und Höhenprofil?

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Tag 13: Korsika – Mare e Monti: Porto-Ajaccio und Rückreise über Marseille und Charleroi

Donnerstag, 21. April 2022

Das war ein langer Tag ! Um 6.30 habe ich mich aus dem warmen Schlafsack geschält – es regnet nicht mehr ! – und wie in den letzten Tagen den Rucksack gepackt und das Zelt abgebaut. Dann sollte mein Kocher noch mal zu Ehren kommen und ich habe mir einen Tee aufgebrüht und dazu korsische Canistrelli mit Mandeln gegessen.

Und dann begann die Himmelfahrt ! Mit dem Bus  nach Ajaccio: Dauer 2,5 Stunden. So richtig angenehm war das heute bei Regen und Wind  in Ajaccio nicht, so dass ich mich in die Markthalle geflüchtet habe. Wenn es keine  Gewichtsbeschränkung im Flugzeug gäbe, wäre ich in einen Kaufrausch verfallen: Kastanienhonig, Würste und Speck, korsischer Käse,  Gewürze und Oliven – ich hatte Mühe, mich zurückzuhalten ! Dann lieber sofort den Bus zum Flughafen nehmen. Der kostet fast so viel wie der Flug nach Charleroi …

bei Marseille

Air Corsica ist pünktlich, so dass ich wie geplant gegen 16.30 in Marseille bin.  Zu Fuß dann quer über den Flughafen zu Ryanair. Und dann geht das Drama los: 50 Minuten Verspätung – das heißt, dass der letzte Zug, der noch Welkenraedt erreicht hätte, weg ist. Gleichzeitig ist Andreas Auto kaputtgegangen und es gibt niemanden, der mich ohne Riesenaufwand abholen könnte – es sind immerhin 300 km hin und zurück. Was tun ?  Verantwortliche Mitarbeiter von Ryanair sind in Marseille nicht vor Ort, so dass Beschwerde oder Hilfestellung sinnlos und inexistent sind. So warte ich, dass das Boarding beginnt, und  spreche dann alle Passagiere in der Schlange an, ob sie nicht nach Lüttich unterwegs seien. Einer bietet mir an, das Taxi zu teilen, eine Frau könnte mich bis Huy mitnehmen und eine dritte hat ein BlaBla Car organisiert, an dem ich mich beteiligen kann. Ich nehme die dritte Variante an und verabrede mich mit der zweiten (die nach Huy fährt), ihre Ausstellung am Wochenende in einer Galerie in  Aachen zu besuchen. Das könnte noch interessant werden! Der Fahrer des BlaBla Cars ist ein brasilianischer Student, der nach Ablauf seines Austauschjahres nicht nach Brasilien zurückgekehrt ist und zwischen Forschungspraktika und Illegalität  versucht, hier in Europa Fuß zu fassen.

Von Guillemins dann mit dem Zug nach Welkenraedt und von da mit dem dort geparkten Bus nach Hause – zwischendurch um 1 Uhr nachts noch tanken, da ich das Auto am Bahnhof mit leerem Tank ( 0 km  Reststrecke) vorgefunden habe.

Echt langer Tag und mal wieder der typische Hindernislauf. Aber was tut man nicht alles für einen derartig genialen Wanderurlaub !

Tag 12: Korsika – Mare e Monti: Porto: Scandola und Calanche

Mittwoch, 20. April 2022 (11 km,700m↗, 260m↘)

Hier in Porto bin ich von UNESCO Naturerbe umgeben: nach Norden  die Scandola – ein vulkanischer Küstenabschnitt mit bizarren Felsformationen und außergewöhnlicher Flora und Fauna. Und im Süden von Porto liegen die Calanches: ebenfalls vulkanische bizarre Felsen, die aufgrund des hohen Eisengehalts rot leuchten.

mein Boot

In die Scandola geht’s mit dem Boot: Im Sommer muss das wie im Bienenschwarm sein: von sicher einem Dutzend Bootskompanien liegen die kleinen Boote am Pier. In denen können 10-30 Passagiere fahren und eine Tour dauert 2-4 Stunden. Das ergibt – auch wenn ich nicht gut rechnen kann – sicher mehr als 1000 Touristen allein aus Porto … .

Scandola

Nach 20 Minuten Fahrt sind wir in der Scandola angekommen : ich bin fasziniert von den bizarren Felsformationen – für detaillierte Beobachtung von Fauna  und Flora sind wir aber einfach zu weit weg,  bzw.  ist mein Fotoapparat nicht geeignet. Die Rückfahrt geht über Girolata, so dass ich den Ort jetzt auch vom Meer aus kennenlerne.

Am Nachmittag habe ich mich dann zu Fuß auf den Weg nach Piana gemacht : es gibt eine Möglichkeit, über kleine Pfade, die immer wieder die Straße queren, dorthin aufzusteigen. Der Weg führt mitten durch die Calanches. Das sind bizarre, rote Felsformationen, bei denen mein Fotoapparat wieder heiß läuft. Oben in Piana angekommen, genieße ich noch ein Eis und dann heißt es, auf den Bus zurück nach Porto zu warten (1 Bus pro Tag … – das nenn ich tolle Infrastruktur …). Mit mir wartet eine Frau aus Berlin, die normalerweise meist in Osteuropa wandert und mir interessante Infos zu Rumänien und Georgien gegeben hat . Inzwischen regnet es: so wird mir der Abschied morgen nicht ganz so schwer fallen. Beim Abendessen (der Busfahrer hatte erzählt, im Cigale gebe es das beste Eis der Gegend) habe ich gegrillten Tintenfisch und gegrillte Muscheln in Olivenöl – Zitronensauce mit ebenfalls gegrilltem mediterranen Gemüse gegessen. Nicht ganz billig, aber unglaublich lecker. Dann noch das selbstgemachte Eis (der Busfahrer hatte recht) als Nachtisch – und jetzt bin ich komplett glücklich und der für die Nacht avisierte Regen kann mich mal ….

Track: Porto-Piana durch die Calanches

Tag 11: Korsika – Mare e Monti: E Case – Cargèse- Porto

Dienstag, 19. April 2022 (124 km,465m↗, 992m↘)

Heute geht’s zur letzten Etappe auf dem Mare e Monti. Insgesamt vor allem fast 1000 Högenmeter bergab – aber ein Anstieg von 0 auf knapp 400m  liegt natürlich doch auf der Strecke – sonst wär’s ja kein Fernwanderweg …

E Case

In E Case nach einer Nacht in absoluter Stille – unterbrochen nur vom Schrei einer Eule – bewundere ich heute Morgen wieder den Blick aufs Meer weit hinten am Horizont: diesmal ist es schon fast hell, aber der volle Mond steht noch hoch am Himmel – ein fast unwirkliches Bild … . Von Raffaela und Reinhard bekomme ich einen leckeren Kaffee zum Frühstück im Tausch gegen Tee am Vorabend. Ob es sich wirklich lohnt, einen Kocher mitzuschleppen, nur um dreimal Tee zu kochen ??

Auf zu den letzten Wanderstunden: mit immer wieder (wie immer) tollen Blicken geht der Weg zunächst steil ins Tal: das ist auf dem lösen Geröll wiederum ziemlich anstrengend, und ich habe die Wanderstöcke für die nächste Tour auf  die Liste der wünschenswerten Utensilien geschrieben.

Zunächst an freilebenden Schweinen vorbei auf einem Fahrweg ins Tal und dann erneut auf einem alten Karrenweg über den letzten Hügel nach Cargèse.

In dem von Genuesern besiedelten Ort hat sich im 17. Jh. eine griechisch- melkitische Gemeinde niedergelassen, so dass hier neben der römisch – katholischen auch eine griechisch- katholische Kirche existiert.  Nach der Besichtigung gibt’s das obligate „End of the Tour“ Eis : Diesmal ein großer Becher Mövenpick Eis mit Sahne. Mmmmh, schmeckt himmlisch lecker.

Porto

Um 17.00 kommt  der Bus nach Porto: morgen möchte ich noch die Felsen der Scandola (UNESCO – Weltnaturerbe) mit dem Boot, und danach zu Fuß die Calanches erkunden. Übernachtung auf dem Camping „Les Oliviers“ – 4 Sterne und zum Abendessen Pizza in einem sehr touristischen Restaurant in der Nähe des überaus pittoresken Hafens. Den werde ich mir morgen bei der Bootstour noch genauer ansehen.

Tag 10: Korsika – Mare e Monti: Marignana – E Case (Rivanda)

Montag, 18. April 2022 (18,5 km,850m↗ 935m↘)

Nicht nur die Sänger gestern beim Konzert können singen (wenn die auch besonders gut waren): mehrere aus der französisch- deutschen Wandergruppe stammen aus Korsika und lieben es zu singen: es fing schon heute morgen mit einem tollen Kanon an und bei der ersten größeren Pause wurde wieder ein neues Lied oder Kanon ausprobiert. Ich wusste gar nicht, wie melodisch und rhythmisch interessant französische Volksmusik ist !

Der Weg folgt heute dem Verlauf des  Almauftrieb bis auf ca 1200m Höhe. Er führt durch alte Kastanienplantagen, deren Böden aktuell von Wildschweinen durchwühlt sind , durch Macchia mit phantastischen Blicken und an unwegsamen Steilhängen entlang bis zu dem ehemaligen Gite El  Case. Der Besitzer gibt uns die Erlaubnis zum Zelten, und dann können wir einen spektakulären Sonnenuntergang mit Vogelgezwitscher und ansonsten absoluter Ruhe genießen.

Leider ist morgen der letzte Tag , und uns bleibt nur der Abstieg nach Carghese – der Wandergruppe hatte ich schon kurz vor dem Gîte „au revoir“ gesagt: die haben kein Zelt dabei und mussten sich deswegen ein Taxi nach Revinda bestellen.

Tag 9: Korsika – Mare e Monti: Ota-Marignana

OsterSonntag, 17. April 2022 (12 km,850m↗ 450m↘)

Heute habe ich alle Zeit der Welt  – die  Messe zu Ostersonntag findet erst um 11.00 im Dorf statt. Also kann ich in aller Ruhe frühstücken, duschen, meine Sachen packen und habe Zeit, „das Geheimnis der Flusskrebse“ zu Ende zu lesen: (tolle Milieustudie und richtig spannend!) und „Die Brücken der Freiheit“ von Ken Follett anzufangen.

Dann zur Messe. Ich bin extra früh da – ich erwarte ziemlichen Andrang, da es nur noch eine andere  Messe in einem Gemeindebezirk  von sicher 2500km² gibt. War aber wirklich nicht nötig – knapp 40 Leute verlieren sich in der Kirche. Gesang ist fast inexistent, die nicht mehr ganz jugendlichen  Vorsänger kennen weder sicher ihre eigenen  Lieder, noch sind sie firm in der  Reihenfolge der Liturgie … . Da ist es auch kaum verwunderlich, dass die Ostermesse schon  nach gerade ¾: Stunden beendet ist.


Danach zur Gorge de la Spelunca . Tolle Wanderung durch die Schlucht – nur bin ich dabei nicht unbedingt tiefenentspannt: wegen eines Erdrutsches ist die Schlucht gesperrt – die Wirtin meinte allerdings, dass der Weg mit etwas Kletterei gangbar sei. Stimmte auch, aber  ruhig war ich erst, nachdem ich die Passage überwunden hatte.

Biwak dann in Marignana – nur dass das Gite und vor allem das Restaurant heute am Ostersonntag brechend voll sind.  Irgendjemand bringt in Erfahrung, dass im Kleinkunstsaal nebenan ein Konzert mit korsischem Gesang  stattfindet: Absolut genial – auch wenn die Hälfte der Sänger mit Covid in Isolation sitzt. Deswegen ziehe ich auch meinen Schnutenpulli an – ich habe keine Lust, am Donnerstag das Flugzeug zu verpassen.